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Truus Matti: Apfelsinen für Mr Orange, Oetinger Tb 2015 € 7,99

Das Buch Apfelsinen für Mister Orange handelt von Linus, dem zweitältesten Bruder einer großen Familie mit 6 Kindern, die in New York wohnen. Da sein großer Bruder Apke (sein eigentlicher Name ist Albert) in den Krieg gegen die Nazis nach Europa geht, übernimmt Linus teilweise die Arbeit von Apke sowie die Stiefel des älteren Bruders. Linus wird deshalb zum Obstlieferanten  und er trägt die Früchte von dem Lebensmittelladen seiner Eltern aus. Alle zwei Wochen trägt er eine Kiste Apfelsinen zu Mister Orange (Mister Orange ist ein berühmter Künstler aus Europa, der nur die Farben rot, gelb und blau für seine Werke verwendet, ich verrate aber nicht, wer es ist) , der sehr freundlich zu Linus ist und seine Fragen immer ganz ernst nimmt. Einmal fragt Linus zum Beispeil, wieso Gerüche keine Namen haben, Farben aber schon und Mister Orange gibt sich alle Mühe, diese Frage zu beantworten. Der Maler schenkt Linus auch immer eine Orange und verarztet ihn auch, als er sich einmal das Knie aufgeschlagen hat. 

Zuerst wollte ich das Buch gar nicht lesen, weil es mir zu wenig aufregend erschien und ich normalerweise gerne Bücher mit mehr Action lese. Doch insgesamt finde ich das Buch ziemlich gut. Es wird sehr viel Alltägliches erzählt, hat aber auch spannende und ergreifende Stellen. Es gibt noch zwei Überraschungen, die beide sehr traurig sind, die ich aber noch nicht verraten möchte. Am Ende des Buches finden sich noch einige Informationen über den Maler und seine Werke.
Wendelin, 9 Jahre
„Fantasie dreht sich nicht nur um Dinge, die nicht vorhanden sein können. Fantasie braucht man gerade auch, um echte Dinge zu machen.“ „Als Apke in den Krieg zog, bekam jeder von ihnen neue Schuhe. (...) Neu, wie sie es bei Linus zu Hause gewöhnt waren: Die alten Schuhe des einen wurden zu den neuen Schuhen des nächsten in der Reihe.“ Zitat Matti, Apfelsinen
Sechs Kinder und ein Krämerladen im New York von 1943. Einmal in die Geschichte hineingestolpert wird der Leser so unmittelbar von Räumen, Farben, Gerüchen und Gedanken und Fantasien umfangen, dass er einfach weiter lesen muss: Vom fernen Krieg in Europa, der sich in den amerikanischen Familien einnistet. Vom alten Mondrian, den Linus mit Apfelsinen versorgt und der den Jungen staunen macht. Von Superman und seinen Feinden, den Nazis, die für Superman und in den Köpfen der Jungs ein leicht zu bekämpfendes Übel sind. Vom Krieg, den Linus Eltern, dem Zeitgeist widersprechend, sehr nüchtern betrachten und von Feldpostbrief-Sätzen in Klammern, die Apke nicht für Kinderohren schrieb, die Linus aber unbedingt ergründen muss.
Mit seinen neuen, viel zu großen Siebenmeilenstiefeln durchschreitet Linus sein kleines Lebensumfeld, für das er sich das Große, den Krieg und die Kunst mit kindlicher Leichtigkeit passend macht. Dabei montiert die Autorin Wirklichkeit und Fantasie an der sich Linus Einsichten beflügeln schwungvoll und stimmig ineinander. Am Ende dieser wunderbaren Geschichte passen nicht nur die Schuhe grade recht.
Katrin Rüger