Maloni, niemand

Mbu Maloni, Niemand wird mich töten, Peter Hammer Verlag 2011 € 12,90

Sauberes Trinkwasser, nie Hunger zu leiden, die Liebe der Eltern, ein warmes Bett - das ist unser Alltag. Wir sehen es als selbstverständlich an, doch all das kennt der 17-jährige Mbu Maloni nicht. Er wächst in den Townships Südafrikas auf. Schon früh lernt er, auf sich selbst aufzupassen und wird in seiner Kindheit meist von seinem Bruder versorgt, da die Mutter trinkt und oft tagelang weg ist. Die Brüder müssen oft Hunger und Durst leiden. Als Mbu sechs Jahre alt ist muss er mit seiner Mutter in eine fremde Stadt ziehen. Sein Bruder bleibt bei einer Frau zurück, die Kinder aufnimmt. In dem neuen Township Masiphumelele ist Mbu glücklich. Er darf zur Schule gehen, seine Mutter trinkt nicht mehr und hat einem Job. Doch als ihr gekündigt wird ändert sich alles. Mbu muss allein zurück zu seinem Bruder nach Masizakhe und dort ebenfalls bei der Frau wohnen. Nach fünf Jahren in Masizakhe will er seine Mutter wieder sehen und zieht zurück nach Masiphumelele. Seine Mutter hat nun einen Mann und ein Kind. In Masiphumelele findet er zwei guten Freunde: Ati und Yamkela. Er schlägt sich durch, lebt mit Ati in einem Wohnwagen und isst ab und zu bei Yamkela. Als Mbu 15 Jahre alt ist, stirbt sein Bruder an Tuberkulose.Doch dann passiert endlich etwas Gutes in seinem Leben, er lernt das Projekt HOKISA kennen.

Mit Hilfe des Projektes kehrt er zurück nach Masizahke, wo er die Schule fertig machen will. Dann geschieht das Unglaubliche: Die Frau die ihn einst versorgt und aufgenommen hat, beschuldigt ihn einer Vergewaltigung. Mbu kommt in Haft und erlebt dort die schrecklichsten 6 Monate seines Lebens. Doch er hat Glück, die Leute von HOKISA helfen ihm aus dem Gefängnis und nehmen ihn auf. Dort findet er erstmals ein richtiges Zuhause. Doch kaum hat sich in Mbus Leben etwas zum Guten gewendet wird sein Freund Ati erstochen und stirbt. Um all diese Erinnerungen und Ereignisse zu verarbeiten, bittet er Lutz van Dijk diese bewegende Geschichte in einem Buch niederzuschreiben. Ich finde das Buch sehr gelungen, da der Leser von Anfang an schnell in die Geschichte reinfindet und durch den packenden Inhalt zum Weiterlesen angeregt wird. Durch die authentische Sprache kann er sich sehr gut in Mbu Malonis Leben hineinversetzten. Das Buch regt zum Nachdenken an, da all seine niedergeschriebenen Erlebnisse erst vor kurzer Zeit, beispielsweise während der EM in Südafrika stattfanden. Es wird auf die Hoffnungslosigkeit und Armut solcher Kinder aufmerksam gemacht. Dieses Buch sollte unbedingt gelesen werden! Katja, 15 Jahre

Jeder von uns will jemand sein. Möchte gehört werden. Sogar jedes Baby. Und hier beginnt meine Geschichte.“ Mbu Maloni

Mbus Sprache schwingt in eigenwilligen oft kurzen Sätzen. Sie scheinen noch während des Lesens ihre Inhalte zu suchen, um sie dann mit vehementem Nachhall klingen zu lassen. Mbu, heute 20 Jahre alt, führt seine Leser an die Orte seiner Kindheit und Jugend in ein Township bei Kapstadt. In der kargen Enge der provisorischen Behausungen, die er mit seiner Mutter bewohnt, liegt er nachts auf dem feuchten Boden wach und kann sich der Gerüche, Geräusche und dem (Liebes)Leben wechselnder Bewohner nicht entziehen. Er sorgt für seine Babyhalbschwester, so wie es sein Bruder damals für ihn getan hat. Nirgendwo findet sich Sicherheit und menschliche Wärme für ihn. Zwischen der Mutter und einer verwandten Oma wird der kleine Junge im Bus hin und her geschickt wie ein Postpaket, zumeist ohne Porto. In Mbus Welt hat niemand etwas zu verschenken. Ein Schicksal, dass er mit vielen Kindern der Townships teilt. Sein ganzer Stolz ist es, die Schule besuchen zu dürfen. Lehrer bilden für ihn erstmals verlässliche Bezugspersonen. Als Jugendlicher flüchtet er zu Freunden. Einer von ihnen wird nicht älter als 15 Jahre werden. Die imense Verlorenheit in Mbus Leben dringt aus den Leerstellen des Textes in den Leser und lässt den großen Überlebensbonus des jungen Menschen, seine Zuversicht  in ganz besonderem Glanz erstrahlen. Die großen Worte unter den wenigen, die Mbu für seine Geschichte benötigt, scheinen hier alle am richtigen Platz zu sein. Es lohnt sich mal wieder über Mut und Träume, über die Chance sein Leben zu ändern und über das Füreinander so wie Verantwortung  nachzudenken oder eben über das „einfach so“,  das allen Lesern das Herz öffnen wird, so wie Mbu, der nur mit dieser Hilfe seine Geschichte erzählen konnte. Einfühlsam hat Lutz van Dijk den jungen Autor und die Entstehung dieses Buches begleitet.