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Buchmesse: Frankfurt 2014

Unser erster Programmpunk war die Podiumsdiskussion zwischen zwei Autorinnen, die beide aus der DDR kommen und Bücher darüber geschrieben haben: Grit Poppe mit Weggesperrt, Abgehauen und aktuell Schuld, und Dorit Linke mit ihrem Debüt Jenseits der blauen Grenze. Mit beiden konnten wir ein Interview führen.

Grit Poppes Traumberuf war schon immer Autorin zu werden. Mit 12 Jahren trat sie in den "Club der jüngsten Poeten" ein, wo man auch Zugang zu Werken wie von Hemingway hatte. In der DDR waren im Allgemeinen wenige Übersetzungen vorhanden, da kaum Geld für Lizenzen eingeplant wurde. Die Konfrontation mit Gewalt und der unterdrückender Bürokratie der Stasi begann für sie schon früh, da ihr Vater in einer Bürgerrechtsorganisation war und überwacht wurde. Sie erzählte uns von einem Besuch mit ihrem Vater in einer Eisdiele, welcher in einer Verfolgungsjagd mit Stasileuten endete. Allerdings nahm sie das damals alles nicht so bedrohlich wahr, erst später umriss sie die Methoden und den Umfang des ganzen Unterdrückungsapparats, auch als sie selbst von "Zersetzungsmaßnahmen" betroffen war. Um weiter ihren eigenen Weg zu gehen, suchte sie sich Nischen, außerhalb von Schule und Ähnlichem. Sie ließ sich nicht von der Stasi anheuern und engagierte sich später selbst in Menschenrechtsbewegungen.
In ihrem neuen Buch Schuld geht es um den Konflikt zwischen der Tochter aus einer sehr regimetreuen Familie, die sich mit einem Oppositionellen anfreundet, ihrer Familie und der ganzen Gesellschaft. Auch wenn das Cover überdeutlich sagt: "Ich bin ein DDR-Buch!", ist der Inhalt lesenswert.
Dorit Linke schreibt etwas anders als Grit Poppe. Ihr Debüt Jenseits der blauen Grenze, das bei Magellan in diesem Jahr erschienen ist, ist ein besonderes DDR-Buch. Schon das Cover bedient nicht die typischen DDR-Symbole, sondern ist kreativer gestaltet. Die Geschichte handelt von Jugendlichen, die über die Ostsee in die BRD fliehen wollen. In Rückblicken wird das Leben in der DDR und die Gründe für die Flucht beschrieben. Die Autorin wollte mit ihrem Buch Gefühle von Jugendlichen aus der DDR authentisch vermitteln, da heutzutage in der Schule meistens nur Fakten behandelt werden und die noch junge Geschichte nicht lebendig wird. Sie hat uns von Normalität und Alltag erzählt, der neben der Geschichte, die vor allem bei den Demonstrationen unmittelbar vor dem Mauerfall geschrieben wurde, einfach nebenher lief. Die Gefahr auf den Demonstrationen, die auch kurz vor dem Mauerfall immer noch sehr hoch war, da man nie sicher sein konnte, ob geschossen würde, war gar nicht so stark im Bewusstsein der Leute. Die Bedeutung der Ereignisse wurde vielen auch erst später klar.
Es war spannend zwei Zeitzeugen zu hören, wie unterschiedlich zum Teil die beiden Autorinnen ihre Bücher schreiben, vorlesen, welche Meinungen sie sich von Filmen, die die DDR als Thema haben, gebildet haben, und wie sie besonders den Wandel und den Mauerfall wahrgenommen haben.