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Auf der Leipziger Buchmesse trafen wir den Spiegel-Bestseller-Autor Arno Strobel, der jetzt sein erstes Jugendbuch Abgründig herausgebracht hat. Davon hatten wir am Vortag zwei Exemplare geschenkt bekommen und wir haben es geschafft, dass wir vier das Buch vor dem Interview alle gelesen haben. So waren wir optimal vorbereitet und unsere erste Frage war natürlich, wie immer, unsere Lieblingsfrage:

Bücherfresser: Finden Sie es sadistisch, Figuren in Ihren Büchern leiden oder sterben zu lassen? Arno Strobel: Nein, definitiv nicht. So was wird einfach gerne vom voyeuristischen Leser auf der sicheren, gemütlichen Couch gelesen. Allerdings halte ich mich bei meinem Jugendbuch mit dem Gemetzel zurück, ich deute nur an. Ich habe die Denkweise der Kinder berücksichtigt, denn Jugendliche gehen viel unbedarfter an Situationen heran. Das finde ich sehr spannend. Ich habe mir immer überlegt „Wie weit kannst du gehen? Welche Altersfreigabe wäre das in einem Film?“ und wenn es als Film erst ab 18 freigegeben wäre, hab ich es weggelassen.

BF: Gerade als Thriller-Autor hat man viel mit Klischees zu tun. Verwenden Sie die für Ihre Charaktere? AS: Normalerweise verweigere ich Klischees und greife bei meinen Charakteren zurück auf eigene Erfahrungen, manchmal passt es aber auch einfach.
BF: Wussten Sie von vornherein genau, was passiert und wie das Buch endet? AS: Ich habe einen Anfang und ein Ende, aber dazwischen entwickelt sich alle spontan. Es ist wahnsinnig spannend, nicht zu wissen, was in zwei Seiten passieren wird! Natürlich ist es anstrengend ohne einen genau festgelegten Plot zu schreiben, da man oft in einer Sackgasse landet, aber so entwickeln sich die Figuren im Laufe des Buches und das ist für mich immer etwas Neues. Mein Ausgangspunkt war eine Extremsituation, in der eine Gruppe wahllos zusammengewürfelter Jugendlicher landet. Ein Ende zu haben, ist sehr beruhigend, aber das kann sich auch noch mal ändern. Bei Abgründig steht das Ende ja am Anfang, da musste was Wichtiges passieren, da habe ich einen Knall gebraucht.
BF: Haben Sie selbst schon einmal ähnliche Situationen wie in „Abgründig“ erlebt? AS: Nein, gottseidank hatte ich noch kein Messer in der Hüfte stecken!!!! Auf der Zugspitze war ich schon, aber ohne Sturm. Ich besuche die Orte, über die ich schreibe generell, die Stimmung dort kann einfach nicht angelesen werden und sonst bringt man das nicht rüber. Zum Beispiel war ich für mein erstes Buch, einen Vatikan-Thriller, fünf Tage in Rom auf einem Priesterseminar und für mein Buch „Der Sarg“ habe ich mich mitten in der Nacht im Stockdunkeln auf den Boden meines Büros gelegt, um eine Vorstellung davon zu haben, wie man sich lebendig begraben fühlt.
BF: Würden Sie einer Verfilmung von „Abgründig“ zustimmen und würden Sie dabei mitmachen? AS: Verfilmung: unbedingt. Aber selber mitmachen unbedingt nicht!!! Jeder, was er kann.
BF: Was würden Sie sagen, wenn eines Ihrer Kinder plötzlich Autor werden wollen würde? AS: Schreiben ist ein toller Beruf, aber man muss erfolgreich sein, sonst macht es keinen Spaß, das ist bei fast allem so. Ich hatte einfach verdammt viel Glück. Mein erstes Buch wollte damals niemand veröffentlichen, also habe ich kurzerhand mit ein paar Freunden meinen eigenen Verlag gegründet und dann das Buch in verschiedenen Buchläden ausgelegt. Deswegen kenne ich jetzt jede Buchhandlung zwischen Koblenz und Saarbrücken! In einer davon hat es dann ein Vertreter des dtv gesehen und dieser Zusammenhang von verschiedenen Personen am richtigen Ort zur richtigen Zeit war meine Chance.
BF: Wo arbeiten Sie? AS: In meinem Büro. Wenn ich auf Reisen bin, nehme ich mein Laptop zwar mit, aber das hat dann nur eine Alibi-Funktion, ich kann einfach nur zu Hause arbeiten.
Nach dem Interview haben wir von Arno noch zwei Exemplare bekommen und er hat fleißig für uns signiert. Dankeschön.
 

Auf Buchmessen trifft man "alte Bekannte" immer wieder. Leipzig 2015 hatte Arno Strobel schon wieder ein neues Buch und wollte wissen, wie es uns gefallen hatte.