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Für Tom Leveen braucht es nur ein wenig Spontanität. Wir trafen ihn zum Interview in unserem Lieblingscafé am Wiener Platz, Stadtführung inclusive für den Autor aus Phoenix, Arizona, der mit seiner Frau zum ersten Mal Deutschland besuchte. Er ist aus Phoenix, Arizona, und mit seiner netten Frau in Deutschland auf Lesereise. In Amerika sind sieben seiner Bücher erschienen, in Deutschland leider nur zwei, Party und sein neuestes Buch Ich hätte es wissen müssen.

Bücherfresser: Was ist dein Lieblingscharakter in „Ich hätte es wissen müssen“? Tom Leveen: Ich liebe sie alle. Ich glaube heute ist es Andy, aber frag mich morgen noch mal, dann ist es bestimmt jemand anders! Jetzt gerade Andy, weil er schlagfertig ist und immer weiß, was zu tun ist. Er könnte viel gemeiner und nachtragender gegenüber Tori sein.
BF: Tori in und ihre Clique haben Andys Freund gemobbt. Magst du sie? TL: Ja, ich glaube schon. Sie ist nicht aufgewacht und hat gesagt „Ich möchte jemanden verletzen“, das war ja nicht ihre Absicht. Sie war jung und unerfahren, sie hat einen Fehler gemacht, also eigentlich eine Serie von Fehlern. Aber sie ist ein guter Mensch, ich hätte mir gewünscht, dass sie schneller darin wäre, die Dinge zu verstehen.
BF: Was würdest du zu ihr sagen, wenn du ihr auf der Straße begegnest? Erst einmal „Wie geht’s dir?“. Weil ich mir Sorgen um sie mache. Und dann würde ich sie fragen, was sie so macht, nach der Sache mit Kevin, ob sie daraus gelernt hat.
BF: Fühlst du dich schuldig, dass du mit deinen Ideen ihr Leben so aus den Fugen gebracht hast? TL: Ja, schon. Ich musste Tori´s Situation schlimmer und schlimmer werden lassen, damit es realistisch und spannend bleibt. Das ist schon eine Art Sadismus.
BF: Wovon  wirst du inspiriert? TL: Von allem, was passiert. Meistens sind es Fragen, die sich nicht beantworten lassen, zum Beispiel sind wir mal nach Kalifornien gefahren und da stand ein ausgebrannter Schulbus neben der Straße. Und ich habe mich sofort gefragt „Wie kam der da hin, was ist passiert, wieso hat er gebrannt?“ Und meine Frau fragte: „Hä, welcher Bus???“ Als Schriftsteller sieht man die Dinge ganz anders.
BF: Welche Art von Büchern schreibst du am liebsten? TL: Ich liebe Horrorgeschichten, deswegen schreibe ich gerne gruselige, schreckliche Geschichten. Mein neuestes Buch wird wahrscheinlich in Deutschland nicht erscheinen, weil es zu spannend und brutal ist.
BF: Was machst du, wenn du eine Schreibblockade hast? TL: Ich gebe dem Ganzen 20 bis 30 Minuten, dann arbeite ich an einer anderen Geschichte weiter, weil ich meist drei bis vier Bücher parallel schreibe. Und wenn ich bei allen nicht weiterkomme – und das passiert – dann mache ich was anderes und muss halt einen Tag aussetzen.
BF: Wenn du anfängst ein Buch zu schreiben, weißt du schon genau, was passieren wird oder schreibst du einfach drauf los? TL: Beides. Manchmal setze ich mich hin und schaue, was so kommt. Und manchmal setze ich mich hin und überlege, was wo wie etc. und ordne das.
BF: Was machst du, wenn du mit einem Buch fertig bist? TL: Für mich ist ein Buch fertig, wenn ich es meinem Agenten geschickt habe. Dann denke ich mir „Und was jetzt???“ und ich bin ein bisschen traurig, aber auch glücklich. Und etwas nervös, ob es wohl jemandem gefällt oder nicht. Und wenn es erschienen ist, fühlt sich das etwas surreal an, weil das ja schon zwei Jahre her sein kann, seit ich das geschrieben habe.
BF: Welches Buch hättest du gerne geschrieben? TL: „Stargirl“ von Jerri Spinelli und „Speak“ von Laurie Halse Anderson. So ein Mist, dass ich diese Ideen nicht selber hatte…
BF: Wenn du kein Autor geworden wärst, was dann? TL: Das klingt jetzt vielleicht traurig, aber es gab echt keinen Plan B. Aber ich habe damals den größten Fehler begangen, den man als junger Autor machen kann, ich habe für andere geschrieben. Zum Beispiel für Zeitschriften über Vitamin C und so Zeug, das war furchtbar.
BF: Was machst du, wenn du nicht liest oder schreibst? (mit unserem Quiz „Welcher Buchtyp bist du?“ haben wir schon herausgefunden, dass er ein Buchgenießer ist…) TL: Ich spiele mit meinem Kind, treffe mich mit Freunden oder spiele die vier Akkorde auf der Gitarre, die ich beherrsche.
BF: An was arbeitest du zurzeit? TL: An ein paar Geschichten über Menschen mit Superkräften oder in der Zukunft. Dabei geht es nämlich gar nicht darum, irgendwelche Science-Fiction-Gestalten oder Drachen zu erfinden, sondern darum die Charaktere und deren Situation und wie sie damit umgehen darzustellen,
BF: Warum schreibst du eigentlich für Jugendliche? TL: Es macht viel mehr Spaß. Bei jungen Leuten passiert alles zum ersten Mal, alles ist so wichtig und einzigartig. Sherlock Holmes ist immer Sherlock Holmes, aber was ist zum Beispiel mit Harry Potter oder Katniss Everdeen? Die haben sich erst entwickelt!
Vielen lieben Dank für ein so langes und interessantes Interview! Anschließend haben wir Tom und seiner Frau noch ein bisschen was von München gezeigt.