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Wir sind zu Besuch im Mixtvision Verlag und haben die Gelegenheit mit der Lektorin Kerstin Kempf über ihre Arbeit zu sprechen.

Bücherfresser: Im Januar erscheint bei mixtvision „Eins“ von Sarah Crossan. Das Buch hat ein sehr ungewöhnliches Thema. Wie ist kam es dazu? Kerstin Kempf:Die Autorin hat mir erzählt, dass sie durch Zufall eine Reportage über siamesische Zwillinge gesehen hat. Das hat sie total fasziniert. Dann hat sie angefangen zu recherchieren bei Ärzten, Krankenhäusern und Vereinen. Mit siamesischen Zwillingen selbst konnte sie nicht so oft sprechen, weil die meisten keine Aufmerksamkeit von der Öffentlichkeit wollen.

BF: Was sagst du zu dem Thema? K.K: Also Sarah hat mir schon vor einem Jahr von diesem Buch erzählt und dass sie selbst beim Schreiben so mitgelitten hat. Im Vergleich zu ihren anderen Büchern („Die Sprache des Wassers“ und „Breathe“) ist das ein ganz anderes Thema. Am Anfang finden viele das eher unangenehm, es ist irgendwie ein empfindliches und sensibles Problem. Als Sarah mir so begeistert von ihrer Geschichte erzählt hat, hatte ich zuerst Bedenken, dass es zu kitschig sein könnte. Aber das ist es gottseidank nicht. Als ich dann das Buch für unseren Verlag gelesen habe, war mir sofort klar, dass wir das haben müssen. Es war nicht ganz einfach, an die Rechte zu kommen, weil sich noch ein paar größere Verlage darum beworben haben, aber wir haben darum gekämpft. Und so ein kleiner Verlag hat viele Vorteile, bei uns ist „Eins“ jetzt eines von acht Büchern, das heißt es hat für uns einen viel größeren Stellenwert.

BF: Wie findest du die Übersetzung von Cordula Setsman? K.K: Sehr gut, ein paar Markennamen muss ich noch überarbeiten. Man muss sich dauernd überlegen, ob deutsche Leser etwas damit anfangen können. Viele Namen von Bleistiftfirmen, Läden oder Verkehrsgesellschaften kennen wir einfach nicht. Fernsehserien meistens eher. Ich darf aber auch nicht zu viel weglassen, sonst ist es nicht mehr verständlich.

BF: Bei „Eins“ ist das Schriftbild außergewöhnlich. Ähnlich wie bei „Die Sprache des Wassers“ ist es in Versen gedruckt und zwischendurch werden Lücken im Text gelassen. Warum? K.K: Das wollte die Autorin so. Sie hatte diese Umbrüche von Anfang an und die stehen immer in sinnhaftem Zusammenhang mit dem Text. Als Verlag müssen wir uns aber noch viel mehr überlegen. Wichtig sind zum Beispiel die Schriftgröße, die Schriftart, die Zeilenabstände, die Buchstabenabstände – ja das gibt’s! – oder das Aufschlagverhalten des Buches. Wir müssen uns überlegen, wie eine Seite optisch wirkt. Deswegen machen unsere Graphiker meist zwei bis drei verschiedene Probeseiten, die wir dann vergleichen. Schließlich wollen wir ja, dass unsere Bücher gerne gelesen werden. Eine klitzeklein geschriebene, völlig überfüllte Seite wäre kontraproduktiv…

BF: Vielen Dank für das nette Gespräch und die Einblicke in den Entstehungsprozess von „Eins“!

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