hohler

Am Hanser-Stand trafen wir am 17. Oktober 2015 den schweizer Kabarettisten, Satiriker und Kinderbuchautor Franz Hohler. Hohler war vor dem Interview bei uns vor allem durch seine eher brutalen Kurzgeschichten für Kinder bekannt; in „Der unternehmungslustige Prinz“ beispielsweise hackt jener Prinz zwei alten Damen an der Bushaltestelle einfach die Köpfe ab, weil sie sich über seine Kleider lustig machen.

Dementsprechend groß war unsererseits auch der Andrang, den Autor dieser liebenswürdig komischen Geschichten zu treffen. Von Friedbert Stohner, den wir zuvor ebenfalls am Hanser-Stand getroffen hatten, bekamen wir einen Insider-Tipp, und so kam es dann dass Hohler das Interview spontan mit seiner Wiedergabe des „Berndeutschen,“ einer Satire der schweizerischen Sprache basierend auf einem bestimmten Dialekt, begann. Aber natürlich waren wir ja nicht (nur) zum Geschichten hören gekommen, und so hatten wir natürlich auch einige Fragen an Franz Hohler im Gepäck.

Bücherfresser: Ihre Kreuzung aus dem Schweizerischen und einer imaginären Sprache gerade eben war ja wirklich beeindruckend. Interessieren Sie sich sehr für Sprachen? Franz Hohler: Ja, auf jeden Fall. Ich habe sie auch schon immer gerne gelernt. Aber leider habe ich es nicht geschafft, alle Sprachen auf meiner mentalen Liste auch wirklich zu erlernen.

BF: Wenn Sie noch einmal die Chance hätten, welche Sprachen würden Sie denn dann lernen? FH: Hmm… Russisch und Arabisch, würde ich sagen. Wenn ich wählen müsste, dann eher Arabisch.

BF: Wann haben Sie denn eigentlich mit dem Schreiben angefangen? FH: Seitdem ich lesen konnte, habe ich auch geschrieben. Ich erinnere mich noch daran, dass in meiner ersten Geschichte ein Junge an einem Wespenstich starb. Der letzte Satz war: „Und die Moral von der Geschichte? Man soll sich nie von Wespen stechen lassen.“ Die Geschichte habe ich dann meinen Eltern zu Weihnachten geschenkt.

BF: Haben ihre Eltern sich denn gefreut? FH: Das ist eine gute Frage, aber ich weiß es nicht mehr. Ich glaube schon.

BF: Wollten Sie denn damals auch schon Schriftsteller werden? FH: Nein. Damals wollte ich noch entweder Busfahrer oder Profifußballer werden, auf Schriftsteller bin ich dann erst später gekommen.

BF: Gibt es einen bestimmten Ort, an dem Sie jetzt am liebsten schreiben? FH: Ja, mein Arbeitszimmer. Aber wenn ich nur in meinem Arbeitszimmer schreiben würde, würde ich ja nie fertig werden. Also schreibe ich auch viel unterwegs, zum Beispiel im Zug.

BF: Ihre Geschichten sind oft ein bisschen brutal. „Der unternehmungslustige Prinz“ ist da nur ein Beispiel. Ab wie vielen Jahren würden Sie ihre Bücher selbst empfehlen? FH: (lacht) „Der unternehmungslustige Prinz“ ist wirklich ein bisschen sehr… schlimm. Ich habe mich ein bisschen über mich selbst gewundert, als ich das fertig geschrieben hatte. Ansonsten würde ich meine Bücher aber ab so circa acht Jahren empfehlen, und von da an aufwärts.

BF: Würden Sie ihre eigenen Geschichten denn als düster bezeichnen? FH: Nun ja. Ich erzähle ja nicht nur vom Sonnenschein, das stimmt schon. Aber so Geschichten wie den „Prinz“ schreibe ich ja auch nicht so oft.

Dann mussten wir auch schon weiter. Zum Abschluss las uns Franz Hohler das letzte Gedicht aus seiner Kinderverssammlung „Es war einmal ein Igel“ vor:

Es war einmal ein Furz

Der lebte nur ganz kurz.

Er stank noch drei Sekunden,

Und dann war er verschwunden.

Gianna Ruggiero, Hannah Volkmann