brooks

Nach der Leipziger Buchmesse kommt Kevin Brooks auf einen Sprung in seinen deutschen Verlag DTV und gibt ein paar Lesungen in München. Die Bücherfresser nutzen die Gelegenheit mehr über den Schriftsteller, seine Bücher und sein Leben zu erfahren.

Ich bin glücklich, wenn die Leute zu mir sagen, dass sie am Ende meines Buches weinen mussten. You work stuff out like I did.“ Kevin Brooks

Geschichten müssen kraftvoll sein, meint er. Drogen und Gewalt sind ein Teil der Welt und ein Teil seiner Bücher, die oft genauso starke Liebesgeschichten beinhalten. Er enthält sich vollkommen wertender Kommentare und glaubt an die eigene Urteilskraft Jugendlicher. Und nicht zuletzt dafür wird er von seinen jungen Lesern geliebt!

Kevin Brooks hat, bevor er zum Schreiben gekommen ist, schon als Maler gearbeitet und als Jugendlicher sogar in einer Punkband gespielt, die in seiner Heimatregion sehr bekannt war. Damals wollte er ein reicher und berühmter Rockstar werden, aber jetzt ist er froh, dass er nur auf Buchmessen erkannt wird, weil es ihn in den Wahnsinn treiben würde, überall erkannt zu werden. Er liebt das Schreiben schon immer und jetzt ist er glücklich, dass er damit Geld verdienen kann, obwohl er selbst das gar nicht als Arbeit empfindet.Seine Bücher entstehen in einem speziellen Raum, der, weil Kevin Brooks schon oft umgezogen ist, immer gleich aufgebaut ist: Ein kleiner Schreibtisch, große Bücherregale, seine Gitarre und viele Fotos, quasi eine eigene Kevin-Brooks-Welt. An einem guten Tag schreibt er bis zu drei Seiten und so kommt er auf ein Buch innerhalb von sechs Monaten. Wenn ein Buch fertig ist, bleiben die Charaktere trotzdem bei ihm, in seinem Kopf.Dort mischen sie sich in seine Gedanken ein und helfen ihm, genau wie das Schreiben, mit der Welt klarzukommen. Er meint, man muss schon ein Sadist sein (die typische Thiade-Frage…), um Charaktere sterben zu lassen, aber wenn er das tut und dabei traurig ist, dann weiß er, dass das Buch gut wird. Seine Bücher sind oft ernst, traurig und schmerzvoll und er möchte auch kein angenehmes Gefühl bei seinen Lesern hervorrufen. Wenn man beim Lesen seiner Bücher weint, dann ist das ein großer Erfolg für ihn, da das zeigt, dass seine Bücher dem Leser etwas bedeuten.Die Gewalt in seinen Büchern fühlt sich so schlimm an, weil sie real und wahr ist und keine Fantasy oder James Bond-Gewalt. Er selber hasst Gewalttätigkeit und macht einen großen Bogen um gefährliche Situationen, läuft sofort davon, denn er mag es lieber ruhig und gemütlich. Allerdings wäre Kevin Brooks manchmal lieber ein Kämpfertyp, weil es sehr anstrengend ist, ein nachdenklicher und schüchterner Mensch zu sein.Von seinen eigenen Büchern mag er momentan „The Bunker Diary“ am liebsten, weil es ein sehr dunkles Buch ohne jede Hoffnung ist. Dieses Jahr konnte er es endlich in England veröffentlichen, nachdem er 10 Jahre lang seine Verleger damit genervt hat, die es zu düster für Jugendliche halten. Kevin Brooks ist aber der Meinung, dass junge Leute oft viel besser mit Problemen umgehen können als Erwachsene, weil die sich viel zu viele Sorgen machen. Er schreibt seine Bücher so gut er kann und dann kommt es auf den Leser drauf an, wie gut der es aufnimmt und was er damit anfängt. Es ist okay für ihn, wenn jemand seine Bücher nicht mag, solange er selbst davon überzeugt ist, dass sie gut sind. Seine Ideen sind oft fünf Jahre alt, bis er sich dazu entschließt sie doch zu verwenden. Viele Ideen kommen ihm abends beim Einschlafen, weswegen er immer Zettel und Stift neben seinem Bett liegen hat, um sie ja nicht zu vergessen. Morgens denkt er sich allerdings oft: „Was ist denn das für ein Schwachsinn???“ und kann nicht mehr viel damit anfangen. Das einzige Buch, das wirklich autobiographische Inhalte hat, ist „Naked“, in dem die anfangs schüchterne Hauptfigur 1976 in einer Punkband spielt. Allerdings fließen immer Teile von ihm in seine Bücher mit ein. In seiner Freizeit liest er alles, was er in die Hände kriegt und um abzuschalten geht er mit seinen Hunden spazieren, hackt Holz auf seiner kleinen Farm, auf der es auch Schafe und Hasen gibt, oder flickt einen Zaun.