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In Anne Krügers Debüt „Die Allee der Kosmonauten“ geht es um die junge Frau Mathilda, die in der DDR groß wurde und nach dem Fall der Mauer nicht mehr weiß, wo genau im Leben sie eigentlich steht und was sie von sich, ihren Mitmenschen und der Zukunft erwartet.

Anne Krüger hat selbst einmal in der Allee der Kosmonauten gewohnt, allerdings ist der Roman nicht autobiographisch erzählt, sondern reine Fiktion. Im Gegensatz zur ihrer Protagonistin wollte sie auch nie Kosmonautin werden, wie viele Kinder und Jugendliche, die im Ostblock groß wurden. Die Kosmonauten wurden damals als Idole verehrt, ihr Beruf war der Traum vieler Heranwachsender. Anne Krüger wollte als kleines Mädchen lieber Osterhase werden. Es stellte sich dann doch heraus, dass ein Germanistik-Studium etwas näher an der Realität liegt und da Schreiben ihr schon immer ein Bedürfnis war, verfasste sie bald Theaterstücke und Hörspiele.
Dabei macht sie sich keine großen Gedanken über ihren Schreibstil, es kommt alles von allein. Früher war sie eine totale Leseratte und wenn sie nicht schreibt, kümmert sie sich um ihr Kind, trifft Freunde oder geht spazieren.Anne Krüger liebt den Regen, das wird auch in ihrem Buch deutlich. Er ist als Stilmittel gedacht, der die jeweilige Situation und Entwicklung Mathildas unterstützt, das Wetter ist bestimmend für die Geschichte. Nachdem sie den Roman fertiggeschrieben hatte, sind die Charaktere für sie trotzdem irgendwie anwesend geblieben. Es reicht ein Name und dann steht die ganze Person wieder gleichsam vor ihr. Das Café „Himmelblau“ , das in „Die Allee der Kosmonauten“ wie ein kleiner Angelpunkt funktioniert, existiert leider nicht in Wirklichkeit, aber Anne Krüger fände es cool, falls das mal jemand eröffnen würde. Sie ist schon immer vom Märchenhaften fasziniert gewesen, was man an der Darstellung des Ladens für verlorene Dinge in ihrem Buch erkennen kann. Momentan schreibt sie an Kurzgeschichten für ein Literatur Festival, die ebenfalls einen märchenhaften Charakter haben werden. Ein besonderes Thema unseres Gesprächs war die Reaktion auf den Mauerfall als innderdeutschen Heimatverlust. Wir haben gemerkt, dass das vielen heute gar nicht bewusst ist und die Betroffenen dies oft nicht überwinden konnten.Vielen Dank für dieses interessante und schöne Interview!