Eggers_circle

von der Jugendjury nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2015

Dave Eggers, Der Circle, Kiwi TB 2015, € 10,99

Von den Bücherfressern 2015 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nomiert
Jurybegründung: Wollen wir in Zukunft in einer technisierten und vernetzten Welt leben, in der wir mit unseren Daten eine digitale Diktatur stützen? Dave Eggersʼ Roman ist erschreckend nah an der Realität. Der Circle ist sozusagen ein Zusammenschluss von Google, Facebook, WhatsApp und Amazon. Durch die fortschreitende Kommunikationstechnik entsteht eine Gesellschaft, die jedes Lebensdetail der gesamten Welt zugänglich macht. Persönliche Geheimnisse und Privatsphäre werden nicht gewahrt, alles wird mitgeteilt, kommentiert, bewertet.Der Text überzeugt mit einem fesselnden Plot, sodass man nicht mehr aufhören kann, zu lesen. Erschütternd konsequent zieht Eggers seine Dystopie in dieser digitalen Scheinwelt bis zum drastischen Ende durch. Die Oberflächlichkeit der Circle-Mitarbeiter spiegelt sich in der reduzierten Schlichtheit ihrer Sprache und der Eindimensionalität ihrer Charaktere wider. Ihre Haltung und die scheinbar schlüssigen Argumente, die sie zu ihrer Überzeugung führen, schmerzen beim Lesen. Dadurch setzt der Leser sich intensiv mit den Folgen einer gläsernen Gesellschaft auseinander und wird dazu animiert, den heutigen Medienkonsum kritisch zu hinterfragen.

Der neue Roman von Dave Eggers ist näher an der Realität als man vermutet. Der Circle ist ein Zusammenschluss von allen großen Internetbonzen: Google, Facebook, Twitter, Amazon. Für einige wäre es der absolute Horror, für andere ein wahr gewordener Traum. So auch für die 24-jährige Mae Holland, die voller Enthusiasmus ihren neuen Job in der Customer Experience des Circles antritt.

Ihre Heimatstadt und der Rest von Kalifornien, der Rest von Amerika kamen ihr vor wie das heillose Chaos in einem Entwicklungsland. Außerhalb der Circle-Mauern gab es bloß Lärm und Kampf, Vorsagen und Dreck. Hier dagegen war alles vollkommen.“Zitat: Eggers, Circle

Ziel dieser Menschen und des Unternehmens ist eine „perfekte Demokratie“. Voraussetzung ist die Erschaffung eines durchschaubaren Menschen. Natürlich dient dies dem Wohle der Menschheit und des Individuums, welches aber nur in der Gemeinschaft funktionieren kann. Alle Ideen und Erfindungen dienen der größtmöglichen Transparenz des Einzelnen. Mae ist über das ganze Buch vollkommen von dieser Ideologie überzeugt und akzeptiert die ganze zeit über die Geschehnisse und Ziele. Der Leser schüttelt in ungläubigem Entsetzen den Kopf. Man bekommt auch einen sehr guten Eindruck von der Einstellung der Mitarbeiter anhand der Slogans: „Wir schaffen alles“, „Community First“, „Alles was passiert, muss bekannt sein“, „Geheimnisse sind Lügen“, „Teilen ist Heilen“, „Alles Private ist Diebstahl“. Diese Geschichte ist gelungen. Leser wie ich finden viele Parallelen zum eigenen Leben. Maes Argumente für eine weitere Digitalisierung ihres Lebens sind einleuchtend. Den Leser, der Maes Einstellung sicherlich nicht folgen wird, bringt diese Geschichte dazu sich über seinen Standpunkt Gedanken zu machen. Totale Information ist totale Überwachung und somit Diktatur. Wie wollen wir in Zukunft mit der digitalen Welt umgehen? Ferdi, 15 Jahre

Das Buch hat mir extrem gut gefallen. Es handelt von einem Thema, dass für Jugendliche zurzeit sehr aktuell ist. Die Sprache ist solide und das Buch ist gut zu lesen. Man wird sehr schnell von dem Thema und der Handlung gefesselt. Auch ist es sehr interessant, dass Mae zu jeder noch so kritischen Erfindung immer positive Argumente findet, mit denen man sich dann auseinandersetzten muss.Thiade, 15 Jahre
 
Fotos: AKJ/ Matthias Knoch