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Christian Duda, Elke, Beltz&Gelberg 2015 € 12,95

Warum heißt dieses Buch eigentlich Elke und nicht Kasimir, wie es doch für ein typisches Kinderbuch nahe läge, denn in Kinderbüchern soll es ja um Kinder gehen. Logisch. Aber auch um Erwachsene, denn Kinder sind von ihnen abhängig und müssen sich immer mit ihnen arrangieren. Oft möchten Kinderbücher Kindern Lebenswelten eröffnen und sie daran wachsen lassen. Aber auch beim Vorleser ist es für das Wachsen nie zu spät. Selten öffnet sich im Kinderbuch der Blickwinkel durch das Erzählte so gleichberechtigt für alle wie es in Elke der Fall ist. Elke ist eine übergewichtige Frau, die es versteht sich Dünne zu machen. Kasimir, das Kind in einer bunten Kiez-Gemeinschaft, ist nur ein Rädchen von vielen. Als er zufällig über Elke stolpert, löchert er sie mit Fragen. Seine ungebremste, kindliche Neugier auf andere, ein wichtiger menschlicher Überlebensinstinkt, schafft ihm schnell neue Bekanntschaften, die durch weitere Vehemenz bald zu Freundschaften werden. Der kleine Kerl mit alleinerziehendem Vater kann immer Hilfe gebrauchen.

Erwachsene tun sich mit diesem Sachverhalt schwerer. Nicht nur die dicke Elke. Das merkt man sofort. Sie scheinen die schöne Erfahrung des Gemeinsamen oft zu ignorieren und schauspielern, wenn es um eigene Herzensangelegenheiten geht. Das Leben der Menschen in Dudas Kiez um die „Lubitsch“ und Murnaustraße würde auf Kinder wie ein Stummfilm wirken, wären da nicht die für ein Kinderbuch ungewohnten, befremdenden Regieeinwürfe über ihre Seelenzustände. Der kleine Leser wird sie zusammen mit den harten Fakten begierig aufsaugen. Sie eröffnen ihm die Möglichkeit sich auf das Leben der Großen einen Reim zu machen. Augenzwinkernd benutzen Kasimir und sein Vater das Wort „Reim“ als Geheimcode, wenn Erklärungen vom Zuhörer als alte Leier empfunden werden. Es sitzt so trefflich, dass bald auch der Cafébesitzer Uwe es im Munde führt. Duda inszeniert rasant witzige und turbulente Szenen voll kindlicher Logik, aber auch traurig schöne, schonungslos ehrlich Szenen über erwachsenes Zusammenleben. Der Text mit seinen manchmal quietschenden, lebensnahen Dialogen, die ein Teleobjektiv eingefangen zu haben scheint, bietet Dank seiner Momenthaftigkeit, viel Raum die Sachlage zu hinterfragen und nicht Erzähltes mit eigener Fantasie zu ergänzen. Hier werden kleine Leser mit Vorsprung brillieren und Erwachsene dürfen sich mal wieder gern eine Scheibe davon abschneiden. Duda ist mit Elke ein großartiges, mutiges, besonderes Buch für alle Lesealter gelungen.