Neugieriges Miteinander

baltscheit-tralien

Martin Baltscheit: Besuch Aus Tralien, Dressler 2017 € 12,99

Neugierig und eifrig macht sich die Austauschfamilie ans Werk. Ihr eigenes Kind haben sie nach Australien geschickt und dafür einen Gastschüler bekommen. Dave. Er ist grün und hat den Mund voll spitzer Zähne, die er nie putzt. Tagsüber schläft Dave am liebsten im Gartenteich und sein Lieblingswort ist "Koi". Die Schule klagt über mangelndes Anpassungsvermögen. Integration ist gefragt. Alles nicht so einfach, aber sehr lustig, bildhaft und ein richtiger Selbstlese- oder Vorlesespaß im Grundschulbereich, bei dem man mal die Perspektive der Eltern und mal des grünen Gastes einnimmt. Am Ende hat es ihm richtig gefallen und auch das eigene Kind kommt strahlend und um einige Erfahrungen reicher zurück. Was wird er wohl in seiner Gastfamilie erlebt haben? 

Hurra, ein neuer Rico ist da!

steinhoefel-vomhimmelhoch

Am Sonntag, den 19. November 2017 um 11:00 Uhr liest Andreas Steinhöfel in einer Familienmatinee aus "Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch". Diese Veranstaltung ist eine Kooperation des Buchpalastes mit der Münchner Volkshochschule "Einstein 28". Zum Kartenvorverkauf geht es hier....

Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch, Carlsen  2017 € 14,99

"Es sind nur zwei Geburten in einem Schneesturm." "Klar, wie jedes Jahr zu Heiligaben", murrte Lars. "Hatte ich fast vergessen. Was reg' ich mich eigentlich auf?" Zitat aus Steinhöfel: Rico, Oscar und das Vomhimmelhoch.
Auch am 24. Dezember ist in der Dieffe 93 richtig was los. Oskar und sein Papa Lars sind in Ricos alte Wohnung eingezogen. Rico, Mama und der Bühl wohnen in einer Doppelwohung unterm Dach und bald wird Rico großer Bruder werden. Rico und Oskar wollen noch schnell die letzten Geschenke kaufen, im  Schneegestöber. Weihnachtlich romantisch? Als Oskar sich wiederholt seltsam benimmt ist Rico sicher, dass er ein Geheimnis hat und das muss dringend aufgeklärt werden. Rico ist in allem ein ganzes Stück gewachsen. Man zittert und lacht. Und wie bei allen guten Büchern, beginnt am Ende eine ganz neue Geschichte, der man, für einen Moment, ist ja Weihnachten, alles Liebe und Gute wünscht, bevor man in die Realität zurücktaucht und denkt: Na, schaun mer mal. Ein rundum gelungener vierter Band, der sich allemal zu lesen lohnt. Nicht nur an Weihnachten!

Wenn Väter aufs Ganze gehen

callsen-eisbaer

Henning Callsen, Sabine Wilharm: Kein Problem, sagt Papa Eisbär, Hanser Verlag 2017 € 13.-

Das karierte Tirolerhütchen, um Nummern zu klein, hält nicht auf Papa Eisbärs Kopf. Wenn es mal aufliegt, dann "krausen" sich seine Gedanken darunter. Sie bringen seinen Eifer und seine Leidenschaft, für seine Familie sein Bestes zu geben, zum Glühen. Dieses Vorlesebuch ist ein Glücksgriff! Nicht Pelle, Papa Eisbärs Sohn, steht im Zentrum dieser ersten Geschichte von „Pelle und Pinguine“, sondern der Vater selbst.

Dahoam: Zehn Zwergelgschichten für die Ohren

pischeltsrieder-zweagerlgschichten

Jakob Pischeltsrieder Zwegerlgschichten, Volk Verlag 2017 €13,90

Hinter dem Stadel des Bauernhofes beginnt gleich der Wald. Dort, wo sich zwischen Eichen und Fichten Fuchs und Has' Gute Nacht sagen, leben unter einer großen Buche in ihrem Zwergenhaus der Wichtel und der Burzel.  Diese kleinen Burschen sind ständig zu Schabernack aufgelegt und  haben es faustdick hinter den Ohren. Die zehn kleinen Geschichten in baierischer Mundart erzählen von ihren Besuchen bei den Marderbuben, dem Dachs, dem Fuchs und den Frischlingen, mit denen es sich mal so richtig "herumsauen" lässt. Auch mit dem Karpfen Loiserl machen die Lausbuben glückliche Bekanntschaft, denn als sich der Burzel eines Tages zu tief in den Weiher wagt ohne schwimmen zu können, wäre er beinahe ertrunken. Kaum haben sie sich vom Schrecken erholt, verstecken sie schon wieder Omas Eier im Hühnerstall, so wie an Ostern die Eier des Hasen. Eingebettet in einen Jahreslauf spielen die Episoden spitzbübisch mit Schalk und Abenteuer und verstehen es dem Zuhörer die Spielwiese des Waldes mit ihren Bewohnern als Bühne vor Augen zu führen. Schnell fühlt man sich daheim, kennt alle Wege zu tierischen Freunden und Orten im Wald und freut sich schon im voraus auf die heiße Tasse Kaba, mit der die Zwergenbrüder die Gaudi des Tages beschließen. Verspielt, naturverbunden und mit großem Herz punktgenau für die kindliche Seele erzählt, ist diese CD mit kleiner musikalischer Umrahmung ein Hörgenuss, egal wie mächtig man des baiersichen ist.

 

 

 

Tauwetter

herzog-schubert-fruehling

Annette Herzog, Ingrid & Dieter Schubert: Frühling mit Freund, Moritz Verlag 2017 € 14,95

Der Mumpf, ein gemütliches Gewohnheitstier, erwacht aus dem Winterschlaf. Es wird Frühling, doch noch liegt überall Schnee. Kurz vor Weihnachten hatte sich der zaghafte, plumpe Kerl mit der kecken, kleinen Schneeeule angefreundet. Sie wartet schon ungeduldig auf ihn. Denn mit einem Freund macht alles viel mehr Spaß: einen letzten Schneemann rollen, eine letzte Rodeltour und die Modenschau mit Sonnenbrillen, die Eiszapfendusche, denn ringsrum tropfen die Eiszapfen wie undichte Wasserhähne und die Vögel lärmen. Überall taut es, der Frühling kommt aller Kraft und die Eule wird weiter nach Norden ziehen müssen. Mit ihr zusammen gewinnt der Mumpf viele neue Freunde, die ihn in den Sommer begleiten werden. Trotz Schnee, der hier fantasievoll und spielerisch in Szene gesetzt wird, ist dieses Buch ein herzenswarmes Vorlesebuch mit zwei ungleichen Protagonisten, die gemeinsam ganz nah große Abenteuer erleben und eine wärmende Freundschaft begründen.

Einer für alle, alle für einen.

krause-muskeltiere

Ute Krause: Die Muskeltiere 01. Einer für alle, alle für einen, cbj Verlag € 14,99

Nein, nicht drei Musketiere, sie sind vier und haben es faustdick hinter den Ohren. Ernie, eine Kneipenmaus alias Pommes de terre ist hamburgerisch schlagfertig und bei Abenteuern immer vorneweg. Der Hamster Bertram von Backenbart, ein gelangweiltes Luxushaustier, bringt die Idee mit den Muskeltieren erst auf, liefert dazu die Plastiksäbel, welche vorher als Käsespieße dienten, und kann sogar ein wenig lesen und schreiben. Gruyère, gedächtnis-, namen-, heimat- und familienlos ist eine Ratte, die fest daran glaubt, eine Maus zu sein. Sie hat einen fantastischen Orientierungssinn. Und nicht zuletzt Picandou, eigentlich Picandou Camenbert St. Albray. Er hat seinen Namen in der Käsetheke von Frau Fröhlichs Feinkostladen zusammengestellt, wo er im Keller lebt. Er ist ein Hasenfuss, der alles zu bieten hat, was ein Leben lebenswert macht: er teilt sein weiches Schwammbett genauso selbstverständlich wie die leckersten Essensreste und hat ein großes Herz für Freunde. Er rutscht mit seinem dicken Käsebauch ganz unfreiwillig in diese Abenteuer hinein und will doch nicht kneifen. Denn nur gemeinsam können die Nager Picandous und somit auch ihre eigenes, neues Domizil retten. Ute Krause schreibt mit Fantasie und Raffinesse. Sprachlich wie im Bau ihrer Geschichte, die immer wieder auf kleine Spannungshöhepunkte hinausläuft, zeigt sie sich variantenreich und witzig. Die Muskeltiere schließt man sofort ins Herz. Sie sind die perfekte Vorleselektüre, aber auch zum Selberlesen geeignet. Nicht zuletzt die durchgehend farbigen Illustrationen der Autorin und Illustratorin, die oft noch anderes erzählt als der Text verrät, machen Lust auf Lesen.

Unvergessliche Teams

pauli-schaerer-rigo

Lorenz Pauli, Kathrin Schärer: Rigo und Rosa, atlantis 2016 € 16,95

Einzig die vier Buchstaben ihres Names, beginnend mit einem "R" scheint die Maus und den Zooleoparden zu verbinden. Fressen oder Fragen, überlegt sich der Leopard, als er die Maus in seinem Gehege entdeckt. Erst einmal fragen, denn Fragen nach Fressen geht nicht mehr. So kommen die beiden ins Gespräch. Über sich selbst und den anderen, über die Welt und darüber hinaus. Die Freiheit der Maus bleibt dem Leoparden verwährt. Er bietet ihr Schutz und sie ihm Geschichten. Ihr Aktionismus steckt den trägen Leoparden mitunter an. Manchmal,  wenn es ums Wörter erfinden geht zum Beispiel. Mit dem eigenen Schwanz Springseil springen geht jedoch zu weit.  Stück für Stück ändert das Miteinander ihre Welt. Das Glück wohnt in so vielen kleinen Dingen, nicht nur in der Eichel der Maus, mit der Leopard versucht, einen Baum zu pflanzen. Die kurzen Geschichten mit ihren knappen Sätzen aus einfachen Worten schwingen in jeder Zeile mit einem Kosmos aus Gedanken und Gefühlen. Sie lassen Nachdenken, aber auch Schmunzeln und wärmen das Herz.

Weissnich will heim

leeuwen-weissnich

Joke van Leeuwen: Weissnich, Gerstenberg Verlag € 12,95

In dem Fantasiebuch Weissnich geht es um eine kleine Comicgestalt, die plötzlich aus der ersten Geschichte herauspurzelt. Die Mutter des Jungen, der dann für Weissnich Comicpapa wird, erzählt ihm jeden Abend Geschichten. Der Junge freut sich total das Weissnich, so heißt die Comicgestalt, zu ihm gefallen ist, denn er hat keinen, der mit ihm spielt, malt oder über Kindersachen lacht. Weissnich aber hat ein ganz anderes Problem. Er möchte in die Geschichte zurück, zu seinen richtigen Eltern. Obwohl das den Jungen nicht gerade begeistert, macht er sich mit Weissnich auf die Suche nach seiner Geschichte. Doch bis sie ankommen, erleben die beiden verschiedene Geschichten und Abenteuer. Mir hat das Buch gefallen, weil es so lebendig erzählt wurde, dass ich es mir richtig gut vorstellen konnte. Es war aber auch traurig, weil mann lernen musste, Abschied zu nehmen. Empfehlenswert ist es als Vorlesegeschichte. Am besten an seinem Lieblings-Lese-Ort.

Wer weint schon über Buchstaben

baltscheit-loewenherzen

Martin Baltscheit: Löwenherzen weinen nicht! Beltz & Gelberg 2016 € 8,95

Der Löwe versteht mal wieder gar nichts. Schon gar nicht seine schöne Löwin, wenn sie am Ende eines Buches manchmal weinen muss. Das sind doch nur Buchstaben! Gefühle hält der Löwe für ein Hobby der Wachskerzen. Ein Löwe braucht keine Tränen. Die Löwin aber, möchte einen Löwen mit Herz. So macht er sich mal wieder auf des Rätsels Lösung. Ob das Krokodil ihm zeigen kann, wie man Krokodilstränen weint? Die an ihrer Oberfläche turbulent amüsante Geschichte erzählt mit wenigen kunstvoll bespielten Worten nicht nur was Buchstaben und Worte in uns bewirken. Sie geht dabei auch leichterhand dem Leben auf den Grund. Der starke, kämpferische Löwe findet in diesem neuen Buch, nach Stationen des Lesenlernens, des Zählens und Schwimmens sein Löwenherz. Der Löwin sei Dank. An ihr ist eine wahre Montessori Pädagogin verloren gegangen. Frei nach dem Motto: "Hilf mir, es selbst zu tun" bringt sie ihren Löwen sanft dazu zu verstehen, wie Worte das Herz bewegen und wie viel ihm seine Löwin bedeutet. Eine herzwärmende Liebesgeschichte und wie immer bei Martin Baltscheit, kommt das Vorlesevergnügen für Große bei dieser wunderbar wortwitzigen, theatralen Inszenierung nicht zu kurz.

Herrliche Schwärze!

andres-schlaft

Kristina Andres: Nun schlaft mal schön! Moritz Verlag 2016  € 14,95

Furios erzählen dieses elfeinhalb Freundschaftgeschichten von Hase und Fuchs von jenem klassischen wie einfachen, abendlichen Ritual, dass Eltern manchmal zur Verzweiflung bringen kann: erst "Gute Nacht", dann eingeschlafen. Wenn das doch nur so einfach wäre! Und nicht gar so langweilig! Statt dem ewige Gute Nacht könnte man sich auch "gemütlicher Schwärze" oder "angenehmer Düsternis" wünschen.  Und das Schäfchen zählen durch das Zählen von Sprüngen ins Bett ersetzen. Kein Wunder, dass Fuchs am Ende oben auf dem Schrank einschlief und Hase unter dem Tisch schnachte. Einmal probieren Hase und Fuchs wie die Fledermäuse zu übernachten, aber die Augenlieder machen ihnen eine Strich durch die Rechnung. Sie fallen in die falsche Richtung. Erstaunlich, was es zu bedenken gibt, wenn man Schlaf finden will. Diese Geschichten in grandiosen Einfachheit überraschen durch sprachgewandte, wie situative Klugheit und erzählen, ganz nebenbei, von einer wunderbaren Freundschaft.  Die Logik und die Ideen, mit denen Fuchs und Hase in kurzen und Kürzestgeschichten den Schlaf ernsthaft überlisten, überzeugen und begeistern Zuhörer und Vorleser.

In der Kita

chambers-helene

John Chambers: Helene & Alannah, Hanser Verlag 2016 € 12,90

Zwei beste Freundinnen und der Kita Alltag. Sätze so kurz und klar, dass sie auf eine Zeile passen. Kurze Geschichten von Aus- und wieder Anziehen, vom Zählen, Streit und Versöhnung, dem Morgenkreis, von den klitzekleinen Gegenständen auf der Welt, vom Hochschaukeln, Weitspringen und Schnellrennen und von allem, worüber man die ersten Kindergedanken verliert.

Dreikäsehoch mit Cowboyhut

Muszynski-cowboy-klaus-wanda

Eva Musynski, Karsten Teich, Cowboy Klaus und die wüste Wanda 2015 € 8,95

Wenn Cowboy Klaus seinen Hut abnimmt ist er ein schmächtiger Dreikäsehoch. Er heißt ja auch nicht Jim oder Bill, nichtsdestotrotz ist er ein echter Cowboy, der täglich heldenhaft seine Abenteuer besteht - im Kaktus Wald zum Beispiel oder gegen die Rodeo Rüpel. Das Schwein Lisa übernimmt dabei den mütterlichen Part, derweil die Kuh Rosie das fehlende Pferd ersetzen muss. In dieser Kombination von Coolness und familiärer Heimeligkeit bietet Cowboy Klaus einzigartigen Lesestoff für Jungs, die diesen Charakter von Anbeginn ins Herz geschlossen haben. Die etwas kleinere Schriftgröße bietet mehr Raum fürs Bild, in dem Karsten Teich das Setting weit über den Text hinaus mit Inhalt füllt. Im Sammelband kann Cowboy Klaus als Vorlese- wie Gemeinsam-Lesebuch für den Erstlesestart genutzt werden und gibt die Möglichkeit Freunden gleich alle Cowboy Klaus Geschichten auf einmal zu schenken. Es lohnt sich!

Nur ein einziger Tag

baltscheit-tag

Martin Baltscheit, Nur ein Tag, Dressler Verlag €12,99

Eines Tages werden Wildschwein un Fuchs Zeugen davon, wie eine süße kleine Eintagsflige schlüpft. Doch, wer sagt ihr das sie nur einen Tag leben kann? Weil sich beide nicht trauen, behaupten sie, der Fuchs müsste bald sterben, doch da hat die kleine Fliege schon eine Idee: Sie werden den Tag auskosten, das heißt nur noch Dinge tun die der Fuchs mag oder noch nie erlebt hat, z.B. Hochzeit, Geburtstag und eine letzte Hühnerjagd. Das Buch ist sehr lustig, doch es betrifft auch das ernste Thema Tod. Ich würde es für achtjährige zum Selberlesen oder auch als Vorlesegeschichte empfehlen, denn dieses Buch ist trotz Traurigkeit ein ziemlich gutes, schönes Buch.

Tod durch Wespenstich

hohler

Am Hanser-Stand trafen wir am 17. Oktober 2015 den schweizer Kabarettisten, Satiriker und Kinderbuchautor Franz Hohler. Hohler war vor dem Interview bei uns vor allem durch seine eher brutalen Kurzgeschichten für Kinder bekannt; in „Der unternehmungslustige Prinz“ beispielsweise hackt jener Prinz zwei alten Damen an der Bushaltestelle einfach die Köpfe ab, weil sie sich über seine Kleider lustig machen.

Dementsprechend groß war unsererseits auch der Andrang, den Autor dieser liebenswürdig komischen Geschichten zu treffen. Von Friedbert Stohner, den wir zuvor ebenfalls am Hanser-Stand getroffen hatten, bekamen wir einen Insider-Tipp, und so kam es dann dass Hohler das Interview spontan mit seiner Wiedergabe des „Berndeutschen,“ einer Satire der schweizerischen Sprache basierend auf einem bestimmten Dialekt, begann. Aber natürlich waren wir ja nicht (nur) zum Geschichten hören gekommen, und so hatten wir natürlich auch einige Fragen an Franz Hohler im Gepäck.

Schwestern eben

patwardhan-schmalzbrot

Rieke Patwardhan, Fräulein Schmalzbrot und Billie Ballonfahrer, Knesebeck 2015 € 12,95

Ganz schön spannend, wenn man die ganze Zeit vor dem dicken Babybauch warten musss und die Eltern die Frage "Wann kommt es endlich" nicht mehr hören können. Und wenn es da ist, wünscht man sich, dass es wieder geht, weil man die Eifersucht nicht mehr aushält. Wenn es fast mit dem Luftballon am Himmel weggeflogen wäre, ist man doch sehr glücklich, wenn man es wieder in den Arm nehmen kann. So ist das bei den Schwestern Fräulein Schmalzbrot (die Ältere) und Billie Ballonfahrer (die Jüngere). Zusammen erleben sie viele Abenteuer. Was ich unbedingt noch erzählen muss: Billie Ballonfahrer heißt so, weil ihre Mutter einen kugelrunden Bauch in der Schwangerschaft hatte und Fräulein Schmalzbrot immer sagte, das Baby wird mal Ballonfahrer. Fräulein Schmalzbrot hatte zwar noch einen anderen Namen, aber sie wurde so genannt, weil Mama in der Schwangerschaft immer nur Brote mit Schmalz aß. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil es mit viel Pep geschrieben ist. Hannah, 13 Jahre und eine ältere Schwester.
Diese kurzweiligen Vorlesegeschichten erzählen von zwei Schwestern, die fünf Jahre Altersunterschied trennt. Natürlich könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Ihre besonderen Namen tragen sie seit Mamas Schwangerschaft. Fräulein Schmalzbrot ist ganz das Mädchen und Billie Ballonfahrer die Mechanikerin im Haus, sagt Mama, obwohl Fräulein Schmalzbrot denkt, dass Billie Ballonfahrer alles nur kaputt repariert. Mal hegen sie kühne Pläne, sich loszuwerden, so eifersüchtig sind sie aufeinander, mal möchte Billie genau die gleichen Kleider wie Fräulein Schmalzbrot tragen, was Fräulein Schmalzbrot zu verhindern weiß. Oft aber brauchen sie sich, denn beim Einhornherde spielen sind Eltern einfach nicht zu gebrauchen. Es wird abwechselnd aus der Perspektive der großen und der kleinen Schwester erzählt, sodass hier für jeden geschwisterlichen Zuhörer ein Part dabei ist. Obendrein wird der Familienalltag mit Pfiff und Langmut gelöst. Katrin Rüger

Männertag

Weber-Paul

Susanne Weber, Paul & Papa, Mixtvision 2015 € 11,95

Wenn Papa und Paul Männertag haben machen sie nur coole Sachen. Sie besuchen das Dino Skelett im Naturkundemuseeum, Paul darf mal in die Baggerkabine oder sie schauen aus dem Dachfenster den vorbeifahrenden Zügen zu. Manchmal erzählt Papa auch von früher und wie er mit seinen Freunden Bande gespielt hat.  Diese Kürzestgeschichten haben alle Zutaten für Jungs und ihre Väter. Wenn Mama Geburtstag hat, backen sie natürlich den tollsten Geburtstagskuchen, den die Welt je gesehen hat.

Elke öffnet Herzen

duda-elke

Christian Duda, Elke, Beltz&Gelberg 2015 € 12,95

Warum heißt dieses Buch eigentlich Elke und nicht Kasimir, wie es doch für ein typisches Kinderbuch nahe läge, denn in Kinderbüchern soll es ja um Kinder gehen. Logisch. Aber auch um Erwachsene, denn Kinder sind von ihnen abhängig und müssen sich immer mit ihnen arrangieren. Oft möchten Kinderbücher Kindern Lebenswelten eröffnen und sie daran wachsen lassen. Aber auch beim Vorleser ist es für das Wachsen nie zu spät. Selten öffnet sich im Kinderbuch der Blickwinkel durch das Erzählte so gleichberechtigt für alle wie es in Elke der Fall ist. Elke ist eine übergewichtige Frau, die es versteht sich Dünne zu machen. Kasimir, das Kind in einer bunten Kiez-Gemeinschaft, ist nur ein Rädchen von vielen. Als er zufällig über Elke stolpert, löchert er sie mit Fragen. Seine ungebremste, kindliche Neugier auf andere, ein wichtiger menschlicher Überlebensinstinkt, schafft ihm schnell neue Bekanntschaften, die durch weitere Vehemenz bald zu Freundschaften werden. Der kleine Kerl mit alleinerziehendem Vater kann immer Hilfe gebrauchen.

Variantenreiche Wut

tellegen-wut

Toon Tellegen, Marc Boutavant, Man wird doch wohl mal wütend werden dürfen, Hanser 2015 € 14,90

Kann man Wut wegpusten? In Stücke brechen oder gar unter einem Felsbrocken vergraben? Was ist Wut überhaupt für ein Gefühl? Kann man sie sehen? Im Klippschliefer, trotz seines lustigen Namens (seine Gestalt ähnelt der eines Murmeltieres) glüht eine stille Wut auf die Sonne, von der er sich wünscht, sie möge ihn erhören und einmal nicht untergehen. Dem Elefanten begegnet die Wut im Scheitern und bringt fette Beulen. Regenwurm und Käfer sprühen sie in freundschaftlichem Streit nach außen, weil jeder der Wütendste sein möchte. Die Ameise erklärt der Kröte, dass man im Gegensatz zur Wut, die dahinschwinden sollte, mit Zufriedenheit gar nichts machen müsse. Tellegens amüsante, präzise gesetzten Kurzgeschichten sind tiefsinnig und federleicht zu gleich. Am Ende wird klar, die Wut ist aus dem Gefühlskanon nicht wegdenkbar. Das zeigt auch die umrahmende Farbenpracht der Illustration. Ein kleines Feuer der Emotionen also, das Vorleser und Zuhörer unbedingt genießen sollten.
 

Poetisch gestottert

Vawter_Woerter

Vince Vawter, Wörter auf Papier, Königskinder 2014, € 16,90

In Wörter auf Papier erzählt Vince Vawter die außergewöhnliche Geschichte eines Jungen, der allmählich lernt mit seinem Stottern umzugehen. Da Victor einen Monat lang die Zeitungsrunde seines Freundes übernimmt, lernt er neue Leute kennen und muss beim Kassieren gezwungenermaßen plötzlich mit fremden Menschen reden und seine Angst vorm Sprechen überwinden. Die Geschichte spielt 1959 in Memphis, wobei die Apartheid  nur am Rande erwähnt wird, was sehr gut passt. Schließlich wird die Geschichte aus Victors Sicht erzählt und für Kinder sind politische Themen auch nur dann von Bedeutung, wenn sie ihr persönliches Leben plötzlich direkt betreffen. Die Atmosphäre des Buches wirkt fast märchenhaft, einerseits wegen der zauberhaften Geschichte die hier erzählt wird, andererseits wegen des besonderen Bezugs zur Sprache. Da Victor stottert, denkt er genau über die Wörter nach, ordnet und bewertet sie. Das überträgt sich natürlich auch auf den Leser.
Victor hat es wahrlich nicht einfach. Zwar ist der Baseball spielende Zwölfjährige der beste Werfer in seiner Heimatstadt Memphis, doch das Sprechen fällt ihm äußerst schwer. Sein Stottern ist so stark, dass er sich oft zurückzieht und nur wenig spricht, um nicht aufzufallen. Als sein bester Freund Arthur im Sommer 1959 für vier Wochen zu Verwandten aufs Land fährt, übernimmt Victor für ihn das Zeitung austragen in der Nachbarschaft. Die Zeitungen perfekt zu werfen macht im Spaß und fällt ihm nicht schwer, doch jeden Freitag muss er von Haus zu Haus gehen, mit den Menschen sprechen und das Zeitungsgeld einsammeln, weshalb er ein ungutes Gefühl im Bauch hat. Wie werden die Menschen auf ihn und sein Stottern reagieren? Victor lernt bei seiner Arbeit die unterschiedlichsten Leute kennen. Zum Beispiel Mrs Worthworth, die dem Whiskey nicht abgeneigt ist und ihn “Süßer” nennt. Einen Jungen, der das Haus nie verlässt und den Tag vor dem Fernseher verbringt. Den belesenen Mr Spiro, der Victor einen “stotternden Dichter” nennt und sich Zeit für seine Fragen nimmt. Und den obdachlosen Ara T, der die Mülltonnen nach Brauchbarem durchwühlt und es mit dem Besitz anderer Leute nicht so genau nimmt. Ich finde das Buch sehr gut, weil der Autor hervorragend mit der Sprache und der Umwelt umgeht. Außerdem beschreibt er sehr gut Geschehnisse und Orte aus der der Sicht des Jungen ohne Vorurteilen und mit viel Raffinesse. Es ist zwar ein Jugendbuch, aber es ist auch für Erwachsene geeignet.Ferdinand, 14 Jahre

Wörter in der Luft verwehen, kaum dass man sie gesagt hat, aber Wörter auf Papier bleiben für immer.“

Um sich mitzuteilen, sind im Jahr 1959 Wörter auf Papier die klare Alternative zu den Worten der gesprochenen Sprache. Der Geschichte des stotternden Zeitungsjungen Victor im damaligen Memphis wohnt von der ersten Seite an eine faszinierende Seele inne.Wann wird ein Kind erwachsen?“  fragt der Junge, der zaghaft beginnt sich naheliegende Welten zu erschließen, oderSind Erwachsene gut darin, mit Kindern zu kommunizieren?“ Der politische Lebenshintergrund, die Apartheid, vor dem sich Victors Persönlichkeit entwickelt, wird über wenige Bezugspersonen lebendig inszeniert. Baseball bestimmt das Leben des Jungen, der vier Wochen lang für seinen Kumpel Rat die Zeitungstour übernimmt. Der Job verlangt am Freitag an den Türen der Abonnenten zu klingeln. Es ist Zahltag. Als Stotterer bereitet sich Victor genau auf den Moment des Redens vor. Seine sparsamen Gesprächsbeiträge gelangen nur mit einem Schwall sanfter Luft aus seinem Mund. Will er etwas sagen, muss dies in sorgfältiger Überlegung und mit Präzision geschehen. Bei besonders wichtigen Wörtern verkrampft er sich. Einmal fällt er beim Sprechen sogar in Ohnmacht. Victors genaue Betrachtungen von Wörtern, ihre Zusammensetzung aus Buchstaben und Lauten, die Variabilität in Wahl und Nutzung und seine unablässigen Versuche die Sprache als Werkzeug benutzen zu können, sind beeindruckend. Als sorgsamer Beobachter von Sprache stolpert er auch darüber, wie fahrlässig im normalen Gespräch mit Worten umgegangen wird. Victor lernt, dass die Klarheit der Sprache von der er träumt nicht existiert. 2014 könnte man meinen, Wörter auf Papier gehören bald der Vergangenheit an. Und ein Buch im digitalen Zeitalter wäre genauso Retro wie dieses Cover. Doch weit gefehlt. Wörter im digitalen Raum gelesen verwehen im Gehirn fast so schnell wie jene der Luft. Für einen Dialog braucht es zwei, bekommt Victor zu hören. Und Lesen ist ein Gedankendialog. Ein Buch liegt gut in der Hand und seine Inszenierung ist für die Erschließung des Textes wichtig, wie die sanfte Luft zum Sprechen. Wir lesen mit allen Sinnen und wir brauchen den schön gestalteten körperlichen Raum, vom Vorsatz bis zum Lesebändchen, damit unsere Gedanken einzutauchen können in unser Gegenüber, das Buch. Wir brauchen Wörter auf Papier, damit die wohl gewählten Worte darauf bis ins Herz vordringen können und unsere Gedanken zu bewegen vermögen. Nicht nur der beeindruckende Text, auch das gelungene rundum macht dieses Buch zu einem Königskind, zum Lesegenuss vom Feinsten. Katrin Rüger  
 

Katz & Maus: Der Klassiker

steinhoefel-glitzerkatze

Andreas Steinhöfel, Glitzerkatze und Stinkmaus, Carlsen Tb € 4,99

Diese Geschichte erzählt mit Witz und Pfif und in kurzen Kapiteln von einer herzwärmenden Freundschaft besonderer Art. Als die Katze Pelegrine drei Wochen nach ihrer Geburt noch immer nicht glitzerte, wie es bei Glitzerkatzen üblich ist wird sie von ihrem Besitzer, Herrn Fischer, kurzerhand hinausgeworfen. Nun steht sie im Regen und ist die verlorenste Katze der Welt. Odoretta gehört zur Familie der Stinkmäuse, die aber nur so heißen und selbstverständlich nicht stinken. Doch Oderetta stinkt nach Käsefüßen oder Abflussreiniger, wenn sie sich ärgert und nach Vanille, wenn sie sich freut. Auch sie wurde rausgeworfen und ist ganz allein auf der Welt. Wen wundert es da, dass die beiden Freundschaft schließen und in einer alten Scheune Unterschlupf finden. Manchmal kämpfen sie mit einer Spatzmeise oder sie machen einen Geradeausflug und dabei werden sie so mutig, dass Pelegrine am Ende bei Herrn Fischer klingelt und ihm gehörig die Meinung sagt.Ein wunderbares Vorlesebuch für kleine Zuhörer und große Vorleser, welches später noch einmal zum Selberlesen herausgeangelt werden darf.