Vor Bienen muss man keine Angst haben

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Deutscher Jugendliteraturpreis 2017, Sachbuch

Pjotr Socha, Bienen, Gerstenberg 2016 € 24,95

"Vor Bienen muss man keine Angst haben", verriet uns Pjotr Socha, Sohn eines Imkers, in einem Gespräch. "Mein Vater hatte manchmal 50 Bienenstiche auf ein Mal." Ein wenig ähnelt er beim Erzählen dem Bären auf dem Plakat zu seinem Buch, rund, langsam und gemütlich, vor allem jedoch neugierig und naturverbunden. Ohne die Biene sähen wir ganz schön traurig aus. Nicht nur, weil Honig so gut schmeckt und die Biene beim Nektar sammeln sehr viele Pflanzen bestäubt. Die Menschen haben der Biene auch viel abgeguckt. Ihre Material sparenden, leichten aber extrem stabilen und praktisch konstruierten sechseckigen Wachswaben zum Beispiel. "Dass ein Bienenschwarm von einer Königin statt eines Königs regiert wurde, konnten die Menschen lange nicht glauben", erzählt Socha und schmunzelt verschmitzt. Für sein Steinzeit-Imker-Paar hat er den Kopf samt dicker Nase einfach gespiegelt. Die Nase der Mumie im Sarkophag der Ägyter, auch sie betrieben schon Imkerei, liebt er besonders. Groß und dick steht sie aus dem Sarkophag heraus. Auch spürt man die Freude, die er dabei hatte, seine eigene Bienen-Hieroglyphenschrift für diese Seite zu entwickeln. Seine Leidenschaft für Bienen und sein feiner Humor zieht sich durch all seine Illustrationen.

Zweieinigkeit

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von der Kritikerjury und der Jugendjury nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017

Sarah Crossan: Eins, Mixtvision 2016 € 16,90

Sie sind der Hingucker. Oder der verschämte Weggucker. Die 16-jährigen siamesischen Zwillinge Tippi und Grace. Grace, die zurückhaltendere von beiden erzählt ihre Geschichte. Und sie macht es kurz. Wenige Worte auf einer Zeile, oft nur ein Wort. Und noch eins:
Aber
ich will
für mich selbst
sprechen.
So einfach ist das Einfachste gar nicht, wenn man sich, wie Grace, Teile seines Körpers mit seiner Schwester teilt. Bald teilt der Leser ihre Gedanken und erkundet das anderes Leben. Nicht voyeuristisch. Nicht angeekelt. Nicht sensationshascherisch.Einfach mitfühlend. Und in vielem alltäglich. Der Besuch einer Schule bringt Tippi und Grace die ersten Freunde. Die Arbeitslosigkeit des Vaters und sein Hang zum Alkohol birgt Familienstress. Die Schwesternliebe zueinander, aber auch zur dritten im Bunde, einer leidenschaftlichen Balletttänzerin, gibt Rückhalt und Selbstbewusstsein. Das erste Verliebtsein lässt träumen. Eine wirklich ernsthafte Wendung nimmt das Leben für Grace und Tippi erst, als die Ärzte, bedingt durch die Herzschwäche von Grace, empfehlen, die Mädchen zu trennen. Eine Auseinandersetzung mit Leben und Tod beginnt. Sarah Crossan erzählt vom Menschsein im Außergewöhnlichen. Selten habe ich so etwas bemerkenswertes gelesen.

Leben bei fortschreitendem Klimawandel

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nominiert von der Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2014

Jostein Gaarder: 2084 - Noras Welt, dtv Tb € 8,95

„2084“ scheint eine Anspielung auf den Science-Fiction-Roman „1984“ von George Orwell. Er malt darin ein schreckliches Szenario der Zukunft, wenn Umweltzerstörung und der Klimawandel nicht Einhalt geboten werden. Die Folgen davon werden ziemlich drastisch gezeichnet (Dromedare in Norwegen, Bäume müssen von Menschen bestäubt werden, weil es keine Bienen mehr gibt…). Eigentlich geht die ganze Handlung von 2084 aus; die Hauptperson Nora ist 80 Jahre alt. Ihre Urenkelin klagt sie und ihre ganze Generation an, dass sie nichts für die Erhaltung der Schönheit der Erde getan haben. Durch eine Art Zauber bekommt aber die Erde eine zweite Chance, und Nora kann als sechzehnjährige ins Jahr 2012 zurück. Dort engagiert sie sich dann mit ihrem Freund an ihrer Schule für die Umwelt. Dabei denken sie sich mögliche Lösungen aus, wie man die Menschen zu verantwortungsvollerem Umgang mit der Umwelt bewegen und ihr Interesse für die Bedrohung des Planeten wecken kann. Das Buch, das teilweise Fakten wie ein Sachbuch nennt, erschreckt einen und rüttelt auf, auch weil das Szenario ja schon für 2084 entworfen ist. Manche Passagen wie ihre Träume und die Gespräche mit einem Psychiater fand ich teilweise etwas seltsam und gestellt, von der Botschaft her aber sicher ein wichtiges und lesenswertes Buch! Claire, 16 Jahre

Auf der Suche nach dem Ich

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017, Kinderbuch

Annette Herzog: Pssst! Peter Hammer Verlag 2016 € 14,00

In dem einfühlsamen Teenie-Buch geht es um das Ich. Hast du dich auch schon mal gefragt, wie du bist? Warum du so bist wie du bist? Viola schon! Das mit Zeichnungen im Comicstil illustrierte, witzige Buch ist verziert mit Stickern. Viola sieht sich auf der einen Seite als Außenseiterin, auf der anderen Seite als Freundin und Helferin anderer Außenseiter.In bunten, wilden, komisch, witzigen Bildern beschreibt sie ihre Familie auf vielfältige Art und Weise. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil ich ein bisschen mehr über das Ich kennengelernt habe und die Bilder echt schön anschaulich waren. Zu empfehlen für Teenies, die ihr Ich wieder neu finden müssen.

Worte, die heilen

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017, Jugendjury

Tamara Ireland Stone: Mit anderen Worten: Ich, Magellan Verlag 2016 € 16,95

Samantha hat Zwangsstörungen. Immer wieder kriegt sie Panikattaken und Gedankenschleifen lassen sie nicht los. Sie schämt sich für sie. Noch nicht mal ihre Freundinnen wissen davon. Als sie Caroline kennenlernt, fühlt sie sich endlich nicht so allein gelassen. Caroline hört ihr zu, ist für sie da. Auch zeigt sie ihr die "Dichterecke", eine geheimen Club, und Samantha lernt die Welt der Worte und Gedichte kennen. Es sind Worte, die ihr helfen ihre Probleme zu verarbeiten und sie immer näher zu sich selbst bringen. Dort lernt sie auch AJ kennen und verliebt sich in ihn. Gerade scheint ihr Glück nicht weit weg zu sein, als die Wahrheit ans Licht kommt und sie erkennt, dass ihr Glück wohl weiter weg zu sein scheint als sie dachte. Eine unglaubliche Geschichte über ein Mädchen mit einer faszinierenden Vorstellungskraft. Maja, 12 Jahre

Zwei Brüder, ein Keller und ein Insektarium

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017, Kinderbuch

Simon van der Geest: Krasshüpfer, Thienemann 2016 € 12,99

In dem Buch Krasshüpfer von Simon van der Geest, geht es um die zwei Brüder Hide und Jeppe. Hide ist jünger und hat einen Deal mit seinem Bruder. Hidde verät nicht sein Geheimnis, dafür kriegt er den Keller. Drei Jahre später hat er ein ganzes Insekten Labor im Keller aufgebaut. Doch manchmal denken große Brüder ihnen würde, nur weil sie größer wären, alles gehören. Jeppe hält seinen Teil der Abmachung nicht ein und so entsteht ein "Krieg" zwischen den beiden Brüdern.
Meine Meinung: Wenn man selber einen großen Bruder hat, ist es ein sehr interessantes Buch. Aber auch ohne Geschwister ist es eine sehr lustig und spannend erzählte Geschichte.

Unaufhaltsam

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017, Bilderbuch

Francesca Sanna: Die Flucht, Nord-Süd Verlag 2016 € 17,99

Eine Szenerie wie aus Urlaubstagen. Die Familie am Meer. Ihr Land besteht aus Zuckerbäckerbauten, die unbeschwert sommerliche Schatten werfen. Sie sind auf Sand gebaut. Am Saum eines gemütlich schwappenden Meeres. Im nächsten Bild greift es mit seinen schwarzen Klauen nach ihnen, droht alles zu verschlingen. Krieg. Francesca Sanna vermag es, komplizierte Worte und Sachverhalte in erstaunlich  klare, eindringliche Bilder umzusetzen. "Die Flucht" erzählt die Geschichte von vielen Fluchten, heißt es im Nachwort. Diese Flucht, erzählt aus  Sicht eines Kindes zunächst von einem großen Abenteuer, welches die Mutter und ihre zwei Kinder von einem Krisengebiet am  Meer in die europäischen Berge führt. Erst mit dem Auto, dem Fahrrad, am Ende zu Fuss. Das Fremde, die Angst wächst. Ihr Gepäck schrumpft. Schlepper bringen die Flüchtenden über die Grenze, ein Boot über das Wasser, der Zug in eine neue Heimat. In Sicherheit. Eine neue Geschichte kann beginnen. Einmal in Bewegung gesetzt, fließt alles von Seite zu Seite. Unaufhaltsam. Der Raum und die Zeit. Die Tränen und das schützende, wallende Haar der Mutter. Zartblättrige Details vereinen sich mit dem Dunkel und seinen übermächtigen Figuren, die sich daraus hervorschälen. Wächter und Helfer. Das Ungewisse. Und am Ende sieht man die Zugvögel über dem lindgrünen Meer. Für sie gibt es keine Grenzkontrollen. Sie sind frei. Die Flüchtigen haben sich darunter gemischt. Kaum fallen sie auf. In diesem bunten Haufen Verschiedener sind sie gleich. Ein hoffnungsvolles Buch, für das sich, je länger man schaut, mehr und mehr Worte finden lassen, Gefühle und Gedanken. Und unter den Gedanken vor allem derjenige, wie es sich anfühlen würde, selbst in dieser Lage zu sein. Francesca Sanna, eine Italienerin in der Schweiz, ist für diese Arbeit mit der Goldmedaillle der Society of Illustrators New York ausgezeichnet worden.

Brandaktuell

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Deutschen Jugendliteraturpreis der Jugendjury 2016

Peer Martin, Sommer unter schwarzen Flügeln, Oetinger 2015, € 19,95

Die Zahl der Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland hat sich in den letzten fünf Jahren geschätzt verfünfzigfacht. Im syrischen Bürgerkrieg starben in den letzten zwei Jahren über 470.000 Menschen (Die Zeit, 11.02.2016). In Sommer unter schwarzen Flügeln bringt die Syrerin Nuri dem Neonazi Calvin ihre Erfahrungen während der Anfänge des Arabischen Frühlings, die verschiedenen politischen Gruppierungen, das Leid der syrischen Bevölkerung und die Geschichte ihrer Flucht nach Deutschland näher, während Calvin mit seiner Gang einen Anschlag auf das Flüchtlingsheim plant. Nuri erzählt märchenhaft und poetisch, Calvin drastisch und ungeschliffen. Verbindend sind Erfahrungen mit Gruppenzugehörigkeit, Ausgrenzung und Gewalt, die sowohl Nuri als auch Calvin zu vielschichtigen Charakteren reifen lassen. Mit den Protagonisten gewinnt der Leser Verständnis für beide Perspektiven. So wird er mehr und mehr von der Geschichte in den Bann gezogen und von ihrer Tragik berührt. Dieses beeindruckend ehrliche und mit viel Herzblut geschriebene Buch basiert auf gut recherchierten Fakten. Jedes Kapitel wird mit einem provokanten Zitat eröffnet und mit Anregungen zur weiterführenden Internetsuche abgeschlossen, wodurch das Buch über sich selbst hinausweist und zur Reflexion über die aktuelle politische Lage anregt. (Jurybegründung)

Kuss auf das rohe Herz: Begegnung mit Alaska & Bonnie-Sue Hichcock. Moderation: Sonja Finck

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Bonnie-Sue Hitchcock: Der Geruch von Häusern anderer Leute, Königskinder 2016  € 17,99

Auf Sprachkurs in Deutschland machte die Journalistin und Autorin Bonnie-Sue Hitchcock spontan einen Stop im Buchpalast für eine außergewöhnliche deutsch-englische Lesung. An ihrer Seite ihre Übersetzerin Sonja Finck. Mit ihr  ließ sie die Fischgründe ihrer Heimat Fairbanks lebendig werden. Unser Publikum spürte Minusgrade und die Kostbarkeit rohen Fleisches selbsterlegter Tiere. Graues Fleisch aus dem Supermarkt kauft fast niemand in Alaska. Diese selbstverständliche Nähe zur Natur beeindruckte. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, zumindest im Geiste, ein noch warmes, bluttriefendes Herz zu küssen. So schnell werden wir das nicht vergessen. Ein toller Abend!

Kammerspiel

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017, Jugendjury

Steven Herrick: Wir beide wussten, es war passiert, Thienemann Verlag 2016 € 14,99

Billy sitzt mit einem Ranzen voller Habseligkeiten in einem Speedboot auf leerem Güterzug, unterwegs auf der Suche nach Zukunft. Old Bill steht mit dem Bier am Gleis, auf der Flucht vor Vergangenheit. Caitlin wagt es, über ihren Reichtum zu stolpern. Ein Mädchen für Billy. Sie tanzen umeinander nach dem Sinn ihres Lebens. Einer greift nach dem anderen. Sie schöpfen Gewinn am Miteinander. Voll Poesie und rhythmischer Eleganz eröffnet dieser schmale Text einen ganzen Lebenskosmos.

Gleichgewicht

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017, Bilderbuch

Isabel Minhós Martins, Bernado P. Carvalho: Hier kommt keiner durch, Klett Kinderbuch 2016 € 13,95

Liebe Leute, wiegt das Buch in der Hand! Schwer neigt sich die Buch-Linke unter der Last seiner 61 Figuren. Spaziergänger, Schaulustige, Gespenst und Rotkäppchen. Ein Astronaut mit Atemnot. Alien Emil Theodor ohne Telefon. Wollt ihr noch mehr Namen wissen? Ihr findet sie auf dem Vorsatzpapier. Dicht drängeln sie sich an der Grenze, dem Buchfalz. Der Bestimmer fordert die Bild-Rechte für sich allein und hat einen Aufpasser positioniert. Hier wäre die Geschichte zu Ende, wenn nicht ein roter Ball auf jene Seite hüpfen würde und dem Aufpasser eine Entscheidung abringt. Das großartige Spiel in Bild und Buch zelebriert die Geschichte, wie es nur ein Buch bieten kann.

Schwimmbadferien

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nominiert für den Detuschen Jugendliteraturpreis, Kinderbuch 2016

Stefanie Höfler: Mein Sommer mit Mucks, Beltz & Gelberg Tb 2016 € 5,95

Zonja hat viele Fragen auf ihrer Frageliste. Und sie sucht jeden Tag nach Antworten. Doch jetzt sind Ferien und ihre ganzen Experten bei denen sie die Antworrten findet nicht da. Deswegen geht sie ins Freibad um Menschen zu beobachten - noch eines ihrer Hobbies die andere nicht verstehen. Da fischt sie Mucks aus dem Wasser. Mucks ist dreizehn, riesengroß und kann nicht schwimmen. Er ist mindestens genauso seltsam wie Zonja und das verbindet sie. Aber etwas stimmt nicht mit Mucks und Zonja weiß nicht was. Sie muss es herausfinden, nur so kann sie ihrem einzigen Freund helfen.

Im Sommer am See lesen

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nomiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016

Mariko Tamaki, Jilian Tamaki: Ein Sommer am See, Reprodukt 2015 € 29.-

In dem Comic-Buch "Sommer am See" geht es um zwei Freundinnen, Rose und Windy. Windy wohnt in Awago Beach, Rose, die dünnere und ältere von beiden, kommt jede Sommerferien dort hin. Rose und Windy erleben viele Abenteuer, doch das Wichtigste für die Freundinnen ist, erwachsen zu wirken. Vor allem gegenüber dem Jungen, der im Kiosk arbeitet. Rose steht heimlich auf ihn. Desewegen leihen sich die zwei Gruselfilme aus, für die sie eigentlich viel zu jung sind. Em Ende gibt es eine Familie zu retten und das Leben eines Mädchens. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil es total lebendig erzählt. Ich fand es manchmal aber auch traurig. Ein paar Stellen sind düster gezeichnet und erzählt. Sehr zu empfehlen für Kinder, die Comics gerne lesen, oder Bücher in denen viel Gemaltes ist. Am besten im Urlaub am See lesen!

Mit Fantasie gegen Einsamkeit

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016, Bilderbuch

Edward van de Vendel, Der Hund, den Nino nicht hatte, Bohem Verlag 2015 € 14,95

Mit großen, unglaublichen Bildern und wenigen präzisen Sätzen, wird die Geschichte von Nino erzählt. Nino ist einsam, denn sein Vater ist weit weg. "Der Hund den Nino nicht hatte" ist sein imaginärer treuer Freund. Er spielt mit Nino und tröstet ihn, wenn er weinen muss. Die Geschichte zeigt, wie Nino es schafft,  mit seiner Vorstellungskraft seiner Einsamkeit entgegen zu wirken. Während der Text Fantasie und Realität klar auseinander hält, vereinen sich diese im Bild zu einem beeindruckenden Werk für das kindliche und Erwachsene Auge. Emotional, ein wenig düster und traurig, aber auch fantasievoll und glücklich, bleibt dieses einzigartige Bilderbuch lange in Erinnerung.

Unvorstellbare Gefahren, Abenteuer und Ausdauer

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016, Sachbuch

William Grill, Shackletons Reise, Nord-Süd Verlag 2015, € 19,99

Sir Ernest Shakleton liebte es Polarforscher zu sein. Er hatte es sich in den Kopf gesetzt, die Antarktis zu Fuss zu durchqueren. Das Buch beschreibt die vielen Stationen der Reise, die Vorbereitung samt Packliste, den Bau des besonders stabilen Bootes „Endurance“, die Abfahrt und die ganzen Unglücke und Probleme. Neben den kleinen Textpassagen gibt es viele lustige skizzenhaften Zeichnungen, die alles detailreich in Szene setzen. Besonders gefiel mir das Casting der Hunde. Alle 69 Namen kann man nachlesen. Mit den Hunden veranstaltete die Mannschaft viele Schlittenrennen, um sich in der Einsamkeit im Eis und die Zeit des Wartens zu vertreiben. Grill erzählt mit Spannung von einer wagemutigen Reise um Leben und Tod.

 

 

Allein zur Oma

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016, Bilderbuch

Marianne Dubuc, Bus fahren, Beltz&Gelberg 2015 € 13,95

In diesem lebendigen, mit einfachen Buntstiften gezeichneten Bilderbuch geht es um ein braunhaariges Mädchen mit roter Jacke. Es fährt allein mit dem Bus, um seiner Oma Kekse im Korb zu bringen. Könnte es Rotkäppchen sein? Die Jacke steckt es schnell in seinen Korb. An jeder Haltestelle entdeckt Clara Neues und macht Bekanntschaften mit Mitreisenden, übersteht Gefahren und erlebt kleine Abenteuer. Nur das Faultier verschläft die ganze Reise. Mir hat das Buch sehr gefallen, weil es mit Humor den kindlichen Entdeckergeist beflügelt. Am besten liest sich das Buch im Bus.

Von Saigon nach Herford

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017, Jugendbuch

Que Du Luu, Im Jahr des Affen, Königskinder Verlag 2016, €16,99

„Die Leute starrten mich auf der Straße an und die Kinder beschimpften mich. Ich verstand nicht, was sie sagten. Ich verstand nicht, wieso sie das taten. Sie kannten mich nicht und trotzdem sah ich den Hass in ihren Augen.“ Zitat: Que Du Luu, Im Jahr der Affen

„Hast du schon gekochten Reis gegessen?“ So lautet die seltsame Begrüßung von Vater zu Tochter. Nein, aber Kartoffeln, sagt Mini. Seit 12 Jahren heißt ihre Heimat nicht Saigon sondern Herford. „Boatpeople“ gelangten schon vor 30 Jahren nach Deutschland. So erreichte auch die autobiografisch erzählende Autorin Que Du Luu, geboren 1973 in Saigon (Cholon) Südvietnam, an der Hand ihres Vaters nach einjähriger Flucht am Ende des Vietnamkrieges 1976 ein Flüchtlingslager bei Bielfeld.

Tödliche Spiele

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Deutscher Jugendliteraturpreis der Jugendjurys

Suzanne Collins: Die Tribute von Panem, Oetinger Tb € 9,9

In Folge einer globalen Katastrophe hat die Welt ein neues Gesicht. Nordamerika wurde ausgelöscht und aus dessen Trümmern und Asche erhob sich Panem als neue Macht. Panem wird regiert vom reichen, strahlenden Kapitol, umgeben von zwölf Distrikten. Zwar gab es zu Beginn der glanzvollen Zeit Panems noch dreizehn Distrikte. Doch nach einem Aufstand gegen das Kapitol wurden zwölf besiegt, und der dreizehnte gnadenlos ausgelöscht. Als Strafe für den Hochverrat und als alljährliche Mahnung, dass sich solch ein Aufstand niemals wiederholen darf, führte die Regierung durch den Hochverratsvertrag die Hungerspiele ein. Am Fest der Ernte erwählt jeder der zwölf Distrikte durch Losverfahren ein Mädchen und einen Jungen im Alter von 12 bis 18 Jahren, die so genannten Tribute. Diese vierundzwanzig Tribute müssen sich in einer riesigen Freilichtarena über mehrere Wochen hinweg bis auf den Tod bekämpfen. Gewonnen hat derjenige Tribut, der bis zuletzt am Leben bleibt. Per Kamera wird jeder Augenblick der Spiele live im Staatsfernsehen übertragen. Seit dem tragischen Tod ihres Vaters sorgt die 16-jährige Katniss Everdeen als geschickte Jägerin mit Pfeil und Bogen für den Lebensunterhalt ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester Prim. Überhaupt ist ihre kleine Schwester für sie das ein und alles. Wie schockierend ist da der Moment, als am Tag der Ernte Prims Namen aus dem Lostopf gezogen wird. Freiwillig nimmt Katniss daher den Platz ihrer Schwester ein und tritt zusammen mit Peeta Mellark, dem ausgelosten Jungen, die Fahrt zum Kapitol an, um sich auf das tödliche Spiel vorzubereiten. Katniss und Peeta sind aus Distrikt 12, einem ärmlichen Distrikt, aus dem in den bisherigen 73 Hungerspielen nur ein einziger Sieger hervorging. Schlechte Chancen auch für diese beiden Tribute? Die Spiele jedenfalls sind ohne Einschränkung brutal, um die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu zwingen, erbarmungslos zu töten und dem Publikum eine gute Show zu bieten. Umso irritierender für Katniss, als sie von Seiten Peetas plötzlich Zuneigung und Hilfe erfährt. Werden die beiden im Stande sein, bis zum Ende zu überleben? Und sollten sie es wirklich schaffen, könnten sie dann überhaupt den jeweils anderen töten, um selbst zum Sieger erklärt zu werden?
Meine Meinung: Es ist ein guter Roman, der zwar blutrünstig erscheint und wahrscheinlich wirklich nicht für 11-jährige geeignet.  Aber es endet gut ist eigentlich nicht grausam. Das Cover erscheint abstoßend und ungeneigt. Antonia, 14 Jahre

Tierischer Mut

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017, Kinderbuch

Taran Bjornstad, Christoffer Grav: Der Krokodildieb, Beltz&Gelberg 2016, € 12,95

Odd ist ein Träumer mit den klassischen Attributen eines Außenseiters: klein, pummelig, Brille. Bei einem Klassenausflug ins Aquarium kommt ihm die Idee, sein Stoffeichhörnchen "Nussi" gegen den kleinen Kaiman "Zack" zu tauschen. Das echte Krokodil von 60cm Länge landet in seinem Rucksack und dann unter seinem Schrank. Reich illustriert mit gekonntem Blick für ungewöhnliche Szenen und besondere Perspektiven von Klein zu Groß läd dieses Buch zum Lesen ein und hat etwas Besonderes.

Bei Großvater in der Steppe

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis Kinderbuch 2007

Xavier-Laurant Petit, Steppenwind und Adlerflügel, dtv € 6,95

Galshan wohnt mit ihren Eltern in einem  kleinen Wohnblock und ist dort einigermaßen glücklich. Doch eines Tages erfährt sie, dass ihre Mutter schwanger ist und sich bis zur Geburt schonen muss. Ihr Vater schickt sie zu ihrem Großvater in der mongolischen Steppe. Der Nomade zeigt ihr was man alles braucht, um im Winter in der Mongolei zu überleben. Sie lernt reiten, bekommt einen Adler und langsam findet auch sie Gefallen an ihrem "Urlaubsort". Doch ausgerechnet jetzt  kommt "der weiße Tod", einer der schlimmsten und gefürchteten Schneestürme. Sie werden eingeschlossen und mit der Zeit wird ihre Situation immer dramatischer... Das Buch ist ernst, aber trotzden wunderschön und brillant geschrieben. Spannend ist es auch und ich empfehle es sehr!