Kunsträuber gefunden!

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Thé Tjong Khing: Kunst mit Torte, Moritz Verlag 2017 € 13,95

Ein Kunsträuber und Tortendieb trieb im Buchpalast sein Unwesen! 31 Kinder versuchten ihm in einem Rätselrennen auf die Spur kommen. Die Rätselralley führte in das Buch "Kunst mit Torte" von Thé Tjong-Khing. Im Buchpalast konnte man dazu auch sein Skizzen und Ideen zu diesem Buch in einer Ausstellung bestaunen. Am 24. Juni wurden beimTortenschmaus die Sieger des Rätselrennens gekürt. Wir verlosten drei sigierte Bücher mit einer kleinen Originalzeichnung von Thé Tjong-Khing und freuten uns über alle Hobbykriminologen!

Schau genau

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Oliver Tallec: Wie war das? Gerstenberg 2017 € 9,95

Ein Wolf, ein Biber, zwei Hasen, ein Löwe und ein Junge. Eine seltsame Mannschaft wird hier zu Bett gebracht. Lösche das Licht! Alles wird dunkel. Wer hatte den gelben Schal um? Weißt du es noch? Oder hast du nicht genau geschaut. In diesem Bilderbuch ziehen die Erwachsenen voraussichtlich den Kürzeren. Schau genau! heißt die Devise. Beobachte die Details und nimm die Kleinigkeiten wahr. Kinder sind wirklich gut darin. Ein Bilderbuch das die Konzentration fördert, den Blick schärft, zum Vor- und Rückblättern und zum Mitmachen animiert. Für Kleine!

Glaube und Gemeinschaft zu entdecken

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Anna Wills, Nora Tomm: Das Wimmelbuch der Weltreligionen, Beltz & Gelberg 2017 € 13,95

Religionen sind ein lebendiger Bestandteil gesellschaftlichen Lebens.  Sie helfen Antworten auf große Fragen des Lebens zu finden. Menschen überall auf der Welt leben nach religiösen Regeln und Ritualen. Das verbindet uns trotz aller Unterschiede. Dem Leben in den fünf großen Religionen können Kinder hier auf jeweils einer großformatigen Doppelseite ganz ohne Text nachspüren. Zu sehen sind religiöse Orte der Begegnung, Bräuche, Feste, Rituale, die Religionsgemeinschaft und ihre Glaubenskultur. Das Buch begleitend ist ein erklärendes Heft beigefügt, welches einige der vielen, zu entdeckenden Details für Eltern erläutert. Das mit viel Sorgfalt gestaltete, etwas andere Wimmelbuch eignet sich schon für wissbegierige Kindergartenkinder und ist perfekt für erste Fragen im Vor- und Grundschulalter.

Die Rutsche ist für alle da!

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Björn F. Rörvik, Gry Moursund: Die Böckchen-Bande im Schwimmbad; Klett Kinderbuch 2017 € 14,95

Sommerhell und knalligbunt leuchtet dem Betrachter die gut gefüllte Freibad Atmosphäre in kindlichem Zeichenstrich entgegen. Unzählige Tiere sieht man in Gruppen spielen, duschen, baden und vor allem rutschen. Auch die drei Böckchen hat es nicht auf die Alm sondern ins neue Schwimmbad gelockt. Die Regeln des  rosaroten Bunnyhasen befolgen sie brav. Nicht so der Troll, ein brauner, krickelig behaarter Wüstling, welcher mit Mordsgeschrei, ohne zu zahlen und ungeduscht, die Leute ärgert. Überall stänkert er herum und nistet sich dann unter der Treppe der Rutsche ein. Nun ist nicht nur Rutschmut gefragt sondern auch List, sich die Feigheit des Troll zunutze zu machen. Die Geschichte hat Märchenstruktur. Erst probiert das Kleinste, dann das Mittlere und am Ende das große Böckchen, am Troll vorbei die Treppe hinauf zu gelangen. Wir halten vor Spannung den Atem an....und als der Troll über die Rutsche durch die Terrassentür ins Nirgendwo  fliegt, lachen wir herzhaft. Besiegt! Rutsche und Schwimmbad sind eben für alle da. Die Böckchen leben hoch. Ihre Badehosen flattern den ganzen Sommer im Wind. Was für ein turbulentes, Mut spendenes Sommer-Bilderbuch.

Wütender Feger

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Pija Lindenbaum: Greta haut ab, Oetinger 2017 € 14,99

Manchmal haben es Kleine nicht leicht. Die Großen bestimmen den Tagesablauf. Für Greta heißt es aus dem Buddelkasten heraus, ein feines Kleid anziehen und auf zur Feier, mit Mama, Jan und ihrem Halbbruder Egon, wo sie doch gar nicht hin möchte. Aber nicht einmal ihren steigenden Missmut nehmen die Erwachsenen richtig wahr. Weitere unbedachte, haarsträubende Kleinigkeiten reihen sich aneinander, bis Gretas aufbegehrt und beschließt allein in die Welt zu ziehen. Aber wenn man klein ist, lauern schon ganz nah große Abenteuer. So fällt Greta in einen stinkenden Graben und kommt nur mit Einsatz all ihres Wuthaares wieder heraus. Als lange Schleppe fegt es mittlerweile hinter ihr her. Glücklicherweise kann sie sich darin auch einwickeln, so lange die Hose trocknet. Dabei malt sie sich aus, wie alle jetzt nach ihr suchen. Aber weit gefehlt. Die restliche Familie hat ihre Abwesenheit noch gar nicht bemerkt. Sie sitzen, von Greta ungestört, gemütlich beim Scrabble. Da platzt alle Wut aus Greta heraus. Sie sprüht, sie glüht. Endlich bemerkt man sie. Am Ende müssen Große und Kleine lernen, einen gemeinsamen Weg der Achtung zu finden. Wie dieser aussehen könnte, lässt sich an diesem Setting gut diskutieren. Die Illustrationen zeigen die ungeschönte Alltagssituationen in großer emotionaler Dynamik.

Sprachspiel mit Feen & Hexen

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Franz Fühmann, Kristina Andres: Am Schneesee, Hinstorff 2017 € 14,90

Die Geschichte ist einfach. Es geht um eine kleine Fee, die sich ihren dicken Zeh verstaucht. Kein Wunder, lugt er doch ungeschützt aus den Socken heraus, während sie übermütig über Stock und Stein springt. So humpelt sie zur Hexe, die ihn mittels Zaubertee wieder auf Vordermann bringt. Alles ganz einfach, wäre da nicht der Schnee und das Reh im Klee, der Zeh und der Tee, oh weh! Es entstehen dabei Worte wie Schneeseekleerehfee und Schneeseekleerehfeedrehzehwehteekessel.  Ja, dieses Bilderbuch fordert seine Vorleser und bietet dabei wunderbaren Sprachspielquatsch für kleine Zuhörer. Das etwas andere Feen & Hexenbuch.

Wenn man das Monster vergißt…

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Michael Escoffier: Grododo, Carlsen 2017 € 14,99

Bevor der Hase Cäsar schlafen geht, gibt es einiges zu erledigen: Zähne putzen, ein Glas Wasser auf den Nachttisch stellen, die Pantoffeln auf den Teppich, den Bären kuscheln und unter dem Bett nach Monstern schauen. Dann kann er die Augen schließen und auf seinen Ohren einschlafen.....wäre da nur nicht dieser Krach, der ihn wieder aus dem Bett treibt. Wo ist der Störenfried? Danach beginnt alles von vorn. Von Wiederholung zu Wiederholung verwechselt Cäser seine Rituale, so landen am Ende die Pantoffen im Wasserglas, er kuschelt mit seinem Teppich im Bett, versucht die Ohren zu schließen und auf seinen Augen zu schlafen. Kinder lieben Wiederholungen, und wie Cäsar, Rituale. Ohren auf! Schon kommt das nächste Geräusch. Wenn sich die Zutaten dieser sparsame Zu-Bett-geh-Inszenierung zu verwirren beginnen, gibt es viel zu lachen. Ein gelungenes Bilderbuch für ganz Kleine.

Auf der anderen Seite?

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Brigitte Minne, Carl Cneut: Hexenfee, Bohem 2017 € 24,95

Kinder werden groß und gehen irgendwann ihre eigenen Wege. Wie ein Miteinader hier funktionieren kann, davon können auch Erwachsene in diesem Bilderbuch lernen. Wie immer gibt es zwei Seiten. Das saubere Wolkenkuckucksland der Feen in der Luft, Rosmaries Heimat, und den Hexenwald am Boden. Feen sind Feen und Hexen bleiben Hexen. Da Rosmarinchen sich all das erträumt, was Hexen machen und das im Feenland nicht erwünscht ist, packt sie konsequenterweise ihre Koffer und zieht in den Hexenwald. Dort findet sie es viel schöner, als die Feen es ihr weismachen wollten. Die Hexen bringen ihr das Rollschuhlaufen bei und auf dem Besen reiten. Doch Mama vermisst ihr Rosmarinchen. So steigt sie herab, ihre Tochter zu treffen, die sie nun teilhaben lässt, an ihrer neuen Welt. So kommen die beiden sich wieder näher. Und das findet Rosmarinchen genaus schön. Von da an beschließt Rosmarinchen hier und dort zu leben. Mal sauber im Festkleid auf den Wolken, mal fliegt sie in den Wäldern auf dem Besen umher. Aus ihr wird eine richtige Hexenfee. So wie Rosmarie diese zwei Seiten lebt, passen für sie und für Mama nun auf Wunderbarste zueinander. In großer Pracht in Szene gesetzt hat sie der flämische Bilderbuchkünstler Carl Cneut. Er macht das Buch mit der klassischen Geschichte zu einem besonderen Hingucker.

Träume sind überall

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Miriam Zedelius: Träumst Du? Hinstorff  Verlag 2017 € 16,99

Der Raum in Bilderbüchern ist knapp bemessen. Manche beginnen daher schon im Vorsatzpapier. Sandmännchen schaufelt die Buddelkiste leer. Alles hinein in seinen Sack, damit es mit dem Sand den Schlafenden viele Träume schicken kann. Keiner hat's gesehen. "Träumst du?" Diese häufig benutzte indirekte Elternfrage ist eher ein Feststellung. Besser hieße es wohl: "Du träumst ja schon wieder!", "Mach weiter" oder "Trödele nicht". Nein, in diesem Buch wird keinesfalls geträumt. Es wird gedacht! Und beim Denken kommen dem Kind viele Fragen. Fragen zu den Träumen von Groß und Klein. Was erträumen wir uns, wenn wir träumen? Und kommen wir zurück von der wunderbaren Reise, auf die uns das Buch mit seinen Fragen mitnimmt, schwappt in der Buddelkiste das Meer. Nichts ist unmöglich, im Reich der Träume. Dieses Buch mit seinen wenigen Strichen ist eine Verführung zum Gespräch, zum Denken und zum Träumen.

Ernst genommen werden

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Maria Jönsson: Schnulleralarm, Hanser 2017 € 12.-

Ein wunderbares Plädoyer für die Selbstbestimmung - und ist man noch so klein. Valdemar ist schon groß, aber auch noch klein. Papa findet, der Schnuller kann nun weg und greift zu rigerosen Methoden der Schnullervernichtung. Valdemar findet immer wieder einen Ersatz. Er liebt seine Schnuller. Als seine kleine Schwester ihren Schnuller verlegt wächst Valdemar über sich hinaus und wird ein hilfsbereiter, schnullerteilender, großer Bruder. Ein schönes Ende aus Erwachsenensicht. Aber weit gefehlt. Das Miteinander gestaltet sich schwieriger, denn Miteinander bedeutet, dass beide Seiten bestimmen dürfen. Valdemars erste  Nacht ohne Schnuller ist schrecklich. So schnell geht das Abgewöhnen nicht. Am Ende entscheidet Valdemar selbst, wann es ohne Schnuller geht, und wann er ihn noch braucht. Diese Tatsache, dass "groß werden" nicht nur altersgerechte Mitbestimmung sondern auch Ernst genommen zu werden bedeutet und diese Selbstbestimmung schon sehr früh beginnen kann, ist sicher der schwierigere, aber richtige Weg zu einem guten, verständigen Dialog mit dem Kind.

Der Stoff aus dem die Träume sind

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Oliver Jeffers, Sam Winston: Wo die Geschichten wohnen, Mixtvision 2017 € 14,90

Bücher sind das wichtigste Spielzeug auf der Welt. Geschichten sind der Stoff aus dem unsere Träume sind. Aus Büchern bauen wir unser Wissen über weit Entfernes und lange Vergangenes oder noch nicht Existentes zusammenbauen. Zwischen dem ersten und dem achten Lebensjahr lernen Kinder 10-15 neue Wörter am Tag. Der Alltagswortschatz ist da schnell aufgebraucht. Bücher beflügeln Sprache und Fantasie, holen die Welt ins Kinderzimmer und tragen uns mit ihr hinaus. Jeffers lässt sein Entdeckungsreisenden auf Wogen von Worten und Sätzen treiben. Halsbrecherisch,mutig, neugierig. In dieser Welt ist jeder Willkommen. Ein Buch für Kinder und Erwachsene.

Zum Lachen

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Marie Dorléans: Das große Pferderennen, Gerstenberg Verlag 2017 € 16,95

Ein Pferderennen. Endlich mal ein cooles Bilderbuch mit Pferden. Das besondes lange Format dieses Buches öffnet dem kleinen Betrachter einen großen Blick auf den Parcours, der sich nach dem Startschuss eröffnet. Die schnellsten Pferde jagen sogleich davon, sodass ihre Jockeys an den Zügeln oder Schwänzen nur so durch die Luft wirbeln. Die langsamsten Reiter, sie sitzen elegant erhaben auf einer Pferdestatue aus Stein, einem Minischaukelpferd, oder nehmen es mit einem störrischen Esel auf, geraten schnell aus dem Blickfeld. Die Leidenschaft des Reitens hat viele Varianten: im Sessel statt Sattel, mit der Teetasse in der Hand oder kopfunter am Bauch des Pferdes hängend. Und alles wäre gut, säße da nicht die Maus mitten auf der Strecke. Dieses rasante, überaus witzige Buch erschließt sich dem kleinen Betracher auch ganz ohne Text. Den Sieg tragen auf jeden Fall die Pferde davon.

Autoträume

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Carl Johanson, Calrs unglaubliches Auto Lexikon, Aladin 2017 € 16,00

Autoträume! Rot, blau gelb und ab und zu ein wenig grün. Hier tummelt sich alles, was auf Rädern steht. Das Zahnradauto und der Giraffenkrankenwagen. Der Roller und die mobile Druckkammer. Auch wirklich existente Fahrzeuge haben erwunderliche Namen: das Flugfeldlöschfahrzeug, der Teleskoplader oder das Polarexpeditionsfahrzeug. Aber viele Fahrzeuge sind der Fantasie entsprungen. Welche sind welche? Und was für ein Fahrzeug würdest du auf Räder bauen? Ein etwas anderes Fahrzeugbuch zum Spielen, entdecken, fantasieren und wiedererkennen.

Vom Glück, mit Freunden zu teilen

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Mo Willems: Muss ich was abgeben? Klett-Kinderbuch 2017 € 10,95

Ein Eis! Elefant ist außer sich vor Freude, doch kurz bevor er zu schlecken beginnt, kommt ihm sein bester Freund Schweinchen in den Sinn. Schweinchen wäre bestimmt auch glücklich, wenn er vom Eis etwas abbekäme. Elefant malt sich verschiedenste Szenarien des Teilens aus, bis das Eis geschmolzen auf dem Boden liegt. Er hat es vermasselt. Aber da kommt Schweinchen und trägt auch ein Eis in der Hand. Ende gut, alles gut, auch wenn sich Elefant das anders vorgestellt hat. Eine kleine Geschichte über eine große Freundschaft, das Teilen und all die Gefühle, die damit einherhergehen können. Mit wenigen Strichen und Worten geräuschvoll, rasant, urkomisch und voller Gefühl auf die Seiten gebannt, wird dieses Buch sowohl im Kindergarten als auch im Erstlesealter schnell zum Lieblingsbuch avancieren.

Märchenhafter Wagemut

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Oyvind Torseter: Der siebente Bruder oder das Herz im Marmeladenglas, Gerstenberg 2017 € 26.-

Wie fühlt man sich, wenn man als Jüngster mit seinem Vater allein gelassen wird? Das frage ich mich auch! So geht es dem Jungen, der von seinen sechs Brüdern allein gelassen wird. Sie ziehen in die Welt, versprechen dem Jüngsten aber, ihm auch eine Prinzessin mitzubringen. Als seine Brüder jedoch nicht kommen, macht er sich auf den Weg, sie zu suchen. Mit seinem Pferd erlebt er eine aufregende Reise zu dem verzauberten Schloss, wo seine Brüder von einem Troll gefangen gehalten werden. Gefahren nimmt er gecchillt entgegen. Zum Glück gibt es noch eine Prinzessin, die dem Jüngsten in Schloss mit vielen Tricks hilft, sie zu befreien. Und am Ende....uups, ich verrate nichts. Lest es einfach selber. Super illustriert und empfehlenswert zum Vorlesen, eingekuschelt in eine Decke. Hannah, 13 Jahre

Märchenhafter Wagemut

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Oyvind Torseter: Der siebente Bruder oder das Herz im Marmeladenglas, Gerstenberg 2017 € 26.-

Inspiriert von einem norwegischen Volksmärchen schickt Torseter seinen drahtigen, unerschrockenen Helden Hans (Reisetornister, Houdie, Muminsnase) auf einem unmotivierten wie ängstlichen aber stattlichen Gaul, auf die Suche nach seinen sechs Brüdern. Im Innern eines Berges trifft er nicht nur auf eine Prinzessin mit strähnigem Haar und üppigem Vorbau sondern auch auf den Schrecken einflößenden Troll, dessen Herz es zu finden und zu besiegen gilt. In abenteuerlichem Strichkunst-Mix zwischen Bilderbuch und graphic Novel ist dieses Buch Lesefest und Augenweide und vermag auch Leseunwillige zu begeistern.

Fantasievolle Spielerei

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Carson Ellis. Wazn Teez? NordSüd Verlag 2017 € 16,00

Gespräch unter Krabbeltieren: "Wazn teez?" "Mi nanüt." "Mi mori an Plumpse." Ja, dieses Buch ist schon übersetzt. Übersetzt ins ganz leicht verständliche Insektlinugale. Das macht Spaß für den Vorleser, man lernt ja immer dazu.  Und kleine Zuhörer werden gleich weiter mit Sprache spielen. "An Plumpse", das ist das junge Pflänzchen, welches sich Blatt für Blattetage, Seite für Seite, vom Frühling in den Sommer zum Licht reckt. Drei tatendurstige Käfer erklimmen sie mittes "Sprossel", einer langen Leiter, mit der Izzi, eine dicke Larve, wohnhaft im gefällten Baumstamm links im Bild, aushelfen kann. Der perfekte Ort, befinden sie, eine "Fortzung" zu bauen. Und schon schleppen die drei Aktionisten eine Menge Holz, Steinchen und eine Eichel, einen Pilz für die Vorratskammer und, natürlich, die Piratenfahne an. Schwupps findet der dicke Marienkäfer für sich und Izzis Gartenliege ein Plätzchen in der Sonne. Da kann der träge Izzi nur staunen. Auch sein Buch hat einen neuen Leser gefunden: den Kartoffelkäfer mit Tirolerhut. Doch das kleine Glück währt nur kurze Zeit. Alles sind ins Spiel vertieft. Nur einer bemerkt, wie sich eine Spinne nähert. Der Stabheuschreck. Habt ihr ihn gesehen?  Ausgerechtet diese Pfanze fällt ihrem Spinnennetz zum Opfer. Die Aufregung ist groß. Die Trauer auch. Doch da kommt Rettung aus der Luft. Die Pflanze kann sich ein letztes mal recken und strecken und erblüht.  Biene und Kartoffelkäfer, Raupe und Grille, zwei Schnecken und ein Feuersalamander - 36 detailreich augearbeitete Krabbeltiere werden Zuschauer dieses wunderbaren Schauspiels der Natur. Auch die zarten Prachlibellen im Ausgehlook von der ersten Seite sind wieder da.  Nur einer verschläft das ganze Spektakel. Aber das Beste kommt zum Schluss. "Jip!". Ein rundum gekonnt choreografiertes, großartig verspieltes Bilderbuch, bei dem ein aufmerksamer Blick und gutes Gehör gefragt sind, denn auf jedes Detail kommt es an.

Kleine Bildergalerie: Robert Ingpen

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Klassiker neu entdeckt: Im Januar 2017 zeigt der Buchpalast eine kleine Bildergalerie aus dem Werk des Illustrator Robert Ingpen

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Zwölf von Robert Ingpen illustrierte Klassiker sind im Knesebeck Verlag erschienen. Seine Illustrationen verleihen Texten wie dem Dschungelbuch (2013), Alice im Wunderland (2010) oder Peter Pan (2010) eine besondere Lebendigkeit und Glanz. Schauen Sie herein, lassen Sie sich verzaubern und nehmen Sie mal wieder einen Klassiker in die Hand. Diese besonders schön gestalteten Bände eignen sich zum Selberlesen oder Vorlesen für die ganze Familie.
Robert Ingpens Zeichnungen wurden mehrfach prämiert, u.a. erhielt er den renommierten Hans Christian-Andersen-Preis für Illustration.

 

Gewissheit und Vertrauen

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Antje Damm: Warten auf Goliath, Moritz Verlag 2016 € 12,95

Eine Haltestelle. Eine Bank. Auf ihr sitzt ein Bär und schaut uns mit großen Augen direkt ins Gesicht. Er grinst vor Erwartung. Gedulig wartet er. Auf einen Freund. Kirschblüten rieseln herab. Der Bär schmiegt sich mit dem Bauch auf die Bank. Warten kann schön sein. Er hat Zeit. Die Zeit vergeht. Die Kirschen leuchten prall, Blätter fallen, dann Schneeflocken. Allen die es wissen wollen erzählt der Bär von seinem Freund. Goliath. Bestimmt kommt er gleich... Wieder verzaubert Antje Damm den Betrachter mit den ganz einfachen Elementen der Guckkastenbühne, auf der sie aus Pappe und Papier, Farbe und Licht ihre Szenarien erschafft. Die sparsame Geschichte erzählt von Selbstvertrauen und Freundschaft, von Gewissheit und Geduld. Und am Ende von Freundschaft und Stärke im Herzen, selbst wenn der Freund so klein und zart ist, dass der Bär ihn locker auf der Hand zur Schaukel tragen kann. So  bildet der Bär das ruhende Gegenstück zur ängstlichen Frau in "Der Besuch".

Tanz der Zuckerfee

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Der Nussknacker, Mixtvision 2016 € 14,90

Illustriert von Valeria Docampo, präsentiert vom New York City Ballett.
Die Choreografie des Nussknackers von George Balanchine für das New York City Ballett, uraufgeführt 1954, nach der Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, machte die Geschichte von E.T.A. Hoffmann weltberühmt. Valeria Docampo spürt mit ihren Illustrationen für diese Geschichte einer Aufführung vom New York City Ballett nach. Filigran, tänzerisch und durch und durch romantisch, so wie auch George Balancine ein großer Romantiker war. Wen wundert es, dass der Tannenbaum, unter dem sich der Kampf der Mäuse und Zinnsoldaten und dem Nussknacker abspielt ganze 12,5m hoch war und über eine Tonne wog. Wer mag, kann sie mit diesem Buch Weihnachtszeit versüßen.

Aber bitte mit Sahne

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Tom Schamp: Das schönste und größte Bildwörterbuch der Welt, Gerstenberg Verlag 2016 € 19,95

Wer dieses Buch aufschlägt, sollte sich eine dampfende Tasse Kakao und ein Kuchenstück bereitstellen, denn diese Entdeckungsreise ins Reich der Wörter kann dauern.  Wie ein 10.000 Teile Puzzle erscheinen die dicken Doppelseiten, auf denen man Fahrzeuge, Lebensmittel, den Frühling und Weihnachten, Schuhe und Mützen, die Schule, viele, viele Figuren und noch viel mehr Fragen, die ganze Welt eben entdecken kann. Da fischt man mal falsch herum oder fliegt mit den Flaggen der Welt in alle Herren Länder. Immer an Bord sind Otto und seine Verwandten, die fünf kleinen Raupen und Dackel Daffke. Auch die zwei Spießgesellen tauchen immer wieder auf. Die Welt ist eben doch klein. Hier kann man sich verlieren und wieder finden. Und es ist immer wieder erstaunlich, was man noch alles lernen kann.

Unaufhaltsam

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017, Bilderbuch

Francesca Sanna: Die Flucht, Nord-Süd Verlag 2016 € 17,99

Eine Szenerie wie aus Urlaubstagen. Die Familie am Meer. Ihr Land besteht aus Zuckerbäckerbauten, die unbeschwert sommerliche Schatten werfen. Sie sind auf Sand gebaut. Am Saum eines gemütlich schwappenden Meeres. Im nächsten Bild greift es mit seinen schwarzen Klauen nach ihnen, droht alles zu verschlingen. Krieg. Francesca Sanna vermag es, komplizierte Worte und Sachverhalte in erstaunlich  klare, eindringliche Bilder umzusetzen. "Die Flucht" erzählt die Geschichte von vielen Fluchten, heißt es im Nachwort. Diese Flucht, erzählt aus  Sicht eines Kindes zunächst von einem großen Abenteuer, welches die Mutter und ihre zwei Kinder von einem Krisengebiet am  Meer in die europäischen Berge führt. Erst mit dem Auto, dem Fahrrad, am Ende zu Fuss. Das Fremde, die Angst wächst. Ihr Gepäck schrumpft. Schlepper bringen die Flüchtenden über die Grenze, ein Boot über das Wasser, der Zug in eine neue Heimat. In Sicherheit. Eine neue Geschichte kann beginnen. Einmal in Bewegung gesetzt, fließt alles von Seite zu Seite. Unaufhaltsam. Der Raum und die Zeit. Die Tränen und das schützende, wallende Haar der Mutter. Zartblättrige Details vereinen sich mit dem Dunkel und seinen übermächtigen Figuren, die sich daraus hervorschälen. Wächter und Helfer. Das Ungewisse. Und am Ende sieht man die Zugvögel über dem lindgrünen Meer. Für sie gibt es keine Grenzkontrollen. Sie sind frei. Die Flüchtigen haben sich darunter gemischt. Kaum fallen sie auf. In diesem bunten Haufen Verschiedener sind sie gleich. Ein hoffnungsvolles Buch, für das sich, je länger man schaut, mehr und mehr Worte finden lassen, Gefühle und Gedanken. Und unter den Gedanken vor allem derjenige, wie es sich anfühlen würde, selbst in dieser Lage zu sein. Francesca Sanna, eine Italienerin in der Schweiz, ist für diese Arbeit mit der Goldmedaillle der Society of Illustrators New York ausgezeichnet worden.

Verlaufen

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Peter Schössow: Wo ist Oma? Zu Besuch im Krankenhaus, Hanser Verlag 2016 € 17.-

Unzählige Türenfluchten, lange, grünliche Gänge und viele Stockwerke hat so ein Krankenhaus. Henry weiß nicht, was er sich da gerade vorgenommen hat, als er sich entschließt, auf eigene Faust seine Oma zu suchen. Er ist klein und kann noch nicht lesen. Doch das kleine i kennt er schon. Es steht für Information. Da fragt er gleich. Leider kann ihm die Frau an dem Schalter nicht weiterhelfen. Sie weiß noch nicht einmal, dass der Name von Henrys Aupair Mädchen Gülsa "Fröhliche Rose" bedeutet. Gülsa telefoniert. Und das kann dauern. Also stapft Henry los und entdeckt hinter den Türen Ärzte, Babys, Kinder und Alte, Kranke und Besucher oder auch mal gar keinen. Henry sperrt Augen und Ohren auf und hört jedem genau zu. Peter Schössow erzählt von Menschen und Räumen. Henry begegnet über 80 Personen, doch das Buch ist kein Wimmelbuch. Ruhig und unergründlich entfaltet sich die Szenerie vor dem Auge des Betrachters. Alles wirft seine Schatten: das Laub auf Henrys Rücken, die nächste Häuserreihe auf die Glasfront des Krankenhauses, die Rahmen der sonnendurchflutetden Fenster an die Türen gegenüber. Bis es zu regnen beginnt. So ein Krankenhaus schluckt die Zeit. Auch im Keller, zwischen den Heizungrohren, herrscht noch Betrieb. Da steht der Hausmeister auf seinem roten Roller. "Junge, dich suchen sie schon überall." Was ein Glück, denn jedes große Krankhaus hat auch einen Wachdienst, der helfen kann, wenn man sich verlaufen hat.

Jemand Neues kommt dazu

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Lauren Child: Bleibt der jetzt für immer? Hanser Verlag 2016 € 14.-

Nicht neu aber immer wieder betrachtenswert, wie sich der Neid auf das neue Geschwister in das verwandelt, was man um nichts in der Welt mehr tauschen möchte. Aus dem "Jemand", dem "kleinen Wesen", dem "Kleinkind", welches Elmore mehr als nur einmal dorthin zurückwünscht, wo es herkam, wird Albert, sein kleiner Bruder, der den Großen trösten kann, Dinge nicht nur nimmt sondern gibt und mit dem man vor allem lachen kann. "Irgendwie ist es lustiger, wenn ZWEI Leute lachten, also nur EINER" findet Elmore am Schluss und öffnet freiwillig sein großes Jelly-Bean-Glas für Albert. Lauren Childs bekanntes Spiel mit Milimeterpapier, dem Schriftsatz, der Hautfarbe, Größenverhältnissen und Perspektiven macht das Buch zu etwas Besonderem und zu einem rundum gelungenen Bilderbuchgenuss.

Liniers: Der rote Ballon, Kunstmann 2016 € 15.-

Diese Schwesterngeschichte kommt mit wenigen Worten aus. Das Eigentliche zwischen beiden findet hier seinen Ausdruck in Taten, Blicken und Gesten. Die Kleine spricht noch einsilbig. "Nass!" Statt der Gummistiefel bringt sie ihren roten Ballon und eine Gummiente. Ein schöner Tag beginnt. Regen, Sturm und Gewitter stören die Große nicht. Eifrig animiert sie die Kleine draußen herumzutollen. Was für ein Spaß. Das kindliche Glück des Unmittelbaren. Der Regen lässt nach und ein Regenbogen erscheint. Voll Überschwang nimmt die Große den roten Ballon der Kleinen und lässt ihn dem Regenbogen entgegen ziehen. Das "sooo schön!" jedoch fühlt  jede der Schwestern anders. Aber eine Lösung naht. Den Schnupfen holen sich beide in dieser Bildgeschichte am Ende gleichermaßen.

So bunt ist die Welt – vergiss das nie!

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Cornelia Funke: Fabers Schatz, Aladin Verlag 2016 €12,95

"So bunt ist die Welt! Vergiss das nie!", sagte Fabers Opa früher, wenn er gemeinsam mit Faber die Menschen am Hafen beobachtete. Er war mal Seemann. Nun zieht er nach Amerika und hinterlässt Faber einen alten Teppich mit seltsamer Schrift. Wer kann denn das lesen? Opa behauptet, der Teppich könne fliegen. Aber daran glaubt keiner. Auch Faber nicht, bis das kleine Mädchen mit mit den fremden Worten sich auf seinen Teppich setzt. Eine fast märchenhafte Bilderbuch-Geschichte der berühmten Kinderbuchautorin, die mit wenigen Worten für Verständigung und das Gemeinsame unter Kindern wirbt, wenn man nur neugierig und offen genug für die Welt ist.

Weissnich will heim

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Joke van Leeuwen: Weissnich, Gerstenberg Verlag € 12,95

In dem Fantasiebuch Weissnich geht es um eine kleine Comicgestalt, die plötzlich aus der ersten Geschichte herauspurzelt. Die Mutter des Jungen, der dann für Weissnich Comicpapa wird, erzählt ihm jeden Abend Geschichten. Der Junge freut sich total das Weissnich, so heißt die Comicgestalt, zu ihm gefallen ist, denn er hat keinen, der mit ihm spielt, malt oder über Kindersachen lacht. Weissnich aber hat ein ganz anderes Problem. Er möchte in die Geschichte zurück, zu seinen richtigen Eltern. Obwohl das den Jungen nicht gerade begeistert, macht er sich mit Weissnich auf die Suche nach seiner Geschichte. Doch bis sie ankommen, erleben die beiden verschiedene Geschichten und Abenteuer. Mir hat das Buch gefallen, weil es so lebendig erzählt wurde, dass ich es mir richtig gut vorstellen konnte. Es war aber auch traurig, weil mann lernen musste, Abschied zu nehmen. Empfehlenswert ist es als Vorlesegeschichte. Am besten an seinem Lieblings-Lese-Ort.

Lieb oder böse? Wenn das so einfach wäre….

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Lorenz Pauli & Kathrin Schärer: böse, atlantis 2016 € 14,95

Da gucken sie aber - der Hund und das Schwein, die Ziege und der Hahn - in typisch schärerscher Manier, als das Pferd seinen Huf auf die Maus fallen lässt. KLACK. Die Knopfaugen und Mäuler erstaunt aufgerissen, die Haltung voll menschlicher Gefühle und doch in vielen Details und sicherem Zeichenstrich einfach tierisch. Das hätten sie dem Pferd gar nicht zugetraut. Nie beteiligt es sich an den Gemeinheiten, welche die kleine Hofgemeinschaft zum Lachen bringt. Ist das nicht richtig böse, nein furchtbar gemein, was das Pferd da mit der Maus gemacht hat? Das geht doch zu weit! Oder könnte man sagen, es hat bloß der Katze die Maus weggenommen? So einfach ist das nicht und wie fast immer in Pauli/Schärers Bilderbüchern spielt der Blickwinkel eine große Rolle. Was einfach scheint und noch einfacher erzählt daherkommt ist äußerst kompliziert. Lieb und nett, anständig, brav oder fies und gemein, ja eben böse. Wer ist hier was? Wer darf was sein? Und warum? Ein weites Feld, über das man nicht oft genug reden und denken kann, nicht nur in der Scheune des Bauerhofes. Ein wunderbares Bilderbuch, welches in großformatigen Tiertableaus emotional mitreißt und sich besonders gut zum Vorlesen für Gruppen eignet.
 
 

Lyrik bis ans Lebensende

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"Wenn du niemals sterben könntest, würdest du dann glücklich sein?"

In schwungvoller, grafischer Eleganz inszeniert der Rieder Verlag auf dem Cover nichts als den Titel des Buches: "Überall & Nirgends". Das Inhaltsverzeichnis verlangt vom Betrachter, in einer ersten Drehung des Buches, gleich den etwas anderen Blick auf das, was wir so gern verdrängen. Die Präsenz des Todes. Was wäre ein Leben ohne den Tod? Langweilig. Na also. Der Tod gehört dazu. Jeder kennt ihn. Irgendwann, irgendwo stirbt immer ein Lebewesen. Der Tod macht traurig, aber auch neugierig. Mal begreift man ihn besser mit Albernheit und mal trägt er die Erinnerung. Durch ihn können sich neue Möglichkeiten eröffnen. Trägt Omas Mantel noch ihren Fingerabdruck? So mancher trägt sein Erbe im Gesicht. Die Worte von Bette Westera verhandeln das Sterben, erzählen von Begräbnisritualen, lassen Raum für Trauer sowie Erinnerung. Lasst uns darüber reden, wie wir auch über das Leben sprechen. Der Tod ist ganz normal. "Doodgewoon", das Wort des Originaltitels bezeichnet im Niederländischen auch das Stinknormale. Und danach? Ist noch lange nicht Schluss. Es gibt den Glauben nach dem Tod, das Jenseits, und wohl auch ein Davorseits? Trägt der Tod eigentlich einen Namen? Gevatter Hein, der Weidenmann? Nur kurz möchte das vorwitzige Kind einmal auf seinem Schoß Probesitzen. Ist das verwunderlich? Bette Westera und Sylvia Weve arbeiten nicht zum ersten Mal zusammen. Die Form für dieses Projekt haben sie gemeinsam entwickelt. Bette Westera inszeniert den Tod lyrisch verlockend von all seinen ungeahnten Seiten. Sylvia Weves´ Illustrationen spielen mit Seiten und Halbseiten. So kann sie jedes Bild zweimal benutzen, ihnen ein zweites Gesicht geben, einen anderen Ton, eine gegensätzliche Stimmung. Die Bilder und Gedichte, dazu ein gut erklärender Anhang, laden zum Experimentieren, Erzählen und Nachspüren ein. Das Buch verwebt Leben und Tod, wie es das verschlungene "&" auf dem Cover prophezeit. Der Tod wird hier zu einem kunstvollen Fest. Es lässt ihn mit Genuss greifen und begreifen.

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017, Bilderbuch

Isabel Minhós Martins, Bernado P. Carvalho: Hier kommt keiner durch, Klett Kinderbuch 2016 € 13,95

Liebe Leute, wiegt das Buch in der Hand! Schwer neigt sich die Buch-Linke unter der Last seiner 61 Figuren. Spaziergänger, Schaulustige, Gespenst und Rotkäppchen. Ein Astronaut mit Atemnot. Alien Emil Theodor ohne Telefon. Wollt ihr noch mehr Namen wissen? Ihr findet sie auf dem Vorsatzpapier. Dicht drängeln sie sich an der Grenze, dem Buchfalz. Der Bestimmer fordert die Bild-Rechte für sich allein und hat einen Aufpasser positioniert. Hier wäre die Geschichte zu Ende, wenn nicht ein roter Ball auf jene Seite hüpfen würde und dem Aufpasser eine Entscheidung abringt. Das großartige Spiel in Bild und Buch zelebriert die Geschichte, wie es nur ein Buch bieten kann.

Löwenseepferdchen ahoi!

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Martin Baltscheit: Die Geschichte vom Löwen, der nicht schwimmen konnte, Beltz&Gelberg 2016 € 13,95

"Er wäscht sich zuweilen den Hals und die Mähne, geschwommen wird nie: Das ist was für Schwäne!" Zitat: Baltscheit, Die Geschichte vom Löwen
Wir kennen ihn ja schon, diesen liebenswerten König der Tiere mit seinen vielen Unzulänglichkeiten. Nichts lässt er sich sagen. Von niemandem. Als der Löwin jedoch, mit rosa Liebesbrille liegt sie unter dem Baum auf einer Insel und liest, das Wasser bis zum Hals steht, ist sein Heldenmut gefragt. Er muss sie retten. Nur wie soll er die reißenden Fluten überwinden? Da stürzt er sich, alle guten Ratschläge der Tiere vereinend, in die Fluten und schaftt es mit knapper Not auf die Insel und in einem Wettkampf mit der Löwin wieder an Land. Was?! Die Frau kann schwimmen? Mal wieder schafftsie es, ihrem Gemahl ganz sanft und mit Hilfe eines kleinen Tricks, etwas beizubringen. Und sauber ist er jetzt auch noch und duftet wie ein Blumenmeer. Der Sommer kann kommen. In rasanten, musikalischen Reimen und mit wunderbarem Augenzwinkern schafft es Baltscheit wieder Zuhörspaß und Vorlesegenuss gleichermaßen zu sorgen.

Der Fremde

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Charlotte Habersack, SaBine Büchner: Der schaurige Schusch, Ravensburger Verlag 2016 € 12,99

Auf dem Dogglspitz, von Nebel umgeben soweit das Auge reicht, lebte abgeschieden von der Welt eine eigeschworene, tierische Gemeinschaft: das Huhn mit keckem Tirolerhut, der Hirsch in stattlicher Lederhose, eine Gams, ein Murmeltier und ein neugieriger Partyhase. Sie wussten nichts genaues, hatten dafür aber umso mehr gehört, über den Schusch, und eine blühende Fantasie. Kaum hatten es sich die Tiere versehen, war der Schusch auch schon da, durchkreuzte ihre Pläne der Missachtung und lud alle zu einer Einweihungparty ein. Natürlich wollte keiner. Nur der der Partyhase konnte einfach nicht widerstehen. Die Tiere  befürchten das Schlimmste. Einweihungsparty mit Hasenbraten. Doch weit gefehlt....In diesem Bilderbuch erzählen Text und Bild auf den Punkt. Das  aktuelle Thema des Fremdseins, die mit dem Fremden einhergehenden Ängste, überspielt in großspurigen Vorurteilen und die mutige, neugierige Annäherung, die es überall in der Welt braucht, auch auf der Dogglspitze, verpackt die Münchner Autorin Charlotte Habersack in einen rasant genialen Text, der immer wieder laut Lachen lässt. Einer muss eben den Anfang machen und dann kann die Party so richtig losgehen. Große Vorleser und kleine Betrachter werden rundum ihre Freude haben.

Mit Fantasie gegen Einsamkeit

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016, Bilderbuch

Edward van de Vendel, Der Hund, den Nino nicht hatte, Bohem Verlag 2015 € 14,95

Mit großen, unglaublichen Bildern und wenigen präzisen Sätzen, wird die Geschichte von Nino erzählt. Nino ist einsam, denn sein Vater ist weit weg. "Der Hund den Nino nicht hatte" ist sein imaginärer treuer Freund. Er spielt mit Nino und tröstet ihn, wenn er weinen muss. Die Geschichte zeigt, wie Nino es schafft,  mit seiner Vorstellungskraft seiner Einsamkeit entgegen zu wirken. Während der Text Fantasie und Realität klar auseinander hält, vereinen sich diese im Bild zu einem beeindruckenden Werk für das kindliche und Erwachsene Auge. Emotional, ein wenig düster und traurig, aber auch fantasievoll und glücklich, bleibt dieses einzigartige Bilderbuch lange in Erinnerung.

Allein zur Oma

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016, Bilderbuch

Marianne Dubuc, Bus fahren, Beltz&Gelberg 2015 € 13,95

In diesem lebendigen, mit einfachen Buntstiften gezeichneten Bilderbuch geht es um ein braunhaariges Mädchen mit roter Jacke. Es fährt allein mit dem Bus, um seiner Oma Kekse im Korb zu bringen. Könnte es Rotkäppchen sein? Die Jacke steckt es schnell in seinen Korb. An jeder Haltestelle entdeckt Clara Neues und macht Bekanntschaften mit Mitreisenden, übersteht Gefahren und erlebt kleine Abenteuer. Nur das Faultier verschläft die ganze Reise. Mir hat das Buch sehr gefallen, weil es mit Humor den kindlichen Entdeckergeist beflügelt. Am besten liest sich das Buch im Bus.

Im Wandel der Zeit

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Ann-Margot Ramsteine & Matthias Aregui: Vorher Nachher, Jacoby und Stuart 2016 € 19,95

Der Wandel im Fluss der Zeit. Ein Berg, eine Stadt und ein Biotop sind die immer wiederkehrenden Schauplätze eines gekonnten Spiels mit Zusammenhängen und Nebeneinander. Ein Kartenspiel, ein Kartenhaus, Backsteine, eine Steinmauer. Eine Steinschleuder und ein Blick aus dem Fenster. Zerborstes Glas. Eine Kanone. Ein Loch in der Mauer. Über viele Bilder hinweg lassen sich Geschichten finden. Im Detail oder im großen Ganzen. Vorher -nachher: Huhn oder Ei dürfen nicht fehlen. Wiederkehrende Schauplätze lassen den Betrachter zurückblättern und noch einmal von vorne beginnen. Einmal aufgeklappt lässt das Buch nicht wieder los. Geschichten und Bilder von schlichter Schönheit und zartem Farbenspiel.

Ruth Feile: Bilder mit Nadel und Faden

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Die Bilder ihrer Bilderbücher sind aus Stoff. Bis zum 12.2.2016 kann man die Originale im Buchpalast bestaunen und befühlen! Als Ruth Feile bei uns zu Gast war, flogen die Stofffetzen, denn jedes Kind durfte sich mit aufbügelbaren Stoffmotiven rund um Rosi und Butz eine eigene Tasche gestalten. Dank des fleißigen Einsatzes einiger Bücherfresser wurden an den Bügelstationen keine Finger mit angebügelt und manche Taschen bekamen noch Knöpfe und Borten. Geschichten, Bücher und Stoffe harmonierten wunderbar und am Ende ging es mit gefülltem Beutel heim. Ein herzliches Dankeschön an Ruth Feile, die für die gute Laune im Gewusel unserer kleinen Gemächer sorgte, für das üppige Bastelmaterial und die tollen Ideen, was sich alles daraus zaubern lässt.

Winter Wunder Buch

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Kim Sang-Keun, Wenn du Sorgen hast, rolle einen Schneeball, Beltz&Gelberg 2015€ 12,95

Den größten Schneeball aller Zeiten rollt der kleine Maulwurf mit seinen dicken Fäustlingen, gedankenverloren, denn ihn plagen die Sorge, wie man im Winter wohl Freunde gewinnt. Dabei passiert es: schwupp, schwupp, schwupp. Mögliche Kandidaten werden mitgerollt und bald ragen hier ein paar Ohren, Füße, eine dicke Nase mit Hauern und ein Arm aus der riesigen Kugel, dem unüberschaubaren Schneefeld, auf dem ganz oben, der eifrige Schneeballroller thront. Genau da hört er ein schwaches Stimmchen und beginnt mit Imbrunst zu graben. Ein wunderbares Schneeabenteuer in großartiger Überdimensioniertheit, verrückten Ideen und haarigem Strich. Ein Winter-Wunder-Buch.

Wohliger Sprachteppich Heimat

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Irena Kobald, Freya Blackwood, Zuhause kann überall sein, Knesebeck Verlag 2015 € 12,95

Sprache ist mehr als nur ein Werkzeug der Verständigung. Sprache bildet einen wohligen Teppich, in den man sich einkuscheln kann und sich zuhause fühlt. Dieses Bilderbuch bietet einen Anlass für Fragen und Gespräche zum Umgang mit Flüchtlingen oder Fremden und ihren und unseren Gefühlen. Das Fremdsein wird mit zarter, aber auch eindringlicher Empfindsamkeit thematisiert. Es motiviert zum Helfen und zeigt, dass Kinder mit Neuem erstaunlich selbstverständlich umgehen können.

 

Bunter Kinderalltag

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Tanja Székessy 3 Kinder und ein Tag, Klett-Kinderbuch 2015 € 14,95

Die Farbe in diesem Buch ist  das wildes Gekrakel auf allen Bildern, der große Schwung, das Toben und Streiten, das Lachen, Weinen und Träumen. Viele Gefühle, die Kinder schon gleich mit dem Aufstehen entwickeln. Geschwisteralltag bei dem immer alles gleichzeitig passiert und doch nie so richtig zusammen. 1 Kind tut dies, 1 Kind tut das und 3 hatten es zuerst. Nach dem Gang durchs Treppenhaus sind alle wach, der Älteste mag es den ganzen Tag am liebsten barfuss. Kindergarten, Schule, Spielplatz, Unfall, Krankhaus und endlich ist es wieder Schlafenszeit. Der ganz normale Wahnsinn, wenn man Kinder etwas Raum gibt, die Welt zu erfahren. Der Text bleibt sparsam und fordert zum Selbstentdecken auf. Vielleicht auch zum Diskutieren, ob alles, was hier passiert wirklich Spaß macht. Die Gesichter der Kinder, ihre Emotionen sind so vielschichtig, wie selten in einem Bilderbuch. Da gibt es viele Gesprächanlässe und man darf gespannt sein, wie Kinder, wenn sie von außen schauen, diese Welt empfinden.

Trotzphase

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Kai Lüftner, Der Gewitterritter, Klett-Kinderbuch 2015 € 13,95

In Geschwindigkeit und Intensität eines Sommergewitter gestalten sich die Emotionen dieses kleinen Kindes. Derweil sich in der oberen Hälfte des Buches das Unwetter zusammenbraut und entlädt, kann man am unteren Rand die Veränderung sehen, die im Kind vorgeht. Der Gefühls- und Wetterdurchzug ist in Reimen äußerst geräuschvoll inszeniert. Der Ritter kommt und er geht, fast unerwartet, ganz einfach, nachdem er sich ausgetobt hat. Eine stimmige Idee der Gefühlsinzenierung, die man wohl nicht verhindern kann, aber vielleicht kann man darüber schmunzeln, im Nachhinein.