Arabischer Kampf in Westafrika: Dschihadisten gegen Sufismus

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Stephen Davies, Blood & Ink. Die Bücher von Timbuktu, Aladin 2016 € 14,95

Westafrika, Timbuktu 2012: Dschihadisten und Tuareg Rebellen erobern die Stadt. Im Namen Gottes zerstören sie Cafés und Bars, verbieten Musik, zwingen Frauen ab zehn den Schleier zu tragen und schänden die Mausoleen berühmter Gelehrter und Heiliger. Ali (16) ist einer von ihnen, überzeugt mit der Einführung der Scharia als strenger Verteidiger des Glaubens Gott zu dienen. Zu sehr ist er mit sich und seiner Radikalisierung beschäftigt, um die Machtspiele seiner Führer zu durchschauen. Kadija (15) lebt in der Stadt. Ihr Vater wacht stolz über alte Handschriften, für die Timbuktu berühmt ist. Sie und ihre Familie leben den Sufismus, eine anderen Strömung des Islams. Entlang von wahren Begebenheiten strickt der Autor Stephen Davis seinen Roman. Lebensnah und actionreich zieht den Leser gekonnt zwischen die Glaubensfronten. 13 Jahre hat er selbst in Westafrika gelebt. Den Leser berührt der Irrsinn, welcher jeglichem Kampf und aller Zerstörung innewohnt. Kleine Textpassagen großer arabischer Gelehrter nehmen im Geiste den Kampf mit der Kalaschnikow auf. Die Siege Alis und der Dschihadisten schmecken schal. Von den märchenhaften Manuskripten möchte man mehr. Glücklicherweise verhindern zumindest in dieser Geschichte die verwirrenden Gefühle erster Verliebtheit ihren Verlust. Dem Autor gelingt es einen kleine Einblick in den vielfältigen arabischen Kosmos zu schaffen. Er dokumentiert aktuelle politische Ereignisse und macht Lust darauf, sich mehr damit zu beschäftigen.

Tieren in die Augen schauen

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Katie Cotton: Löwen zählen, Verlag Freies Geistesleben 2016 € 19,90

Der Löwe auf dem Cover hat magische Anziehungskraft. Man schaut ihm tief in die Augen, gefangen von seinem milden Blick, der doch keine Widerworte duldet. Jedes Haar seiner Mähne ist mit Akrbie gezeichnet, einer schwarzweiß Fotografie auf den flüchtigen Blick täuschend ähnlich. Auf einen Löwen folgen zwei Affen und drei Giraffen, drei Tigerbabys schmiegen sich an ihre Mutter. Vier also. Doch der familiäre Schein trügt. Der Tiger und die Gorillas oder äthiopischen Wölfe zählen zu den stark gefährdeten Tierarten. Nur 500 dieser drahtigen Wölfe leben noch in freier Wildbahn. Sie sind vom Aussterben bedroht. So ist dies nicht nur ein beeindruckendes Zähl- und Tierbuch für Kinder. Neben dem poetischen Sprachgenuss bietet es nachdenkliches und Erzählenswertes über diese Fliehenden und Reisenden, Kämpfer und Wanderer, die Unzertrennlichen und nicht zuletzt den König der Tiere.

 

Afrikanische Sonne

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Foto: Lutz van Dijk (rechts) im Gespräch mit den Bücherfressern)

Lutz van Dijk, Afrika. Die Geschichte eines bunten Kontinents, Peter Hammer Verlag 2015

Wie bitte? - Sie wollten grad kein Buch über Afrika kaufen? Ein Kontinent auf dem heute über eine Milliarde Menschen leben, die Hälfte davon jünger als 18 Jahre. In diesem Buch brodelt Afrika vor Energie. Die Menschen sind voll jugendlicher Träume, Hoffnungen, aber auch Verzweiflung. Das Layout strahlt und entgegen. Der Text leuchtet durch den Originalton vieler Menschen, die van Dijk zu Wort kommen lässt. Von der ersten Seite an eine spannende Lektüre. Diese afrikanische Sonne wird alle bereichern.

Fussballplatz und Fremdenhass

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Lutz van Dijk, Romeo und Jabulile, Peter Hammer Verlag 2010 € 12,90

Seit der Wahl Mandelas zum ersten demokratischen Präsidenten erfährt Südafrika ein große Einwanderungswelle, die den Rassenhass schürt. Die Gewalt gegen Ausländer machte 2008 auch vor dem Township Masipumelele nicht halt. Als Jabulile sich in Romeo, einen Flüchtlngsjungen aus Simbabwe verliebt, muss sie den Hass ihres Bruders fürchten. Doch das schreckt die kämpferische Jabulile, der Star der Mädchen Fussballmannschaft, nicht. Das sparsame Setting und die knappe Sprache Lutz van Djiks entbehrt nichts. Schon im ersten Kapitel wird klar was wir, egal wo wir herkommen und leben, gemein haben, was uns trennt und was wir voneinander lernen könnten, wenn wir uns mehr Mühe geben würden. Kurzweilig erzählt das Buch von Politik und Gesellschaft in einem fernen Land und von dem Hass und der Liebe, die wohl jeder kennt. 

Straßenkinder

Maloni, niemand

Mbu Maloni, Niemand wird mich töten, Peter Hammer Verlag 2011 € 12,90

Sauberes Trinkwasser, nie Hunger zu leiden, die Liebe der Eltern, ein warmes Bett - das ist unser Alltag. Wir sehen es als selbstverständlich an, doch all das kennt der 17-jährige Mbu Maloni nicht. Er wächst in den Townships Südafrikas auf. Schon früh lernt er, auf sich selbst aufzupassen und wird in seiner Kindheit meist von seinem Bruder versorgt, da die Mutter trinkt und oft tagelang weg ist. Die Brüder müssen oft Hunger und Durst leiden. Als Mbu sechs Jahre alt ist muss er mit seiner Mutter in eine fremde Stadt ziehen. Sein Bruder bleibt bei einer Frau zurück, die Kinder aufnimmt. In dem neuen Township Masiphumelele ist Mbu glücklich. Er darf zur Schule gehen, seine Mutter trinkt nicht mehr und hat einem Job. Doch als ihr gekündigt wird ändert sich alles. Mbu muss allein zurück zu seinem Bruder nach Masizakhe und dort ebenfalls bei der Frau wohnen. Nach fünf Jahren in Masizakhe will er seine Mutter wieder sehen und zieht zurück nach Masiphumelele. Seine Mutter hat nun einen Mann und ein Kind. In Masiphumelele findet er zwei guten Freunde: Ati und Yamkela. Er schlägt sich durch, lebt mit Ati in einem Wohnwagen und isst ab und zu bei Yamkela. Als Mbu 15 Jahre alt ist, stirbt sein Bruder an Tuberkulose.Doch dann passiert endlich etwas Gutes in seinem Leben, er lernt das Projekt HOKISA kennen.

Im Township daheim

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Foto: Lutz van Dijk (rechts) im Gespräch mit den Bücherfressern

Lutz van Dijk, African Kids, Peter Hammer Verlag 2012 € 22.-

"Schon mal gehört was ein Township ist?" fragt der 11-jährige und schaut dabei forsch in die Kamera.

Ist man neugierig wie er und blättert weiter durch die hundert Bilder des Buches, spiegeln sich in den Kindergesichtern viele Gefühle: Spaß, Neugier und Hoffnung, Traurigkeit und Ernst, aber auch Stolz und Selbstbewusstsein. Das Kinderhaus, in dem Sive aufwächst, liegt in Masiphumelele, einem kleineren Township südlich von Kapstadt. Sive ist ein Kind der ersten Stunde. Er wurde von seiner jungen Mutter schon vor der Fertigstellung des Hauses bei Bauarbeitern abgegeben. Seine Überlebenschancen standen damals 50:50. Heute ist er elf und führt die Leser durch seine Welt. Fotos machen das Leben in den dicht gedrängten Verschlägen aus Blech, Holz und Müll lebendig. Sive berichtet von verheerenden Feuern und dem Wiederaufbau der Hütten, von seiner Schule und dem Zauber des Lesenkönnens, seinem Alltag und nicht zuletzt von Aids. Ein Leben mit den Folgen dieser Krankheit vereint die Kinder im Kinderhaus, welches von der Stiftung HOKISA (Homes for Kids in South Africa) getragen wird.Schlimmer als der tägliche Medikamentencocktail gegen die Ausbreitung des HI-Virus im Körper, sind für alle Kinder die Leerstellen, die der Verlust von Eltern und Familie hinterlässt. „Wer ist meine Mama? Lebt sie noch?“ und „Weißt du, was das ist - sterben?“ sind Fragen, auf die Lutz van Dijk und die Erzieher immer wieder eine ehrliche Antwort finden müssen.

Herzkrank in Afrika

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Xavier-Laurent Petit, Mein kleines dummes Herz, Dressler 2014 €

Sisanda lebt mit ihrer Mutter Swala in ärmlichen Verhältnissen in Afrika. Da Sisanda eine schlimme Herzkrankheit hat und nur eine teure Operation ihr helfen kann, läuft Swala bei einem Marathon mit hohem Preisgeld mit. Sisanda ist sich sicher: Ihre Mutter wird gewinnen. Ich fand die Geschichte schön, weil es eine Mischung aus rührend und spannend ist.

Der Junge und der Elefant

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Rachel Campbell-Johnston, Der Junge und der Elefant, Aladin Verlag 2014 € 16,90

Das Buch ist sehr gut aus der Ich-Perspektive geschrieben. Es geht um einen Jungen und einen Elefanten, die sich von klein auf kennen und eine besondere Beziehung haben. Doch eines Tages wird der Junge von Rebellen entführt. Das Ende ist so spannend, dass man dies nicht verraten kann.
Als Wilderer in der Nähe des Dorfes Jambula eine Elefantenkuh umbringen, findet Bat ihr verwaistes Junges. Während er es großzieht verbreitet eine Rebellenarmee aus Kindersoldaten Angst und Schrecken. Mit der Entführung von Bat und seiner Freundin Muka beginnt eine schwere Zeit für die Kinder. Während sie zu Soldaten ausgebildet werden, haben sie noch immer Hoffnung… Clara, 13 Jahre

Rettung für Bonobs

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Eliot Schrefer, Dunkelrote Erde, Aladin Verlag 2014 € 16,99

In diesem realen Buch geht es um die Bonobos und die politische Situation im Kongo. Sophies Eltern sind getrennt. Ihre Mutter leitet ein Bonobo-Reservat im Kongo und ihr Vater lebt in Amerika. Während Sophies Sommerferien im Kongo wird ein Attentat auf den Präsidenten verübt. Danach läuft die politische Situation komplett aus dem Ruder, weshalb Sophie sich in den Dschungel flüchtet. Mir  hat das Buch gut gefallen, weil es ein interessantes Thema ist und Sophie immer einen Halt hat: Otto, einen kleinen Bonobo.
Es ist spannend, grausam aber nicht zu brutal. Insgesamt ist es schön geschrieben. Ich mag, dass es um Tiere geht. Manchmal ist es auch traurig. Helene, 11 Jahre

 

Leben in Swasiland

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Kirsten Boie, Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen, Oetinger Verlag 2013 € 12,95

In ihrem neuen Buch „Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen“ schildert Kirsten Boie die Lebensgeschichten von verschiedenen Kindern aus Swasiland, die alle schnell erwachsen werden mussten, weil sie ihre Eltern durch AIDS verloren haben. Durch die Kürze der Geschichten kann nicht ganz so genau auf die Charaktere der einzelnen Kinder eingegangen werden, aber man erkennt trotzdem die wichtigsten Charakterzüge, vor allem dadurch, wie wer mit der jeweiligen Situation umgeht. Alle Kinder haben meist keine Idee davon, dass sie auch ein besseres Leben haben könnten. Sie alle kümmern sich, wie selbstverständlich, um jüngere Geschwister und Großeltern und haben viel Verantwortung. Kirsten Boie ist nach Swasiland gereist und hat verschiedene Familien besucht, die Kinder gibt es alle wirklich, genauso wie die etwaigen Lebensumstände, nur die Geschichten sind manchmal erfunden. Jede einzelne Geschichte hat eine etwas andere Sprache, bei der ersten Geschichte wird zum Beispiel bewusst vermieden, dass das Subjekt am Anfang steht, dadurch wird man gezwungen langsamer und genauer zu lesen. Außerdem werden wichtige Dinge wie eine Formel öfters wiederholt, das ist poetisch und hinterlässt einen noch tieferen Eindruck. An sich sind die Geschichten erschreckend, man weiß einfach nicht so viel über Swasiland, in dem die meisten Menschen mit HIV infiziert sind. Die Landschaften und Orte sind nicht sehr viel beschrieben, aber in jeder Geschichte ein bisschen, sodass man es sich trotzdem vorstellen kann. Die Farben des Covers finde ich zwar nicht sonderlich schön, aber eigentlich passen sie ganz gut zu Afrika. Gut gefällt mir, dass der Titel „Es gibt Dinge, die kann man nicht erzählen“ an der Stelle vom Mund steht. Mich würde interessieren, für welches Alter dieses Buch gedacht ist, da Kirsten Boie zwar sehr feinfühlig schreibt, aber die Geschichten an sich sind traurig und erschütternd.