Ruhig und kraftvoll

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Colm Toibin: Nora Webster, Hanser 2016, € 26,00

Nach dem viel zu frühen Tod ihres Mannes muss Nora sich neu finden. Sie lebt in einer irischen Kleinstadt in den 60er Jahren, jeder kennt jeden und es gibt Regeln über Regeln, wie "man" sich zu verhalten habe. Nora ist eine unauffällige Rebellin und wird sich Stück für Stück aus der inneren und äußeren Enge befreien.Colm Toibin beschreibt ruhig und glaubwürdig Noras Leben, mit ihren zwei Söhnen zuhause, zwei fast erwachsenen Töchtern, der neu aufgenommenen Arbeit, den vielen Gedanken und Fragen, die sie umtreiben. Die Musik wird ihr helfen, eine eigene Welt zu entdecken, die sie den Alltag selbstbewusster und freier erleben lässt. Ein schön zu lesender Roman über eine Frau, die gleich meine Sympathie hatte und mir ans Herz gewachsen ist.
 

Ist Zeit messbar?

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Christoph Ransmayr: Cox oder der Lauf der Zeit, Fischer, 22,00 €

Der Roman " Cox oder der Lauf der Zeit" von Christoph Ransmayr ist ein literarisches Meisterwerk, das den Leser in die Mitte des 18. Jahrhunderts führt. Der Londoner Uhrmacher und Automatenbauer Cox folgt mit drei seiner Gehilfen dem Ruf des chinesischen Kaisers Quiánlóng nach Beijing. Die Aufträge des Kaisers verlangen die künstlerische und mechanische Umsetzung philosophischer Gedanken: So entsteht die Winduhr, um das Zeitempfinden eines Kindes zu zeigen oder sie Glutuhr, die die endende Lebenszeit eines Menschen veranschaulicht. Der Wunsch nach einer zeitlosen Uhr, die auch das Zufällige in sich birgt und die Ewigkeit messen soll, stellt die größte Herausforderung dar. Geradezu märchenhaft entsteht ein Bild des alten Chinas, in dem Prunk und Schönheit neben Willkür und Grausamkeit zu finden sind, beherrscht von einem als allmächtig anerkannten Kaiser. Ein besonderes, reiches, bildgewaltiges und nachdenkliches Buch, dem der Fischer Verlag ein edles Äußeres gegeben hat.

Anderes wäre möglich

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Carolin Emcke: Gegen den Hass, s. Fischer 2016 € 20.-

"Hass und Gewalt nicht allein zu verurteilen, sondern in ihrer Funktionsweise zu betrachten, heißt immer auch zu zeigen, wo etwas anderes möglich gewesen wäre..." Zitat aus: Emcke, Gegen den Hass
Mauern und Zäune, Ausgrenzung und Hass, ein "Wir, die Gleichen" getrennt vom "Anderen, dem Fremden" ist bis in die Mitte unserer Gesellschaft, wieder salonfähig geworden. Wie kommt es, dass populistische und rechtsextreme Sichtweisen erneut so Fuß fassen können? Wie schaffen es Menschen, das angsteinflößende Monströse und gleichermaßen die Unsichtbarkeit von Individuen, zwei gegenläufige Pole, die der Hass bedarf, für sich aufzubauen. Carolin Emcke, diesjährige Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels, analysiert mit Präzision gesellschaftliche Zustände. Ihre journalistisch knappen Gedankengänge bieten eine Fülle von Argumenten für Pluralität und Offenheit in unserer Gesellschaft. Ein starkes Plädoyer gegen die Angst und für eine lebendig Demokratie, die nur am Leben bleiben kann, wenn wir alle mutig und unbeirrt dazu beitragen, sie zu verteidigen.

Wohltuende Literatur

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J.L. Carr: Ein Monat auf dem Land, DuMont Verlag 2016 € 18,00

 

So wie der "Monat auf dem Land" in Nordengland dem jungen Erzähler wohltut, tut es das Buch dem Leser, der Leserin. In schöner und ganz natürlicher Sprache erzählt der Restaurator von seinem Auftrag, ein übertünchtes Fresko in einer Dorfkirche freizulegen. Es ist das Jahr 1920, der erste Weltkrieg hat Spuren in den Menschen hinterlassen, das ländliche, sommerliche Leben wirkt heilsam. Gesicht für Gesicht, Figur nach Figur befreit der Restaurator ein Meisterwerk des jüngsten Gerichts, erzählt von den besonderen Farben, dem Ausdruck der Figuren und seiner Faszination. Er schließt Bekanntschaften und Freundschaften in dem kleinen Ort und eine zarte heimliche Liebe wärmt ihn. Der Roman war 1980 für den Booker Preis nominiert und wurde nun endlich ins Deutsche übersetzt.

Gewissenhaft & Geistreich

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Lyndal Roper: Der Mensch Martin Luther, S. Fischer 2016 € 28.-

Zwei Reiseführer in die Reformation: Was hat Luther so standhaft gemacht? Woher nahm er seine Überzeugung? Wie stellte er sich seinen Zweifeln und Ängsten? Zehn Jahre umfassender Recherche gingen diesem Buch voraus, dass sich, in Nachwendezeiten, nicht nur dem süddeutschen Raum, sondern mit frischem Blick Luthers Leben und Wirken im ostdeutschen Raum zuwendet. Lyndall Roper, Spezialistin des ausgehenden Mittelalters in Deutschland, schaut Luther fast psychoanalytisch in die Seele und lässt ihre Leser tief in diese bewegten Zeiten zwischen Gottesfürchtigkeit, geistreicher Rebellion und Reflexion eintauchen. Eine fesselnde Biografie, ein großer Kulturführer für alle, die es ganz genau wissen wollen.
In spielerischer Leichtigkeit präsentieren Christian Nürnberger und Petra Gerster das große Ganze für Jung und Alt: den Marco Polo Reiseführer zur Schwelle der Neuzeit. Augenzwinkernd betrachten sie legendäre Ereignisse und verweisen auf die Synergien zwischen Luthers Schaffen und Gutenberg, Kolumbus und Kopernikus. Ergänzt um ein Kapitel über Katharina von Bora bietet der kurzweilige Text ein schnelles Update und experimentiert mit Parallelen und Fragen nach Lösungsansätzen zu unserer aktuellen gesellschaftlichen Lage. Katrin Rüger

Historisch und literarisch sensationell

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Francoise Frenkel: Nichts, um sein Haupt zu betten, Hanser Verlag 2016 € 22,00

1943 geschrieben und veröffentlicht, auf einem Flohmarkt in Nizza wiederentdeckt, 2015 in Frankreich neu aufgelegt und in diesem Jahr erstmals ins Deutsche übersetzt: Francoise Frenkel, eine junge polnische Jüdin, die in ihrer Begeisterung für die französische Literatur 1921 die erste französische Buchhandlung in Berlin eröffnete, erzählt von ihrem Leben. Ihrem erfolgreichen Engagement für die Literatur wird 1939 mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ein Ende gesetzt. Sie flieht nach Paris und von dort aus quer durch Frankreich bis nach Nizza. Hier erlebt sie sowohl die Nöte des Überlebens im besetzten Frankreich als auch die couragierte Hilfsbereitschaft in der französischen Bevölkerung. Der Leser folgt gebannt ihren Beobachtungen in Freiheit, im Versteck, auf der Flucht, im Gefängnis. Beim 3. Versuch wird ihr die illegale Überquerung der Grenze in die Schweiz gelingen, gleich danach hat Francoise Frenkel das vorliegende Buch verfasst. Ein außergewöhnliches Zeugnis, ein historisch und literarisch sensationeller Fund.

 

Literat trifft Philosoph

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M. Köhlmeier/ K. P. Liessmann, Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist, Adam? Hanser 2016 € 20,00

Das Buch trägt den Untertitel ´Mythologisch-philosophische Verführungen`, und das ganz zurecht. Denn mich hat allein der Titel neugierig gemacht und verführt, zu dem Buch zu greifen. Und damit wäre ich schon beim ersten Schlüsselbegriff, dessen sich die beiden Autoren annehmen: die Neugier. Während Michael Köhlmeier die biblische Geschichte vom Sündenfall im Paradies dem Leser noch einmal mit seinen Worten nahe bringt, philosophiert Konrad Paul Liessmann quasi über die Lust auf Neues, sich über Verbotenes hinwegzusetzen, angestachtelt von der Neugier. Aber - so sagt er - wer neugierig ist, muss mit allem rechnen, genau wie Adam und Eva im Paradies. Zwölf  Begriffe werden dem Leser auf diese Weise in fast spielerischen Form dargereicht, von Schicksal, Rache, Macht über Schönheit oder das Ich. In jedem Kapitel begegnet der Leser Mythen, Sagen, Märchen oder biblische Geschichten. Und kommt möglicherweise ins Staunen, wo sich die großen Lebensthemen darin verbergen. Dieses Buch ist eindeutig etwas für neugierige Entdecker.

Literarische Paarungen

tania schlie schreibende paare

Literarische Paarungen

Tania Schlie, Schreibende Paare, Thiele Verlag 2016 € 25,00

Wer kennt es nicht, das wohl berühmteste Literatenpaar Jean Paul Sartre und Simone de Beauvoir? Sie waren nie verheiratet, haben sich respektvoll gesiezt, lebten nie zusammen, waren ihre strengsten Kritiker und doch haben sie sich viele Jahre gegenseitig beflügelt. Das und vieles mehr erfährt man in Tania Schlies Buch über Sartre und Beauvoir in dem Kapitel ´Die Hälfte von... ein Leben lang`. Es ist nur ein Kapitel von sieben, in denen der Leser für einen kurzen Moment hinter die Fensterscheiben der berühmten Paare wie Martha Gellhorn und Ernest Hemingway, Ingeborg Bachmannn und Max Frisch oder Bettine und Achim von Arnim blicken darf. Dabei geht es der Autorin einzig um die Beweggründe ihres Miteinander im Bezug auf das Schreiben. Die interessante Kapitelzusammenstellung, das hervorragende Bildmaterial, die vielen kleinen Anekdoten und Hintergründe zu den großen Werke ihrer ausgewählten Paare machen dieses Buch zu einem einzigartigen Lesevergnügen. Was es für einen Schriftsteller bedeutet, nicht allein zu sein mit seinem Schaffen, welche Probleme es mit sich bringt, wie man sich reibt oder weitertreibt... darüber kann in diesem wunderbaren Buch nachgeblättert werden.

Zwei ungleiche Schwestern

kristin hannah die nachtigall

Zwei ungleiche Schwestern

Kristin Hannah, Die Nachtigall, Rütten & Loening Verlag 2016 € 19,99

Paris 1939. Die Geschichte zweier Schwestern in Frankreich zur Zeit der deutschen Besetzung bringt den Leser dazu, sich auf zwei ganz unterschiedliche Schicksale einzulassen. Während Vianne am liebsten die Augen  vor der Realität verschließen möchte, nicht wahrhaben möchte, dass ihre jüdische Freundin eines Tages nicht mehr an der Schule unterrichten darf, und sich notgedrungen damit abfinden muss, auch in ihrem Haus ein deutscher Offizier leben wird, will sich ihre Schwester Isabelle nicht mit der Lage Frankreichs abfinden und geht in die Résistance. Beiden Schwestern wird im Laufe der Zeit mehr abverlangt, als sie es jemals für möglich gehalten hätten. Das Buch ´Die Nachtigall` steht stellvertretend für das Schicksal vieler französischer Frauen und nimmt einen mit auf eine lange Lesereise. 

Die Angst geht um

frank goldammer der angstmann

Frank Goldammer, Der Angstmann, dtv Verlag 2016 € 15,90

Max Heller ist ein grundsolider Kriminalinspektor, der nur seine Arbeit machen will. Und das mitten in Dresden, kurz vor Ende des 2. Weltkrieges, während die Russen bereits im Vormarsch sind und die Menschen kurz vor dem Verzeifeln, sich gegenseitig Denunzieren und Resignieren sind. Ein psychopathischer Sereinmörder, der Frauen bei lebendigem Leib die Haut abzieht, lässt Max Heller nicht kalt. Er bemüht sich, seine Arbeit trotz der widrigen Umstände, trotz eines überzeugten SS-Anhängers als Chef, der seine Aufklärungen sabotiert, und trotz Hunger und Ängsten so gut wie möglich zu machen. Als er und seine Frau Karin mitten in der großen Bombadierungsnacht, in der Dresden dem Erdboden gleichgemacht wird, mit dem Leben gerade so davon kommt, verliert er zwar seinen Job, den Mörder aber nicht aus den Augen, denn er treibt weiter sein Unwesen... Ich finde die Atmosphäre bedrückend gut in dem Buch, die Kriegsszenerien gehen unter die Haut, die Schicksale der Menschen werden von allen Seiten beleuchtet, von denen, die einfach nur Opfer waren, den Agitatoren, und solchen, die die Augen verschlossen hatten. Ein gelungener historisch in den Jahren 1944/45 angesiedelter Krimi.

Für gemütliche Winterabende

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Peter Hartlieb: Ein Winter in Wien, Kindler 2016 € 16,95

1910 in Wien: Marie ist das neue Kindermädchen im Hause Arthur Schnitzlers. Der "Winter in Wien" erzählt eine vergnüglich zu lesende Geschichte, die sich an den Tagen vor Weihnachten ereignet. Der Leser wird sowohl in das Wien der damaligen Zeit hineinversetzt als auch in das Leben in einem großbürgerlichen Haushalt aus der Sicht der jungen Angestellten. Diese erzählt auch erinnernd ihre Herkunftsgeschichte in einfachen ländlichen Verhältnissen. Dass die Liebe Marie zum ersten Mal erwischt und sie Lustiges und geradezu dramatisch Spannendes mit den ihr anvertrauten Kindern erlebt, macht das Buch zu bester locker, leichter Unterhaltung.

Kluge Unterhaltung

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René Freund: Niemand weiß, wie spät es ist, Zsolnay Verlag 2016 € 20.-

Dieser Roman liest sich wie im Flug: gleich von der ersten Seite an begleitet der Leser Nora, eine chaotische, in Paris lebende junge Frau, die auf eine ungewöhnliche Reise geschickt wird. Ihr eben verstorbener Vater hat einen letzten Willen verfügt. Eine Wanderung in den Alpen, mit seiner Asche im Gepäck, für die er nicht nur die Etappen festgelegt hat, sondern auch Noras Begleiter: Bernhard, ein pedantischer Notariatsgehilfe. Das Aufeinandertreffen der verschiedenen Charaktere bietet viel Potential für Situationskomik und Sprachwitz. Gleichzeitig regt das Buch zum Nachdenken über zentrale Lebensthemen an und überrascht mit der Entwicklung der Geschichte. Kluge Unterhaltung!

Auf kreativer Jagd nach Inspiration

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Christoph Niemann: Sunday Sketching, Knesebeck 2016 € 34,95

Auf den ersten Blick ein Fotoapparat, auf den zweiten ein offenes Tintenfässchen, durch das der Betrachter die Welt sieht. Nichts könnte passender sein, für einen Band des Künstlers Christoph Niemann. Seine Striche lässt er flächig aus Pinseln oder punktgenau aus Stiften und Federn laufen, mal komponiert er Flächen dazu, einen Alltagsgegenstand.  In minmalistischer Sparsamkeit blickt Christoph Niemann mit seinen kunstfertigen Sketchen auf die Welt. Elf Jahre lebte er in New York, arbeitete für The New York Times Magazine, zeichnete dort die Kolumne abstractsunday  und gestaltete Cover für The New Yorker. Heute lebt der gebürtige Süddeutsche in Berlin. Sunday Sketching erzählt von seinem Leben, seiner Arbeit als Künstler, seinen Zweifeln, seiner Angst sich nicht immer wieder neu erfinden zu können. "Mit Kreativität kann man nicht effizient sein", sagt er. Es bedarf Raum für Fehler und gerade wenn es gut läuft, sollte man die Richtung wechseln. Und nicht zuletzt muss man immer wieder das Sehen üben und den Blick neu öffnen. Dieser Band umfasst Werke aus allen Epochen. Auf jeder Seite ein eigenständiges Kunstwerk und doch, in seiner Gesamtheit ein visuelles Seelenleben, das zu faszinieren und inspirieren vermag.

Spannend und einfühlsam

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Georg Elterlein: Sprache der Krähen, Picus Verlag 2016 € 22.-

Die Hauptfigur in diesem Buch, Leonard, führt ein Doppellleben: offiziell ist er Schlosser, bisher unentdeckt ist er ein hochkarätiger Dieb. Was dann passiert, will so gar nicht in sein Leben passen. Sein jüngerer Bruder, den er seit 20 Jahren nicht gesehen hat, ist mit seiner Frau tödlich verunglückt und hat einen 11-jährigen Sohn hinterlassen. Leonard ist der einzige Angehörige. Bei den Begegnungen mit seinem Neffen, der posttraumatisch verstummt ist, zeigen sich ganz unerwartete Facetten Leonards. Er hat großes Geschick im Umgang mit dem Jungen, dessen Gedanken er feinfühlig erspürt. Er übernimmt Verantwortung, als er noch gar nicht weiss, ob er das auch möchte und öffnet sich gleichzeitig der Erinnerung an seine eigene schwierige Vergangenheit. Die "Sprache der Krähen" -  Krähen spielen im Geschehen eine wichtige Rolle - ist ein vielschichtiger Roman mit gutem Spannungsbogen, der psychologisch einfühlsam sehr verschiedene Lebensthemen ausleuchtet.

 

 

 

Liebe mit Verfallsdatum

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Dorit Rabinyan: Wir sehen uns am Meer, Kiepenheuer & Witsch 2016 € 19,99

New York, Winter 2003: Während auf den Straßen der Schneesturm tobt, glühen die Herzen von Liat und Chilmi. Die in Tel Aviv geborene Liat studiert Übersetzung, Chilmi aus Ramallah hält seine Welt in Zeichnungen fest und arbeitet in der Kunstszene von New York gerade an seinen Durchbruch. Beide leben fern ihrer Heimat und doch in ihren Welten, Familien und Freundeskreisen. Sie verlieben sich ineinander und versuchen, nicht mutig aber doch bestimmt ihrem Herzen folgend, wider alle Regeln, ihre Beziehung auf- und auszubauen. Eine sinnliche Romeo und Julia Geschichte von politischer Aktualität, die in Israel einen Skandal hervorrief.

Reales und Fiktives rund um eine Palladio Villa

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Felix Kucher: Malcontenta, Picus Verlag 2016, € 24.-

Die Villa Malcontenta am Brentakanal, nahe Venedig gelegen und von Palladio erbaut, ist der Dreh- und Angelpunkt für drei männliche Figuren in diesem Roman. Battista Franco, der um 1560 die Fresken in der Villa malt und in einem Tagebuch von seinem Leben berichtet; Bertie Landsberg, Bankierssohn, der nach einem ausschweifendem Leben um 1912 die Villa erwirbt und dort seiner Sehnsucht nach Harmonie und Schönheit nachgeht; Said, Graffitikünstler und Flüchtling aus Lybien, der 2012 bei der Villa eine Chance bekommt.
Das Buch begeistert in seiner Vielseitigkeit durch die drei so unterschiedlichen Lebensläufe und gibt gleichzeitig Einblicke in das Leben bekannter Persönlichkeiten: Tizian, Michelangelo und Georgio Vasari als auch Matisse, Strawinsky, Cole Porter und viele weitere. Beste Unterhaltung für Italien - und Kunstliebhaber! Nach der Lektüre dieses Buches möchte man am liebsten gleich die Villa Malcontenta besuchen...

Eine gnadenlose Jagd

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Arne Dahl: Sieben Minus Eins, Piper Verlag €16,99

Ein neuer Serienauftakt des großen schwedischen Krimiautors Arne Dahl, der nach mehr verlangt. Kommissar Berger holt gleich i ersten Fall seine Vergangenheit ein. Ein Junge aus seiner Schulzeit, im Gesicht entstellt und klassisches Mobbingopfer aler Schüler, sucht die Nähe zu Sam und sein Vetrauen. Doch Sam verrät ihn eines Tages auch, geschockt von dessen Grausamkeiten. Aus dem Jungen wird ein psychopathischer Mann, der sich an all jenen rächen will, die ihn einst verspottet hatten. Und er lockt Sam Berger auf seine Spur, spielt ein Spielchen mit ihm, bis sie sich endlich gegenüber stehen... Ein gnadenloser Psychothriller.

 

Lyrik bis ans Lebensende

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"Wenn du niemals sterben könntest, würdest du dann glücklich sein?"

In schwungvoller, grafischer Eleganz inszeniert der Rieder Verlag auf dem Cover nichts als den Titel des Buches: "Überall & Nirgends". Das Inhaltsverzeichnis verlangt vom Betrachter, in einer ersten Drehung des Buches, gleich den etwas anderen Blick auf das, was wir so gern verdrängen. Die Präsenz des Todes. Was wäre ein Leben ohne den Tod? Langweilig. Na also. Der Tod gehört dazu. Jeder kennt ihn. Irgendwann, irgendwo stirbt immer ein Lebewesen. Der Tod macht traurig, aber auch neugierig. Mal begreift man ihn besser mit Albernheit und mal trägt er die Erinnerung. Durch ihn können sich neue Möglichkeiten eröffnen. Trägt Omas Mantel noch ihren Fingerabdruck? So mancher trägt sein Erbe im Gesicht. Die Worte von Bette Westera verhandeln das Sterben, erzählen von Begräbnisritualen, lassen Raum für Trauer sowie Erinnerung. Lasst uns darüber reden, wie wir auch über das Leben sprechen. Der Tod ist ganz normal. "Doodgewoon", das Wort des Originaltitels bezeichnet im Niederländischen auch das Stinknormale. Und danach? Ist noch lange nicht Schluss. Es gibt den Glauben nach dem Tod, das Jenseits, und wohl auch ein Davorseits? Trägt der Tod eigentlich einen Namen? Gevatter Hein, der Weidenmann? Nur kurz möchte das vorwitzige Kind einmal auf seinem Schoß Probesitzen. Ist das verwunderlich? Bette Westera und Sylvia Weve arbeiten nicht zum ersten Mal zusammen. Die Form für dieses Projekt haben sie gemeinsam entwickelt. Bette Westera inszeniert den Tod lyrisch verlockend von all seinen ungeahnten Seiten. Sylvia Weves´ Illustrationen spielen mit Seiten und Halbseiten. So kann sie jedes Bild zweimal benutzen, ihnen ein zweites Gesicht geben, einen anderen Ton, eine gegensätzliche Stimmung. Die Bilder und Gedichte, dazu ein gut erklärender Anhang, laden zum Experimentieren, Erzählen und Nachspüren ein. Das Buch verwebt Leben und Tod, wie es das verschlungene "&" auf dem Cover prophezeit. Der Tod wird hier zu einem kunstvollen Fest. Es lässt ihn mit Genuss greifen und begreifen.

Unbändige Sehnsucht nach Leben

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Alois Prinz: Ein lebendiges Feuer. Die Lebensgeschichte der Milena Jesenká, Beltz & Gelberg 2016 € 17,95

Ihre kurze Beziehung zu Kafka, die berühmten "Briefe an Milena" waren nur eine kleine, wenn auch wegweisende Station in Milena Jenenská Leben. Als Professorentochter 1896 in Prag geboren, genoß sie eine gute Schulbildung und entwickelte sich, meinungsstark und widerständig, dem antisemitschen, antikommunistischen und gutbürgerlichen Denken ihres Vaters und seiner Zeit zum Trotz, zur femme fatale. Später, in Wien, war sie in den Kaffeehäusern der Schriftsteller zu Hause, suchte unermüdlich nach Unabhängigkeit und sozialer Gerechtigkeit und nahm dafür eigene Armut in Kauf. Sie wurde zu einer anerkannten Journalistin und leidenschaftlichen Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime. "Entsetzlich klug", urteilte Kafka über sie. Mutig, standfest, leidenschaftlich und von verschwenderischer Hilfsbereitschaft schilderten Weggefährten ihr Wesen, das "Prinzip Milena", welches Prinz Kafkas Welt souverän gegenüber stellt. Das scheinbar unscheinbare Leben packt seine Leser mit voller Wucht. Alois Prinz lässt uns immer wieder von Neuem über das Wesen von Menschen staunen, denken und weinen. Milena Jensenká ist eine wunderbare Entdeckung.

 

 

 

Gute Laune Buch

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Karin Kalisa, Sungs Laden, H.C. Beck 2015, € 19,95
Mit Wärme und Witz erzählt dieser Roman von kleinen und größeren Wundern am Prenzlauer Berg: Ausgelöst durch eine Schulveranstaltung werden Interesse und Neugier für das Vietnamesische geweckt, das zu DDR – Zeiten nach Berlin kam. Es kommt zu ungeahnten Begegnungen und Aktionen und während die Protagonisten sich über sich selbst wundern schmunzelt der Leser. Mit leichter Hand erzählt Karin Kalisa von manchmal gar nicht leichten Lebenswegen und schenkt uns damit ein fesselndes Gute-Laune-Buch.

Berührend aktuell

Lagercrantz_Weihnachtskind

Rose Lagercrantz, Das Weihnachtskind, Moritz Verlag 2015 € 13,95

 
Ja klar, so muss es gewesen sein! An Weihnachen vor 2000 Jahren. Die Worte, die Rose Lagercrantz für ihre Weihnachtsgeschichte findet, sind von vollendeter Poesie und atemraubender Bodenhaftung. Kindlich klar ist ihre Logik, wenn sie der Frage nachgeht, warum wir heute noch jedes Jahr Weihnachten feiern. Das Wesentliche wie erschreckend alltägliche, aktuelle unseres Daseins im Blick wechselt der Text von ehrlichen, auch tröstlich schützenden Aspekten zu Worten, die zum Fragen und Denken auffordern. Auch dies war schon eine Flüchtlingsgeschichte, das wird hier wieder bewusst. Die Menschen haben eben nicht hören wollen, wenn es um das 6. Gebot ging. Welcher Religion man dabei angehört, spielt überhaupt keine Rolle. Jutta Bauers Illustrationen führen in aller Sparsamkeit ihres warmen Striches die Gedanken zum Text weiter. Sie fängt die Emotionen aller Beteiligten an dieser fernen Begebenheit ein. Mit verzückter Neugier halten die heiligen drei Könige das Kind, das Joseph später, männlich emanzipiert,  im Tragetuch über die sanften Wüstenhügel trägt. Dieses Buch ist zum Verlieben und so aktuell, dass man es wieder und wieder das ganze Jahr über lesen könnte.

Politischer Journalismus

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Umberto Eco, Nullnummer, Hanser Verlag, € 21,90

Zynisch erzählter Kriminalroman mit komödiantischen Einlagen im Umfeld des investigativen Journalismus Anfang der 90er Jahre in Italien. Sechs Redakteure machen sich an die Arbeit eine neue Zeitung aus dem Boden zu stampfen. In Nullnummern und Rückblicken üben sie sich mit journalistischem Handwerkszeug an der Wahrheitsrelation von Ereignissen für das Auge des Lesers. In Redaktionssitzungen taucht der Leser in italienische Enthüllungsgeschichten von Mussolinis Tod bis zur Gladio Affäre. Ein wenig Liebesgeschichte und Krimi darf natürlich nicht fehlen. Ein schmales Buch, ein sparsamerText, griffig auf den Punkt geschrieben.

Nimm dir Zeit

Safranski_Zeit

Rüdiger Safranski, Zeit, Hanser Verlag 2015, € 24,90

In Rüdiger Safranskis Buch über die Zeit lässt sich Vieles entdecken, dessen wir uns alle durchaus bewusst sind. Aber die Gedanken in Worte gefasst zu sehen, vor Augen gehalten zu bekommen, dass die Zeit etwas „mit uns macht“ , dass jeder Körper seiner „Eigenzeit“ folgt, oder sich zu fragen, was die Uhren wirklich messen? Die Zeit? Einen Zeitpunkt? Einen Ablauf? – das alles ist es wert, sich die Zeit zu nehmen und mehr als nur einen kurzen Blick in dieses wunderbare Buch zu werfen.

Besonders

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David Foenkinos, Charlotte, DVA 2015, € 17,99

Mit seinem Buch „Charlotte“ setzt David Foenkinos der Malerin Charlotte Salomon ein Denkmal. In rhythmischer, poetisch reduzierter Sprache erzählt er von ihrer Entwicklung zur ausdrucksstarken Malerin, die in ihrem 1939 – 1942 gemalten Bilderzyklus ihr ganzes Leben festgehalten hat. Faszinierend zu lesen! Das Buch ist eine bereichernde Begegnung mit Literatur, Kunst und einem viel zu kurzen Menschenleben. 

 

Schau auf die Welt

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Schau auf die Welt

Jenny Erpenbeck, Gehen, ging, gegangen, Knaus Verlag 2015, € 19,99

Vielschichtiger Roman, der die aktuelle Situation afrikanischer Flüchtlinge in Deutschland in Beziehung zur Gesetzgebung, klassischer Literatur und Deutscher Geschichte setzt. Erpenbeck schreibt über Weltanschauung, im buchstäblichen Sinne nimmt sie den Leser mit, die Welt anzuschauen. Wohltuend und mit Genuss, trotz brennenden Themen, die nach der Lektüre weniger lodern, denn man scheint sich näher gekommen. 

Gefährliche Energiekonzerne

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Eva Ladipo, Wende, Picus Verlag 2015, € 22,90

Der Titel des Buches ist Programm. In diesem Roman erfährt man sowohl über die Energiewende als auch über die politische Wende in Deutschland. Beides unter einen Hut zu bekommen, ist ein großes Unterfangen. Und so erfährt der Leser, dass Klimaschutz und Atomausstieg nicht zusammengehen, oder warum die Grünen dank geheimer Stasiunterlagen ihren großen Aufschwung in Hessen hatten. Aber der Leser blickt  auch in das ganz normale Leben einer kleinen ostdeutschen Stadt, der die Hauptfigur des Romans, Rene Hartenstein, entkommen ist. Er zählt zu denen, die ´es geschafft haben`. Ein ehrgeiziger Jurist, der just in dem Energiekonzern in Frankfurt gearbeitet hat, in dem auch ein Selbstmordopfer zu beklagen ist. Nur… daran glaubt Rene nicht. Und der Leser weiß, warum: Denn am Anfang des Buches steht ein brutaler Mord an dem frisch entlassenen Juristen Martin Jäger, der wohl zu viel wusste. 

Britischer Lesegenuss

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Jane Gardam, Ein untadeliger Mann, Hanser Verlag 2015, € 22,90

Jane Gardam erzählt lebhaft über die Zeit des British Empire mit ihrem Protagonisten Edward Feathers, einem „untadeligen Mann“: Vernünftig, erfolgreich, respekteinflößend erscheint er zunächst – bis er sich im Alter den Dämonen der Vergangenheit stellt. Geboren in Malaysia, drangsaliert in einer Pflegefamilie in Wales, später herzlich aufgenommen in der Familie des Schulfreundes, den 2. Weltkrieg erlebend und letztlich erfolgreich als Kronanwalt in Hongkong. Mitfühlend liest man dieses Buch in seiner wunderbaren Sprache, die aller Tragik zum Trotz auch komische Elemente hat.

Lady Afrika

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Paula McLain, Lady Africa, Aufbau Verlag 2015, € 19,95

Wer den Film „Jenseits von Afrika“ mochte, wird dieses Buch lieben! Eine Romanbiografie über Beryl Markham, die als kleines Kind 1906 nach British–Ostafrika kommt, dort sehr frei und naturnah aufwächst, was ihr ganzes Leben bestimmt.  Sie wird erfolgreiche Pferdetrainerin, lebt trotz zweier (unglücklicher) Ehen sehr selbstbestimmt und unabhängig, leidenschaftlich und mutig und wird 1936 als erste Frau den Atlantik überqueren. Gute, flüssig zu lesende Unterhaltung, die ein spannendes Stück Zeitgeschichte erzählt. 

Ein literarisches Fest

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Alain Claude Sulzer, Postskriptum, Galiani Verlag 2015, € 17,99

Sulzer erzählt in Momentaufnahmen, in perfekt arrangierten Zeitsprüngen und mit literarischer Raffinesse. Die Geburt des Künstler beginnt, als er den Tod seines Bruders zum Grauen der Mutter auf dem Wohnzimmerteppich nachspielt. Der sensible Junge wird später als Filmschauspieler den Erlkönig auf Vinyl einsprechen. Wir begegnen ihm in der mondänen Welt der Kurhotels des Engadins und in der Einsamkeit seines New Yorker Exils. Der damals unbekannte Visconti läd ihn noch einmal ein, in Rom die Rolle seines Lebens zu spielen. Bei der Premiere wird er gewahr, dass seine Szene am Ende komplett herausgeschnitten wurde. Zu jeder Szene und jeder Figur dieses Buches findet Sulzer sein schwingende Gegenstück. Ein literarisches Fest. 

Lieblingsbuch

Saucier_Leben

Jocelyne Saucier, Ein Leben mehr, Insel Verlag 2015, € 19,95

Ein Buch, das tief berührt, bereichert, zum Nachdenken anregt und unvergessen bleibt. In kurzen, knappen Sätzen erzählt Joselyne Saucier von dem Leben dreier Männer, die sich in die kanadischen Wälder zurückgezogen haben. Der Wunsch nach freiem, naturnahem, selbstbestimmtem Leben und Sterben leitet sie und es ist spannend zu beobachten, wie das Hinzukommen zweier Frauen dieses Leben verändert und erweitert. Ehrlich, einfühlsam und hoffnungsvoll über die großen Fragen des Lebens, des Alterns und der Liebe. Ein absolutes Lieblingsbuch! 

Japanische Ermittlungen

Boese_Absichten

Keigo Higashino, Böse Absichten, Klett-Cotta 2015, € 14,95

Böse Absichten hat der mäßig erfolgreiche Schriftsteller Osamu Nonoguchi, der anfangs als guter Freund des Mordopfers eingeführt wird. In seinen eigenen Aufzeichnungen stellt sich der Mord so dar, dass er nur zufällig und in besten Absichten am Tatort gewesen war. Doch der Ton des Buches ändert sich schlagartig, als die Überlegungen des Kommissar Kaga im nächsten Abschnitt folgen. Der hält Nonoguchi sehr schnell für seinen Hauptverdächtigen. Im Folgenden wechseln sich die beiden Erzählperspektiven immer wider ab, und der Kommissar und sein Verdächtiger liefern sich bis zuletzt ein psychologisch raffiniertes Duell. Beide Figuren sind absolut geniale Köpfe, die den Leser mit ihren Gedanken geradezu einfangen und nicht mehr loslassen.  

Höchstspannung

Bjork, Engelskalt

Samuel Björk, Engelskalt, Goldmann Verlag 2015, € 12,99

Ein Thriller für Hartgesottene. Hier kommt ein außergewöhnliches Team in Oslo zusammen, eine Spezialeinheit, die nach dem letzten Fall aufgelöst wurde. Kommissar Holger Munch und Mia Krüger, das Dreamteam schlechthin: Kommissar Munch, ein Arbeitstier, braucht jede Menge Zigarettenpausen und Spaziergänge zum Nachdenken und ist froh, endlich wieder gebraucht zu werden. Mia Krüger, eine geniale Profilerin, ist gerade im Begriff, ihren Selbstmord zu inszenieren, als Munch sie zum Einsatz bittet. Beide setzen sich mit ihren Teamkollegen auf die Spur  einer perfiden, aber nicht weniger genialen Serienmörderin, die nicht davor zurückschreckt, Holger Munch einzusperren und seine Enkelin zu entführen… Der Thriller sorgt bis zuletzt für Höchstspannung. 

Tu was!

Nuernberger_verkaufte_Demokratie

Christian Nürnberger, Die verkaufte Demokratie, Ludwig Verlag 2015

„Man muss nicht fragen, ob das, was man tut, Erfolg haben wird, sondern man muss fragen, ob es sinnvoll ist, und dann muss man es tun.“

Eigentlich weiß man das alles ja schon, was Nürnberger von Deutschland und der Welt berichtet. Doch in der Zusammenschau, in seiner Stringenz der Entwicklung von den 80ern bis heute, sind die Tatsachen, die unser Leben heute beherrschen, erschütternd.  Doch Nürnberger hätte dieses Buch nicht geschrieben, sähe er nicht Möglichkeiten Dinge zu ändern. Auf den großen politischen Coup zu warten ist aussichtslos. Im Kleinen, Schritt für Schritt, jeder an seiner persönlichen, demokratischen Front hingegen, kann handeln. Wenn wir es alle täten, hätten wir auch die Macht. Es ist noch nicht so lange her, da haben wir nicht verstehen können, warum unsere Großeltern stumm zugesehen oder mitgemacht haben, statt zu handeln. Jetzt sind wir es, die mitmachen: bei Google, bei Amazon, bei Apple und Facebook. Dieses Buch macht Mut klar zu denken und es liefert das Handwerkszeug Demokratie zu leben, damit auch unsere Kinder in Frieden, Freiheit und Wohlstand leben können. 

Künstlerisches Lesevergnügen

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Klaus Modick, Konzert ohne Dichter, Kiepenheuer & Witsch 2015, € 17,99

Um 1900 – 1907 war Heinrich Vogeler die zentrale Figur der Künstlerkolonie Worpswede und er ist es auch in dem Roman von Klaus Modick. Heinrich Vogelers Freundschaft zu Rainer Maria Rilke, Gedanken über sein eigenes Künstlersein und die Frage, wie Kunst und Leben sich miteinander verweben als auch die köstliche Beschreibung des norddeutschen Milieus fügen sich zu einem atmosphärisch dichten und interessanten Roman.Mit Freude am Detail und amüsanten Dialogen ist dieser Roman Lesevergnügen!