27. September 2017, 19:30 Uhr: Zur blauen Stunde über Kunst, Lyrik und Musik mit Quint Buchholz & Dorothée Kreusch-Jacob

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Kostbar für alle ist der Moment, in dem die Nacht den Tag umfängt. Die blaue Stunde birgt so manchen Zauber und lässt den Menschen innehalten. Quint Buchholz und Dorothée Kreusch-Jacob werden an diesem Abend, der sich an Erwachsene richtet,  über ihre Kunst, Lyrik, Musik und die Bedeutung von Abendritualen ins Gespräch gehen, begleitet von Musik, Bildprojektionen und Texten aus ihrem neuen Buch „Sonne, Mond und Abendstern“.

Eintritt € 5.-. Um Anmeldung wird gebeten.

 

Foto Copyright: Frank Hanewacker
Quint Buchholz, 1957 in Stolberg geboren, studierte Kunstgeschichte, später Malerei und Grafik an der Kunstakademie in München. Heute lebt er mit seiner Familie in Ottobrunn. Seit 1979 arbeitet er als Maler und Illustrator, seit 1988 illustriert er Kinder- und Jugendbücher und veröffentlicht eigene Geschichten. Er gehört zu den renommiertesten deutschen Buchillustratoren.
 
Foto Copyright: Klaus-Reiner Blümel
Dorothée Kreusch-Jacob, in Ravensburg geboren, lebt als Konzertpianistin,  Musikpädagogin, Liedermacherin und Schriftstellerin in Ottobrunn.

Happy Birthday Quint Buchholz- Ausstellung im Buchpalast zum 60. Geburtstag

Seine Bilder sind Momentaufnahmen zur blauen Stunde, bei Vollmond, im Schnee, bei Regen oder unter Sternenhimmel. Sie sind Inseln der Ruhe, von Menschen und Tieren beseelt, wo Wasser und Luft zu tragenden Elementen werden. Sie bergen ein Geheimnis in sich und erzählen vom Erstaunlichen und vom Glück. Quint Buchholz ist ein Meister der Blautöne.
Das Glück erfasst den Betrachter, wenn er, einem Kinde gleich, sich der Geborgenheit anzuvertrauen vermag, die aus den Bildern spricht, eine schützende Nähe in entrückter, entschleunigender Zeit.
Einen geeigneteren Illustrator für ein Abendliederbuch kann es da gar nicht geben. Dorothée Kreusch-Jacob trug ihm eine Zusammenarbeit an, da auch die Musik in seinen Bildern klingt. Für das Abendliederbuch „Sonne, Mond und Abendstern“ arrangierte sie variantenreich altbekannte Lieder zu neu komponierten Stücken mit literarischen wie eigenen Texten, die von Clemens Brentano und Wolfgang Borchert über Mascha Kaleko bis Michael Ende reichen. Kreusch-Jacob wandert dabei in ihre eigene Kindheit zurück, in der Geräusche und Klänge das Dunkel ebenso bevölkerten wie Fantasie. Beiden gelingt es, den Zauber einzufangen, der zwischen Schlaf und Traum regiert. Will man in den Schlaf sinken, muss man zur Ruhe kommen und Vertrauen in die Nacht finden. Das gilt für Kinder wie für Erwachsene. Bilder, Texte und Musik lassen wohltuend innehalten und finden still und leise ihren Weg in die Herzen aller. Ein Buch zum Schauen, Singen, Lesen und Träumen, bis die Augen zufallen.

Ab dem 28. Juli 2017 zeigt der Buchpalast Drucke aus "Sonne, Mond und Abendstern", die auch käuflich zu erwerben sind.

Historisch und literarisch sensationell

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Francoise Frenkel: Nichts, um sein Haupt zu betten, Hanser Verlag 2016 € 22,00

1943 geschrieben und veröffentlicht, auf einem Flohmarkt in Nizza wiederentdeckt, 2015 in Frankreich neu aufgelegt und in diesem Jahr erstmals ins Deutsche übersetzt: Francoise Frenkel, eine junge polnische Jüdin, die in ihrer Begeisterung für die französische Literatur 1921 die erste französische Buchhandlung in Berlin eröffnete, erzählt von ihrem Leben. Ihrem erfolgreichen Engagement für die Literatur wird 1939 mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ein Ende gesetzt. Sie flieht nach Paris und von dort aus quer durch Frankreich bis nach Nizza. Hier erlebt sie sowohl die Nöte des Überlebens im besetzten Frankreich als auch die couragierte Hilfsbereitschaft in der französischen Bevölkerung. Der Leser folgt gebannt ihren Beobachtungen in Freiheit, im Versteck, auf der Flucht, im Gefängnis. Beim 3. Versuch wird ihr die illegale Überquerung der Grenze in die Schweiz gelingen, gleich danach hat Francoise Frenkel das vorliegende Buch verfasst. Ein außergewöhnliches Zeugnis, ein historisch und literarisch sensationeller Fund.

 

Literat trifft Philosoph

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M. Köhlmeier/ K. P. Liessmann, Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist, Adam? Hanser 2016 € 20,00

Das Buch trägt den Untertitel ´Mythologisch-philosophische Verführungen`, und das ganz zurecht. Denn mich hat allein der Titel neugierig gemacht und verführt, zu dem Buch zu greifen. Und damit wäre ich schon beim ersten Schlüsselbegriff, dessen sich die beiden Autoren annehmen: die Neugier. Während Michael Köhlmeier die biblische Geschichte vom Sündenfall im Paradies dem Leser noch einmal mit seinen Worten nahe bringt, philosophiert Konrad Paul Liessmann quasi über die Lust auf Neues, sich über Verbotenes hinwegzusetzen, angestachtelt von der Neugier. Aber - so sagt er - wer neugierig ist, muss mit allem rechnen, genau wie Adam und Eva im Paradies. Zwölf  Begriffe werden dem Leser auf diese Weise in fast spielerischen Form dargereicht, von Schicksal, Rache, Macht über Schönheit oder das Ich. In jedem Kapitel begegnet der Leser Mythen, Sagen, Märchen oder biblische Geschichten. Und kommt möglicherweise ins Staunen, wo sich die großen Lebensthemen darin verbergen. Dieses Buch ist eindeutig etwas für neugierige Entdecker.

Literarische Paarungen

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Literarische Paarungen

Tania Schlie, Schreibende Paare, Thiele Verlag 2016 € 25,00

Wer kennt es nicht, das wohl berühmteste Literatenpaar Jean Paul Sartre und Simone de Beauvoir? Sie waren nie verheiratet, haben sich respektvoll gesiezt, lebten nie zusammen, waren ihre strengsten Kritiker und doch haben sie sich viele Jahre gegenseitig beflügelt. Das und vieles mehr erfährt man in Tania Schlies Buch über Sartre und Beauvoir in dem Kapitel ´Die Hälfte von... ein Leben lang`. Es ist nur ein Kapitel von sieben, in denen der Leser für einen kurzen Moment hinter die Fensterscheiben der berühmten Paare wie Martha Gellhorn und Ernest Hemingway, Ingeborg Bachmannn und Max Frisch oder Bettine und Achim von Arnim blicken darf. Dabei geht es der Autorin einzig um die Beweggründe ihres Miteinander im Bezug auf das Schreiben. Die interessante Kapitelzusammenstellung, das hervorragende Bildmaterial, die vielen kleinen Anekdoten und Hintergründe zu den großen Werke ihrer ausgewählten Paare machen dieses Buch zu einem einzigartigen Lesevergnügen. Was es für einen Schriftsteller bedeutet, nicht allein zu sein mit seinem Schaffen, welche Probleme es mit sich bringt, wie man sich reibt oder weitertreibt... darüber kann in diesem wunderbaren Buch nachgeblättert werden.

Auf kreativer Jagd nach Inspiration

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Christoph Niemann: Sunday Sketching, Knesebeck 2016 € 34,95

Auf den ersten Blick ein Fotoapparat, auf den zweiten ein offenes Tintenfässchen, durch das der Betrachter die Welt sieht. Nichts könnte passender sein, für einen Band des Künstlers Christoph Niemann. Seine Striche lässt er flächig aus Pinseln oder punktgenau aus Stiften und Federn laufen, mal komponiert er Flächen dazu, einen Alltagsgegenstand.  In minmalistischer Sparsamkeit blickt Christoph Niemann mit seinen kunstfertigen Sketchen auf die Welt. Elf Jahre lebte er in New York, arbeitete für The New York Times Magazine, zeichnete dort die Kolumne abstractsunday  und gestaltete Cover für The New Yorker. Heute lebt der gebürtige Süddeutsche in Berlin. Sunday Sketching erzählt von seinem Leben, seiner Arbeit als Künstler, seinen Zweifeln, seiner Angst sich nicht immer wieder neu erfinden zu können. "Mit Kreativität kann man nicht effizient sein", sagt er. Es bedarf Raum für Fehler und gerade wenn es gut läuft, sollte man die Richtung wechseln. Und nicht zuletzt muss man immer wieder das Sehen üben und den Blick neu öffnen. Dieser Band umfasst Werke aus allen Epochen. Auf jeder Seite ein eigenständiges Kunstwerk und doch, in seiner Gesamtheit ein visuelles Seelenleben, das zu faszinieren und inspirieren vermag.

In der Welt zuhause

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Marianne Jungmaier: Sommernomaden, Kremayr & Scheriau 2016 € 19,90

Marianne Jungmaier hat einen ganz eigenen Ton gefunden, den sie ihrer Ich-Erzählerin als Handwerkszeug gibt. "Ich" ist auf der Suche: nach sich selbst, nach Menschen, die sie berühren in vielerlei Sinn, nach Vertrautem und Neuem, nach Liebe und Unabhängigkeit. Sie reist durch die Welt mit offenen Sinnen, sich selbst und andere beobachtend. Ein inspirierendes Buch über und für Menschen, die gerne unterwegs sind, die die Freiheit lieben und ihre Gefühle leben.

Lyrik bis ans Lebensende

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"Wenn du niemals sterben könntest, würdest du dann glücklich sein?"

In schwungvoller, grafischer Eleganz inszeniert der Rieder Verlag auf dem Cover nichts als den Titel des Buches: "Überall & Nirgends". Das Inhaltsverzeichnis verlangt vom Betrachter, in einer ersten Drehung des Buches, gleich den etwas anderen Blick auf das, was wir so gern verdrängen. Die Präsenz des Todes. Was wäre ein Leben ohne den Tod? Langweilig. Na also. Der Tod gehört dazu. Jeder kennt ihn. Irgendwann, irgendwo stirbt immer ein Lebewesen. Der Tod macht traurig, aber auch neugierig. Mal begreift man ihn besser mit Albernheit und mal trägt er die Erinnerung. Durch ihn können sich neue Möglichkeiten eröffnen. Trägt Omas Mantel noch ihren Fingerabdruck? So mancher trägt sein Erbe im Gesicht. Die Worte von Bette Westera verhandeln das Sterben, erzählen von Begräbnisritualen, lassen Raum für Trauer sowie Erinnerung. Lasst uns darüber reden, wie wir auch über das Leben sprechen. Der Tod ist ganz normal. "Doodgewoon", das Wort des Originaltitels bezeichnet im Niederländischen auch das Stinknormale. Und danach? Ist noch lange nicht Schluss. Es gibt den Glauben nach dem Tod, das Jenseits, und wohl auch ein Davorseits? Trägt der Tod eigentlich einen Namen? Gevatter Hein, der Weidenmann? Nur kurz möchte das vorwitzige Kind einmal auf seinem Schoß Probesitzen. Ist das verwunderlich? Bette Westera und Sylvia Weve arbeiten nicht zum ersten Mal zusammen. Die Form für dieses Projekt haben sie gemeinsam entwickelt. Bette Westera inszeniert den Tod lyrisch verlockend von all seinen ungeahnten Seiten. Sylvia Weves´ Illustrationen spielen mit Seiten und Halbseiten. So kann sie jedes Bild zweimal benutzen, ihnen ein zweites Gesicht geben, einen anderen Ton, eine gegensätzliche Stimmung. Die Bilder und Gedichte, dazu ein gut erklärender Anhang, laden zum Experimentieren, Erzählen und Nachspüren ein. Das Buch verwebt Leben und Tod, wie es das verschlungene "&" auf dem Cover prophezeit. Der Tod wird hier zu einem kunstvollen Fest. Es lässt ihn mit Genuss greifen und begreifen.

Verrückte Reime & schräge Striche

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Gutzschhahn/Wilharm: Ununterbrochen schwimmt im Meer der Hinundhering hin und her, cbj 2015 €

Uwe-Michael Gutzschhahn besitzt die Fähigkeit, den Ozean der sprachlichen Möglichkeiten immer wieder neu auszuschöpfen. Man staunt und lacht und verfällt ihr sofort, der Nonsenslyrik, die er in diesem Band versammelt hat. Ob uralt oder nigelnagelneu: Quatsch eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. Sabine Willharm hat die Texte gebührend in Szene gesetzt und wird ihre Bilder zu den Gedichten live erschaffen. Wer kennt sie nicht, die Harry Potter Cover aus ihrer Feder. Eine vergnügliche Veranstaltung für jung und alt.