Leben – Schweben

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Jürgen-Thomas Ernst: Schweben, Braumüller Verlag 2017 € 20,00

Dieses Buch hat mich tief berührt: es erzählt von Josefs Leben, in dem ihn Rosa ein gutes Stück begleitet. Sie sind ganz einfache Menschen, die ohne Aufhebens ihr Leben in die Hand nehmen. Sie haben wenig und brauchen nicht viel, sie nehmen Glücksmomente wahr und machen sie sich selbst und einander bewusst. Sie finden und verlieren einander und der Leser begleitet sie bei verschiedenen Episoden zwischen Kindheit und Alter. Es steckt viel Lebensweisheit in diesem schmalen Buch in Gedanken und Sätzen, die den Leser auch nach der Lektüre begleiten werden. Wer das Buch "Ein ganzes Leben" von Robert Seethaler und "Ein Leben mehr" von Joyceline Saucier gerne gelesen hat, wird auch dieses Buch lieben!

Schöne neue Welt – Marc-Uwe Kling schreibt unterhaltsam, was keiner hören will.

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Marc-Uwe Kling: QualityLand, Ullstein Verlag 2017 € 18.-

In kurzen bühnentauglichen Episoden erzählt Kling in seiner Gesellschaftsatire QualityLand vom smarten Leben in einem zukünftigen Deutschland, das  zu 100 Prozent von Algorithmen bestimmt wird. Widerstand zwecklos. Das ist doch nicht die Zukunft, das ist fast die Gegenwart, denkt die Leserin, die ihr herzhaftes Lachen bei dieser Lektüre auch nachdenklich stimmt. 159x schauen wir schon heute im Durchschnitt täglich auf unser Smartphone und teilen unser Leben mit Maschinen. Peter Arbeitsloser, die Hauptfigur dieses Romans., trägt sein Smartphone als persönlichen Assistenten im Ohr: den Ohrwurm. Er diskutiert mit seinem selbstfahrenden Auto über das Wetter, Musikfragen und bezahlt die Fahrt per "Toch Kiss" auf seinem Pad. Die Welt ist an expotentiellem Fortschritt erkrankt. Geradlinig, wohlstandssatt und zufrieden leben die Menschen das Mantra der 2er Potenz und stellen einen Androiden, John of Us, als Kanditaten zur kommenden Wahl auf. Dieser Wahlkampf, ein Kopf an Kopf Rennen zwischen der Fortschrittspartei und einer Rechts-Rechts Koalition, bildet die Gegenwelt zu Peter Arbeitsloser, der mit einer Warenlieferung von "The Shop" kämpft, die er weder bestellt hat noch behalten möchte. Diese klassisch duale Inszenierung garantiert schnelle Eingewöhnung, auch wenn das Werk mit Zwischeninformationen, Werbeeinblendungen und Posts gestört wird, die sich im Übrigen in der hellen (optimistischen) und dunklen (apokalyptischen) Ausgabe unterscheiden, denn Personalisierung macht auch vor der Literatur nicht halt. Maschinen wirken menschlichlicher als die Menschen. So hat Peter Arbeitsloser, von Beruf Maschinen Verschrotter, in seinem Keller eine illustre Sammlung ausgedienter Wesen angehäuft: Ein Kampfroboter mit Persönlichkeitsstörung, einen lustlosen Sexroboter, ein pinkfarbenes Pad aus dem das Känguru spricht und eine E-Poetin, Kalliope 7.3, mit Schreibblockade, der wir am Ende diesen Roman verdanken werden. Schöne neue Welt? Wenn wir nicht den "German Code" knacken, wird sie uns einholen. Doch was für ein Glück, dass das  selbstverständlich rebellisch kommunistische, rosafarbene QualityPad schon ganz dicht dran ist....Wir wünschen ihm viele, viele Anhänger und Mitstreiter!

30. Januar 2018, 19:30 Uhr: Jaromir Konecny liest aus „Die unglaublichen Abenteuer des Mirgranten Nemec“

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Jaromir Konecny: Die unglaublichen Abenteuer des Mirgranten Nemec, Ecowin Verlag 2017 € 20.-

"Arm sind die Menschen, die keine Geschichten haben."
Zitat aus Konecny: Die unglaublichen Abenteuer des Migranten Nemec
Selbst in Prag geboren und 1982 nach Deutschland emigriert, erzählt Konecny vom schelmisch, tragischen Flüchtlingsdasein seines Helden Lolek Nemec. Die Übersetzung seines tschechischen Nachnamens "Nemec" lautet "Deutscher", ein Grund, warum Nemec schon immer meinte, nach Deutschland zu gehören. Hochmotiviert hier sein Leben zu meistern, stolpert der Migrant und Geschichtensammler durch ein deutsches Leben in und um München, welches von osteuropäischen Lebensgewohnheiten geprägt bleibt. Die Sache will  ihm nicht ganz gelingen. Auf der Suche nach seinem Glück und immer neugierig auf alle Menschen, denen er begegnet, führt er den Leser in ein amüsantes, sprachwitziges, episondenhaftes Lesevergügen unseres schrecklich herrlichen Miteinander.

In der Fremde

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Theodora Bauer: Chikago, Picus Verlag, € 22,00

Es ist Anfang der 20er Jahre, als sie auswandern: Feri und Katica, ein junges Paar und Katicas Schwester Ana. Mit großen Hoffnungen auf ein glücklicheres, freieres, reicheres Leben ziehen sie aus dem östereichisch/ungarischen Grenzgebiet nach Chikago. Doch einfach ist es nicht in der Fremde, die nur der stillen Ana und ihrem Neffen Josip vorübergehend Heimat werden wird. In all ihrer Schlichthiet ist Ana ist die zentrale Figur, sie ist groß im Erspüren und Beobachten und zögert nicht, zu Handeln. Der Roman zieht den Leser immer mehr in den Bann, lässt Spannung wachsen und vermittelt eindrücklich ein Stück Gesellschafts- und Zeitgeschichte.

Spionageroman vom Feinsten

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Arturo Pérez-Reverte: Der Preis, den man zahlt, Insel Verlag, 22,00€

Ein Spionageroman vom Feinsten: mit der Hauptfigur Lorenzo Falcò gerät der Leser in diverse konspirative Treffen, Verfolgungsszenarien und Folterkammern; gestorben wird in diesem Roman nicht auf natürliche Weise...Falcó befindet sich im Spanien des Bürgerkriegs, Franco hat seine Position noch nicht gefestigt, der Kampf zwischen Falangisten und Kommunisten fordert Opfer auf beiden Seiten.Ein interessanter Einblick in diesen Abschnitt der spanischen Vergangenheit!

Ein kleiner Kosmos

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Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann, DuMont Buchverlag, € 20,00

Von ganz normalen Menschen in einem kleinen Ort mit ihren ganz speziellen EIgenschaften wird in diesem Roman ungewöhnlich und anrührend erzählt. Ein 10jähriges Mädchen, das zur Mittdreißigerin heranwächst, ist die Erzählerin. Sie steht ihrer Großmutter Selma ganz besonders nah, diese ist die heimliche Hauptfigur. Sie ist auch diejenige, die immer mal von einem Okapi träumt, und dann stirbt jemand im Ort - so war es bisher immer. Wird es auch dieses Mal so sein? Und wie ist das mit der "heimlichen Liebe", die offensichtlich ist, aber doch nie ausgesprochen wird. Und wie mit der Liebe, die einem in Form eines Menschen plötzlich gegenübersteht, die das Leben auf den Kopf stellt - will man dieses andere, veränderte Leben? Mariana Leky findet eine ganz eigene, ein wenig versponnene, bezaubernde Sprache für diese Menschen, die so sein dürfen, wie sie sind, für diesen kleinen Kosmos, in den der Leser eintaucht, in dem er mitfühlt, mitbangt und sich mitfreut.

Brisantes Thema im Roman

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Imbolo Mbue: Das geträumte Land, Kiepenheuer&Witsch 2017 € 22.-

Der Roman von Imbolo Mbue ist sehr aktuell, behandelt er doch die Einwanderungspolitik in den USA. Die Autorin urteilt nicht, aber sie erlaubt eine fantastische Auseinandersetzung mit dem Thema. Der Roman erzählt von einer kleinen Familie aus Kamerun, deren großer Traum sich erfüllt hat: sie leben in New York. Er, Jende Jonga, hat eine Arbeitserlaubnis, siene Frau Neni bereitet sich auf das langersehnte Pharmaziestudium vor. EIne dauerhafte Aufenthaltserlaubnis haben sie noch nicht. Als Jende den Job als Chauffeur eines Bankers von Lehman Brothers bekommt und Neni einige Monate später in dessen Familie das Hausmädchen vertritt, verzahnen sich die Schicksale der beiden Familien mehr, als man sich vorstellen konnte. Ich fand es spannend zu merken, dass manche Hoffnungen und Probleme beider Familien sehr ähnlich sind, den gesellschaftlichen Unterschieden zum Trotz. Imbolo Mbue erzählt leicht und lebendig mit präzisen Beobachtungen und viel Empathie, gleich auf der ersten Seite ist der Leser den Protagonisten sehr nah. Und gerade die letzten Worte des Romans haben mich sehr berührt - von der ersten bis zur letzten Seite ein intensives Leseerlebnis!

Kleiner Schatz der britischen Literatur

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Brian Sewell: Pawlowa oder wie man eine Eselin um die halbe Welt schmuggelt, Insel Verlag 2017 € 14,00

Mit dem Büchlein "Pawlowa" von Brian Sewell ist wieder mal ein Schatz der britischen Literatur gehoben und übersetzt worden. Anrührend und charmant erzählt Sewell die Geschichte eines Briten, dem in Pakistan eine junge, zerschundene Eselin über den Weg läuft. Es ist Liebe auf den ersten Blick , er will das zarte Tier um jeden Preis retten. So machen sich die zwei auf den langen Weg von Pakistan nach London, ausgerüstet mit einem wüstenerprobten Sonnenschirm. Unterwegs auf Ladeflächen, zu Fuß und im Zug machen die beiden verschiedenste Bekanntschaften und erleben ein Abenteuer, an dem der Leser schmunzelnd, im Sessel sitzend, genüsslich teilhaben kann. Ein wunderbares Buch für Tierliebhaber und Abenteuerlustige und für alle, die außergewöhnliche Geschichten lieben!

Freundschaft über alles

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Alice Adams: Als wir unbesiegbar waren, Dumont Buchverlag 2017 € 20,00

Als wir unbesiegbar waren erzählt die Geschichte von Eva, Lucien, Sylvie und Benedict, Studenten in Bristol in der 1990ern. Sie sind über Jahre unzertrennlich, halten aber manche ihrer Wünsche und Hoffnungen voreinander versteckt und werden nach dem Studium verschiedener Wege gehen. Beruf und Bezeihungen beschäaftigen sie, die Freundschaft lebt in Ab-und Zu-Kontakten weiter. Nach 20 Jahren finden sie wieder in nahen Austausch und wird ihre Freundschaft ihnen Kraft und Orientierung geben. Ein anregendes, intensives Buch, das lebhaft von Träumen, Möglichkeiten und Wirklichkeiten erzählt, nicht nur, aber auch, für junge Menschen!

Irrungen und Wirrungen

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Ulrike und Manfred Jacobs: Sisis Vermächtnis, Picus Verlag 2017 € 16,00

Das Umschlagbild bringt den Leser schon in die richtige Stimmung: luftig, leicht, mit Wellengang kommt dieser Roman daher, der von köstlichen Verwirrungen und Verirrungen zwischen Wien und der Normandie erzählt. Spannung und Liebe kommen dabei nicht zu kurz! EIn Wiener Jurist solpert über merkwürdige Zahlungen an ein normannisches Dorf, die auf ein Vermächtnis Sisis zurückgehen und bringt damit den östereichischen Kulturhaushalt ganz schön durscheinander. In Beauport in der Normandie bleibt auch kaum ein Stein auf dem anderen...Beste Unterhaltung! Eigentlich will man das Buch gar nicht aus der Hand legen, bis sich alles erklärt hat!

Jonas Lüscher im Spiel mit Ironie: Kraft – eine Vakuumtheodizee

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Das Denken ist eine komplizierte Sache. Richard Kraft ist Rhetorikprofessor in Tübingen, geistesgegenwärtig, ein durch und durch Liberaler, obendrein ein Fuchs, der sich als Denker der individuellen Freiheit und Vielfalt versteht und einen sagenhaft aufmerksamen Beobachter abgibt. Gemeinsam mit dem Autor heften wir uns bespitzelnd an seinen Kopf und folgen ihm ins Silicon Valley, ins Turmzimmer der Standford Universität. Dort will er sich auf einen außergewöhnlichen Vortrag, einen Wettstreit zu einer Preisfrage, vorbereiten. Die Behauptung lautet: Warum alles, was ist, gut ist und wir es dennoch verbessern können.

Premierenlesung: Margret Greiner stellt das Leben der Künstlerin Charlotte Salomon vor.

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 "Am 17. April 2017 jährt sich ihr Geburtstag zum 100. Mal, ein Anlass für mich, diese besondere Künstlerin ins Licht zu stellen." Margret Greiner
Sie war im weitesten Sinne eine Autodidaktin. Ein Kindermädchen brachte sie zum Malen, die Kunsthochschule besuchte sie nur kurze Zeit. Als Jüdin verfolgt und ins Exil getrieben, zeichnete und schrieb sie vor ihrer Deportation über ihr Leben. Sie hinterließ einen Koffer mit 1325 Gouachen expressionistischen Stils, auf die Margret Greiner in ihrer Biografie immer wieder sehr engen Bezug nimmt und uns damit eine faszinierende Künstler-Persönlichkeit präsentiert. Katrin Rüger

Verspielter Perfektionismus

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Lena Gorelik: Mehr Schwarz als Lila, Rowohlt Berlin 2017 € 19,95

Einer kann nicht ohne die Anderen. Alex, Ratte und Paul. Das war schon immer so. Und soll sich im letzten Schuljahr nicht ändern. Gemeinsam loten die Unbedarften ihre Grenzen aus. Dabei aalen sie sich am liebsten in einer Welt der Möglichkeiten, im distanzlosen Hier und Jetzt. Ihr endlos gespieltes Was-wäre-wenn-Spiel tritt nie aus dem Schatten des Unmittelbaren. Im schützenden Triumvirat lautet ihre Parole: „Freiheit, Freunde, Wir“. So jedenfalls formuliert es Alex, die Erzählerin, rein sprachlich. In ihrem Herzen und Kopf tobt, ganz und gar widersprüchlich, das narzistische Ich, welches in einem unaufhaltsamen Strudel alles mit sich reißen wird. Erst in der Katastrophe, im Verlust, wird Alex zum Denken über die Anderen fähig werden. Präzise seziert Lena Gorelik den Prozess des Erwachsenwerdens, jenen labilen Seelenzustand in einer Zeit starker emotionaler Eruptionen, wo die Welt noch jung ist und Widersprüche den feurigen Motor allen Seins bilden. Unermüdlich lässt sie dabei Alex auch um Sprache und nach Worten ringen. Die Sprache wird das Medium, in dem Alex ihre sich wandelnde Welt zu manifestieren versucht. Immer bewusster geformt, werden sich ihre Gedanken durch Worte entfalten, deren Bedeutung und Nutzung sie gründlich durchleuchtet. Lena Gorelik erschafft, ganz im Sinne von Alex Widersprüchlichkeit, eine Sphäre von leidenschaftlich verspieltem, literarischen Perfektionismus, der nachhaltig beeindruckt und Sogwirkung garantiert.

Literarisches Debüt 2013

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Jonas Lüscher: Frühling der Barbaren, btb, €7,99

Seit seinem Erscheinen 2013 gehört Jonas Lüschers  "Frühling der Barbaren" zum festen Bestandteil meiner literarischen Auswahl und ich habe schon viele begeisterte Rückmeldungen von unseren Kunden bekommen. Die schmale Novelle hat mich gleich in ihrer klassisch anmutenden Sprache fasziniert, deren durchaus auch ausschweifenden Beschreibungen ich gerne gefolgt bin. Sind die Beobachtungen doch höchst kritisch und aktuell: Anhand einer Hochzeitsgesellschaft aus London, die in einer tunesischen Luxushotelanlage mit allem Pomp feiert, beschreibt Lüscher mit grotesken Szenen die dünne Fassade der Zivilisation, die, ausgelöst durch eine Finanzkrise, in Barbarei mündet. Globale gesellschaftliche Themen neben schlicht zwischenmenschlichem Miteinander sind in Lüschers literarischen Debüt klug miteinander verknüpft.

Spätes Glück

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Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht, Diogenes 2017 € 20,00

Ein hoffnungsvoller, ein berührender Roman über das Glück, einen Menschen zu finden, mit dem man Zeit, Gedanken, Gefühle, Erinnerungen teilen kann. Dass das auch geschehen kann, wenn der langjährige Partner gestorben ist, dass dieses Glück manchmal greifbar nah ist und auch auf 70jährige wartet, ist in diesem Roman glaubhaft nachfühlbar. Dass die Umgebenug kritisch und argwöhnisch reagiert, ist aber auch spürbar.. Ein ruhiger, sensibler, gut unterhaltender Roman mit dem Schauplatz eines kleinen Städtchens in Colorado, das nahezu überall in der Welt angesiedelt sein könnte.

Entwurzelung & Neuanfang

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Marco Balzano: Das Leben wartet nicht, Diogenes Verlag 2017 € 22,00

Ninetto war nur 9 Jahre alt, als er mit einem flüchtig Bekannten sein sizilianisches Dorf verließ, um in Mailand Arbeit zu finden. Inzwischen ist er Ende fünfzig und erinnert sich an diese Zeit: die Arbeit, die er fand, die Bekanntschaften, die er machte, seine frühe Ehe, die Geburt der Tochter und wie er zu einer Gefängnisstrafe kam. Er vergleicht das Damals mit dem Heute, beobachtet die neuen Arbeitssuchenden aus Nordafrika und China. Ein einfühlsamer Roman zum Thema Entwurzelung und Neuanfang mit all dem, was dieses, egal zu welcher Zeit und an welchem Ort, bedeutet, ein Roman, der den Leser hinter die Kulissen schauen und einen besonderen Blick auf Italien werfen lässt.

Der Zauber der Musik

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Odafe Atogun: Tadunos Lied, Arche Verlag, € 20,00

Dieses Buch ist eine Hommage an die Kraft und den Zauber der Musik. Taduno ist ein Musiker, der sich in die Herzen der Menschen gespielt hat. Zunächst mit Liebesliedern, dann mit Protestliedern gegen die menschenverachtende Diktatur in seiner Heimat Nigeria. Er geht ins Exil, aus dem er zurückkehrt, nachdem er erfahren hat, dass seine große Liebe Lela festgenommen wurde. Merkwürdigerweise erkennt ihn niemand mehr in seiner Heimat. Es entspinnt sich eine emotionale und spannende Geschichte in Adunos Suche nach Lela und seinem Produzenten, die ihn in einen großen Gewissenskonflikt manövriert: muss und kann er seine Liebe zu Lela opfern, um dem unterdrückten Volk Hoffnung zu geben? Kann er so leben? Oder ist er selbst ein Verräter?

5 Hochzeiten und kein Todesfall

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Jea-Philippe Blondel: Die Liebeserklärung, Deuticke Verlag 2017 € 18,00

Wieder einmal hat Jean-Philippe Blondel einen wunderbar unterhaltenden Roman geschrieben. Der Autor von "6 Uhr 41" erzählt von dem jungen Corentin, der mit seinem Onkel in der französischen Provinz als Hochzeitsfotograf unterwegs ist. Es ergeben sich viele amüsante , gut beobachtete Zwischenfälle bei den Hochzeiten. Corentins Leben allerdings fehlt es ein wenig an Amüsement - er ist auf der Suche nach Vielem und wird eine sehr spezielle Art des Suchens entwickeln. Beste Unterhaltung für jedes Alter, die ein Lächeln auf den Lippen garantiert.

Sheriff contra Oligarch

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Castle Freeman: Auf die sanfte Tour, Nagel & Kimche 2017 € 19,00

Ein kleines amerikanisches Städtchen mit einem Sheriff, der mehr abwartet, als handelt - ganz zum Unverständnis seines Deputys, der meint, mit Eifer,den kniffligen Fall lösen zu können und die nächste Wahl zum Sheriff zu gewinnen. Es geht um nichts Geringeres als einen Tresordiebstahl in der Villa eines russischen Oligarchen, der diesen Raub gar nicht lustig findet und entsprechend reagiert. Mit viel Humor, einem guten Gespür für die sehr verschiedenen Charaktere und gut gesetzten Dialogen erzählt Castle Freeman eine haarsträubende Geschichte so anschaulich, dass der Leser meint, sie mitzuerleben.

Ruhig und kraftvoll

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Colm Toibin: Nora Webster, Hanser 2016, € 26,00

Nach dem viel zu frühen Tod ihres Mannes muss Nora sich neu finden. Sie lebt in einer irischen Kleinstadt in den 60er Jahren, jeder kennt jeden und es gibt Regeln über Regeln, wie "man" sich zu verhalten habe. Nora ist eine unauffällige Rebellin und wird sich Stück für Stück aus der inneren und äußeren Enge befreien.Colm Toibin beschreibt ruhig und glaubwürdig Noras Leben, mit ihren zwei Söhnen zuhause, zwei fast erwachsenen Töchtern, der neu aufgenommenen Arbeit, den vielen Gedanken und Fragen, die sie umtreiben. Die Musik wird ihr helfen, eine eigene Welt zu entdecken, die sie den Alltag selbstbewusster und freier erleben lässt. Ein schön zu lesender Roman über eine Frau, die gleich meine Sympathie hatte und mir ans Herz gewachsen ist.