Donnerstag, 8. März 2018, 19:00 Uhr: Thomas Steinfeld im Gespräch zu seiner Neuübersetzung von Selma Lagerlöfs Nils Holgersson

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Selma Lagerlöf: Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden, Die Andere Bibliothek € 24.-

Aus dem Schwedischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Thomas Steinfeld. Bereichert mit Zeichnungen von Bertil Lybeck.

Thomas Steinfeld, Sprachakrobat und -virtuose, Literaturkenner und -kritiker hat sich daran gemacht das 700 Seiten umfassende, bekannteste Werk von Selma Lagerlöf neu und erstmals vollständig ins Deutsche zu übertragen. Herausgekommen ist ein großartiger Schmöker, eine federleichte, literarische und luftige Bildungsreise, die uns in die Kultur- und Naturlandschaften Schwedens entführt. Nun, hundert Jahre nach seinem Erscheinen, in neuem Sprachgewand, ist es ein lohnenswerter Klassiker für Jung & Alt. Dank Steinfelds Sprachkunst wirkt Lagerlöfs Text, literarisch gestaltet und doch so originär als möglich, erstaunlich modern. Für den Lesegenuss ist es dabei völlig unerheblich, ob man Schwedenkenner ist, oder bisher geglaubt hat, Småland läge gleich links hinter dem IKEA Eingang.

Neben Lesepassagen aus dem Buch und Fragen zum Unterfangen der Übersetzung wollen wir mit Thomas Steinfeld über seine Leidenschaft zu diesem Werk, zu Sprache und Literatur ins Gespräch gehen. Die Veranstaltung eignet sich für alle neugierigen, erwachsenen und jugendlichen Zuhörer und Leser.

Eintritt € 5,- Um Anmeldung wird gebeten.

Zum Anbeißen

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Titel Franz Hohler: Das Päckchen, Luchterhand, € 20,00

Am besten: Einpacken!

In Franz Hohlers Roman "Das Päckchen" spielt das Unplanmäßige eine große Rolle. Der Bibliothekar Ernst nimmt einen Anruf in einer Telefonzelle entgegen - er weiß auch nicht, warum er es tut und warum er dann auch noch dem Wunsch der Anrufenden folgt. So gelangt er in Besitz eines Päckchens, das eine wertvolle alte Handschrift enthält. Ernst verstrickt sich in Nachforschungen und Lügengeschichten und merkt, dass er nicht der einzige ist, den dieses alte Werk interessiert. Sehr geschickt webt der Autor in diese Geschichte, die zu unserer Zeit spielt, einen historischen Erzählstrang im 8.Jahrhundert ein. "Das Päckchen" ist ein guter Unterhaltungsroman, der sowohl Spannung aufbaut als auch Beziehungsthemen verhandelt und in die schneebedeckten Schweizer Berge führt. EIn Roman, der die verschiedensten Leser anspricht - geradezu prädestiniert dafür, zu einem Päckchen geschnürt zu werden!

 

 

 

 

1971er Cuvée mit lebendigem, autobiografischen Bouquet

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Ijoma Mangold: Das deutsche Krokodil, Rowohlt, € 19,95

Identitätssuche

Das erste Buch des Literaturkritikers Ijoma Mangold ist nicht nur eine Autobiografie, sondern gleichzeitig ein interessantes Gesellschaftsportrait des Deutschlands der 70er - 90er Jahre. Ijoma Mangold, Sohn einer schlesischen Mutter und eines nigerianischen Vaters, der kurz nach der Geburt des Sohnes nach Afrika zurückging und den Mangold erst mit 22 Jahren kennenlernen sollte, wuchs in einer geschützten Welt in Heidelberg auf. "Der Junge", wie Ijoma Mangold von sich selbst in der Kindheit erzählt, hat einige Besonderheiten in sein Leben zu integrieren: Die Abwesenheit des Vaters, eine unkonventionelle Mutter und eine andere Hautfarbe. Ihn beseelt die Sehnsucht nach Assimilation, die ihm so gut gelingt, dass er erst in seiner Jugend, nach dem Abitur, eine ganz neue Seite seiner Identität entdeckt: Bei Aufenthalten in den USA und bei seinem ersten Kontakt mit der afrikanischen Familie seines Vaters. Der Leser kann sich über durchaus komische Aspekte erzählter Anekdoten amüsieren, hat aber nie das Gefühl, ein Voyeur zu sein und fühlt sich angeregt, an eigene Erlebnisse zu denken als auch über die Entwicklung des Kindes zum Erwachsenen im Allgemeinen zu reflektieren. Möge "Das deutsche Krokodil" nicht der einzige Roman von Ijoma Mangold bleiben!

Audrucksvolles Käse Arrangement

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Dirian Sukegawa: Die Insel der Freundschaft, DuMont Verlag,  € 20,00

Sinnsuche in Japan

Die japanische Insel Aburi im Pazifischen Ozean ist ein aus der Zeit gefallenes Fleckchen Erde. Drei junge Menschen, auf der Suche nach innerem Frieden und äußerem Lebensinhalt und -ziel finden den Weg hierhin. Aus einer Zufallsbekanntschaft wird Freundschaft. Sie erleben die Schwierigkeit, von einer eingeschworenen Inselgemeinschaft akzeptiert zu werden und die Forderung nach EInhalten alter Traditionen. Die Inselwelt birgt Archaisches und ungezähmte Natur. Durian Sukegawa schreibt in dieser typisch japanischen interessanten Kombination von Distanz und Förmlichkeit mit Feinfühligkeit und emotionaler Intensität. Warum dieses Buch nicht nur für Freunde philosophischen und psychologischen Nachsinnens, sondern auch für Käseliebhaber die ideale Lektüre ist, wird hier nicht verraten!

Anekdoten gespickte Pastete, regionale Spezialität

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Volker Weidermann: Träumer. Als die Dichter die Macht übernahmen, Kiepenheuer& Witsch, € 22,00

Revolution in München

Mitreißend und lebendig erzählt Volker Weidermann über die Revolution 1918 in München. Der Leser ist dabei, wenn Kurt Eisner seine feurigen Reden hält, er schaut Thomas Mann über die Schulter, wenn er in sein Tagebuch schreibt und trommelt mit Oskar Maria Graf die Münchner Bürger zur großen Versammlung zusammen. Auch anderen literarischen Größen kommt der Leser ganz nah: Ernst Toller, Rainer Maria Rilke Erich Mühsam, Viktor Klemperer. Er fiebert mit ihnen und ihren Visionen, wie Kunst und Politik zusammen etwas Neues schaffen können. Das subjektive Einfühlen in historische Begebenheiten ist Volker Weidermann glänzend gelungen. und bevor die Schüsse fallen, die Kurt Eisner das Leben kosten, darf auch herzhaft gelacht werden!

Geistreich filetierter Bildungsauflauf

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Klaus Cäsar Zehrer: Das Genie, Diogenes Verlag € 25,00

Glückliches Genie - geht das?

Klaus Cäsar Zehrer hat eine fesselnde Romanbiografie über zwei außerordentliche Persönlichkeiten geschrieben: Boris Sidis, der 1886 völlig mittellos von Osteuropa nach New York kommt und seinen Sohn William James Sidis, 1898 in den USA geboren. Für Boris ist Bildung als Erkenntnisgewinn das höchste Gut und so verwundert es nicht, dass er an seinem Sohn von Geburt an seine psychologischen Methoden zur Bildungsvermittlung anwendet. Boris ist überzeugt, dass jeder Mensch viel mehr wissen kann, als allgemein üblich. Das Experiment an William trägt Früchte: er schreibt mit 18 Monaten, spricht mit 6 Jahren 10 Sprachen und referiert mit 10 Jahren in Harvard über die vierte Dimension. Das dabei die Sozialisierung zu kurz kommt, dass William keine Gleichgesinnten findet und vereinsamt erstaunt nicht. Der Roman lässt den Leser nicht los und fordert auf zum Nachdenken. Bezüge zur aktuellen Bildungsdebatte liegen nah und sind sehr spannend.

Der erlesene Star, well-done mit Wohlfühlaroma

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Jürgen-Thomas Ernst: Schweben, Braumüller Verlag 2017 € 20,00

Leben - Schweben

Dieses Buch hat mich tief berührt: es erzählt von Josefs Leben, in dem ihn Rosa ein gutes Stück begleitet. Sie sind ganz einfache Menschen, die ohne Aufhebens ihr Leben in die Hand nehmen. Sie haben wenig und brauchen nicht viel, sie nehmen Glücksmomente wahr und machen sie sich selbst und einander bewusst. Sie finden und verlieren einander und der Leser begleitet sie bei verschiedenen Episoden zwischen Kindheit und Alter. Es steckt viel Lebensweisheit in diesem schmalen Buch in Gedanken und Sätzen, die den Leser auch nach der Lektüre begleiten werden. Wer das Buch "Ein ganzes Leben" von Robert Seethaler und "Ein Leben mehr" von Joyceline Saucier gerne gelesen hat, wird auch dieses Buch lieben!

Das Salz in der Suppe

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Marc-Uwe Kling: QualityLand, Ullstein Verlag 2017 € 18.-

In kurzen bühnentauglichen Episoden erzählt Kling in seiner Gesellschaftssatire QualityLand vom smarten Leben in einem zukünftigen Deutschland, das  zu 100 Prozent von Algorithmen bestimmt wird. Widerstand zwecklos. Das ist doch nicht die Zukunft, das ist fast die Gegenwart, denkt die Leserin, die ihr herzhaftes Lachen bei dieser Lektüre auch nachdenklich macht. 159x schauen wir schon heute im Durchschnitt täglich auf unser Smartphone und teilen unser Leben mit Maschinen. Peter Arbeitsloser, die Hauptfigur dieses Romans, trägt sein Smartphone als persönlichen Assistenten im Ohr: den Ohrwurm. Er diskutiert mit seinem selbstfahrenden Auto über das Wetter, Musikfragen und bezahlt die Fahrt per "Toch Kiss" auf seinem Pad. Die Welt ist an exponentiellem Wachstum erkrankt. Geradlinig, wohlstandssatt und zufrieden leben die Menschen das Mantra der 2er Potenz und stellen einen Androiden, John of Us, als Kanditaten zur kommenden Wahl auf. Dieser Wahlkampf, ein Kopf an Kopf Rennen zwischen der Fortschrittspartei und einer Rechts-Rechts Koalition, bildet die Gegenwelt zu Peter Arbeitsloser, der mit einer Warenlieferung von "The Shop" kämpft, die er weder bestellt hat noch behalten möchte. Diese klassisch duale Inszenierung garantiert schnelle Eingewöhnung, auch wenn das Werk mit Zwischeninformationen, Werbeeinblendungen und Posts gestört wird, die sich im Übrigen in der hellen (optimistischen) und dunklen (apokalyptischen) Ausgabe unterscheiden, denn Personalisierung macht auch vor der Literatur nicht halt. Maschinen wirken menschlichlicher als die Menschen. So hat Peter Arbeitsloser, von Beruf Maschinen Verschrotter, in seinem Keller eine illustre Sammlung ausgedienter Wesen angehäuft: Ein Kampfroboter mit Persönlichkeitsstörung, einen lustlosen Sexroboter, ein pinkfarbenes Pad aus dem das Känguru spricht und eine E-Poetin, Kalliope 7.3, mit Schreibblockade, der wir am Ende diesen Roman verdanken werden. Schöne neue Welt? Wenn wir nicht bald den "German Code" knacken, werden wir von Maschinen regiert. Was für ein Glück, dass das seltsam bekannt rebellische, kommunistische, pinkfarbene QualityPad schon ganz dicht dran ist....Wir wünschen ihm viele, viele Anhänger und Mitstreiter!

Kleiner Magenwärmer, pikant global gewürzt

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Antinio Manzini: Spitzentitel, Wagenbach Verlag, 15,00 €

Fusionierung und Globalisierung

Eine Satire zum Thema Fusionierung und Globalisierung im Verlagswesen: lustig, wahnwitzig, angsteinflößend - der buchgewordene Albtraum jedes Idealisten und Individualisten - ein furioses Leseerlebnis! Der bekannte und gefeierte Autor Giorgio Volpe hat soeben seinen neuen Roman beendet. Die nächsten Schritte sind ihm wohlvertraut: Telefonat mit der Lektorin Fiorella, Schicken eines PDF, ihre und des Verlegers begeisterte Rückmeldung, Mittagessen mit dem Verleger, Lektorieren mit Fiorella und 1 1/2 Monate später findet sich sein Buch in den Auslagen der Buchhandlungen. Doch alles wird anders, als gedacht: der Verlag seiner Bücher und zwei weitere große Verlage haben fusioniert, Fiorella ist plötzlich im Ruhestand, der Verleger ist verschwunden, selbst das alte Verlagsgebäude ist von einer Haube aus dunklem Kristall verschlungen...was nun?

Subtile erzählerische Köstlichkeit

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Birgit Müller-Wieland: Flugschnee, Otto Müller Verlagsgesellschaft, € 20,00

Spurensuche

Die Vergangenheit schlummert in uns, wacht auf, irritiert uns und lässt uns plötzlich Begreifen - Lucy, eine junge Frau in Berlin, ist auf innerer Spurensuche, die ihr das Verschwinden des Bruders erklären kann. Was geschah im WInter vor 20 Jahren? Was erlebten damals sie und ihr Bruder als Kinder, was ging in ihren Eltern und Großeltern vor? Es ist faszinierend, wie Birgit Müller-Wieland Gedanken, Gefühle, Seelenzustände und Atmosphären beschreiben kann. Ihr Roman ist eine vielschichtige Komposition und während der Leser mit der Protagonistin nach Antworten sucht, stehen diese ganz unvermutet im Raum. Ein Familienroman ganz besonderer Art!

30. Januar 2018, 19:30 Uhr: Jaromir Konecny liest aus „Die unglaublichen Abenteuer des Mirgranten Nemec“

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Jaromir Konecny: Die unglaublichen Abenteuer des Mirgranten Nemec, Ecowin Verlag 2017 € 20.-

"Arm sind die Menschen, die keine Geschichten haben."
Zitat aus Konecny: Die unglaublichen Abenteuer des Migranten Nemec
Selbst in Prag geboren und 1982 nach Deutschland emigriert, erzählt Konecny vom schelmisch, tragischen Flüchtlingsdasein seines Helden Lolek Nemec. Die Übersetzung seines tschechischen Nachnamens "Nemec" lautet "Deutscher", ein Grund, warum Nemec schon immer meinte, nach Deutschland zu gehören. Hochmotiviert hier sein Leben zu meistern, stolpert der Migrant und Geschichtensammler durch ein deutsches Leben in und um München, welches von osteuropäischen Lebensgewohnheiten geprägt bleibt. Die Sache will  ihm nicht ganz gelingen. Auf der Suche nach seinem Glück und immer neugierig auf alle Menschen, denen er begegnet, führt er den Leser in ein amüsantes, sprachwitziges, episondenhaftes Lesevergügen unseres schrecklich herrlichen Miteinander.

In der Fremde

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Theodora Bauer: Chikago, Picus Verlag, € 22,00

Es ist Anfang der 20er Jahre, als sie auswandern: Feri und Katica, ein junges Paar und Katicas Schwester Ana. Mit großen Hoffnungen auf ein glücklicheres, freieres, reicheres Leben ziehen sie aus dem östereichisch/ungarischen Grenzgebiet nach Chikago. Doch einfach ist es nicht in der Fremde, die nur der stillen Ana und ihrem Neffen Josip vorübergehend Heimat werden wird. In all ihrer Schlichthiet ist Ana ist die zentrale Figur, sie ist groß im Erspüren und Beobachten und zögert nicht, zu Handeln. Der Roman zieht den Leser immer mehr in den Bann, lässt Spannung wachsen und vermittelt eindrücklich ein Stück Gesellschafts- und Zeitgeschichte.

Spionageroman vom Feinsten

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Arturo Pérez-Reverte: Der Preis, den man zahlt, Insel Verlag, 22,00€

Ein Spionageroman vom Feinsten: mit der Hauptfigur Lorenzo Falcò gerät der Leser in diverse konspirative Treffen, Verfolgungsszenarien und Folterkammern; gestorben wird in diesem Roman nicht auf natürliche Weise...Falcó befindet sich im Spanien des Bürgerkriegs, Franco hat seine Position noch nicht gefestigt, der Kampf zwischen Falangisten und Kommunisten fordert Opfer auf beiden Seiten.Ein interessanter Einblick in diesen Abschnitt der spanischen Vergangenheit!

Sliced Okapi, von skurriler Eleganz

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Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann, DuMont Buchverlag, € 20,00

Ein kleiner Kosmos

Von ganz normalen Menschen in einem kleinen Ort mit ihren ganz speziellen EIgenschaften wird in diesem Roman ungewöhnlich und anrührend erzählt. Ein 10jähriges Mädchen, das zur Mittdreißigerin heranwächst, ist die Erzählerin. Sie steht ihrer Großmutter Selma ganz besonders nah, diese ist die heimliche Hauptfigur. Sie ist auch diejenige, die immer mal von einem Okapi träumt, und dann stirbt jemand im Ort - so war es bisher immer. Wird es auch dieses Mal so sein? Und wie ist das mit der "heimlichen Liebe", die offensichtlich ist, aber doch nie ausgesprochen wird. Und wie mit der Liebe, die einem in Form eines Menschen plötzlich gegenübersteht, die das Leben auf den Kopf stellt - will man dieses andere, veränderte Leben? Mariana Leky findet eine ganz eigene, ein wenig versponnene, bezaubernde und auch witzige Sprache für diese Menschen, die so sein dürfen, wie sie sind, für diesen kleinen Kosmos, in den der Leser eintaucht, in dem er mitfühlt, mitbangt und sich mitfreut.

Brisantes Thema im Roman

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Imbolo Mbue: Das geträumte Land, Kiepenheuer&Witsch 2017 € 22.-

Der Roman von Imbolo Mbue ist sehr aktuell, behandelt er doch die Einwanderungspolitik in den USA. Die Autorin urteilt nicht, aber sie erlaubt eine fantastische Auseinandersetzung mit dem Thema. Der Roman erzählt von einer kleinen Familie aus Kamerun, deren großer Traum sich erfüllt hat: sie leben in New York. Er, Jende Jonga, hat eine Arbeitserlaubnis, siene Frau Neni bereitet sich auf das langersehnte Pharmaziestudium vor. EIne dauerhafte Aufenthaltserlaubnis haben sie noch nicht. Als Jende den Job als Chauffeur eines Bankers von Lehman Brothers bekommt und Neni einige Monate später in dessen Familie das Hausmädchen vertritt, verzahnen sich die Schicksale der beiden Familien mehr, als man sich vorstellen konnte. Ich fand es spannend zu merken, dass manche Hoffnungen und Probleme beider Familien sehr ähnlich sind, den gesellschaftlichen Unterschieden zum Trotz. Imbolo Mbue erzählt leicht und lebendig mit präzisen Beobachtungen und viel Empathie, gleich auf der ersten Seite ist der Leser den Protagonisten sehr nah. Und gerade die letzten Worte des Romans haben mich sehr berührt - von der ersten bis zur letzten Seite ein intensives Leseerlebnis!

Beschwingtes Amuese guele

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Brian Sewell: Pawlowa oder wie man eine Eselin um die halbe Welt schmuggelt, Insel Verlag 2017 € 14,00

Kleiner Schatz der britischen Literatur

Mit dem Büchlein "Pawlowa" von Brian Sewell ist wieder mal ein Schatz der britischen Literatur gehoben und übersetzt worden. Anrührend und charmant erzählt Sewell die Geschichte eines Briten, dem in Pakistan eine junge, zerschundene Eselin über den Weg läuft. Es ist Liebe auf den ersten Blick , er will das zarte Tier um jeden Preis retten. So machen sich die zwei auf den langen Weg von Pakistan nach London, ausgerüstet mit einem wüstenerprobten Sonnenschirm. Unterwegs auf Ladeflächen, zu Fuß und im Zug machen die beiden verschiedenste Bekanntschaften und erleben ein Abenteuer, an dem der Leser schmunzelnd, im Sessel sitzend, genüsslich teilhaben kann. Ein wunderbares Buch für Tierliebhaber und Abenteuerlustige und für alle, die außergewöhnliche Geschichten lieben!

Freundschaft über alles

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Alice Adams: Als wir unbesiegbar waren, Dumont Buchverlag 2017 € 20,00

Als wir unbesiegbar waren erzählt die Geschichte von Eva, Lucien, Sylvie und Benedict, Studenten in Bristol in der 1990ern. Sie sind über Jahre unzertrennlich, halten aber manche ihrer Wünsche und Hoffnungen voreinander versteckt und werden nach dem Studium verschiedener Wege gehen. Beruf und Bezeihungen beschäaftigen sie, die Freundschaft lebt in Ab-und Zu-Kontakten weiter. Nach 20 Jahren finden sie wieder in nahen Austausch und wird ihre Freundschaft ihnen Kraft und Orientierung geben. Ein anregendes, intensives Buch, das lebhaft von Träumen, Möglichkeiten und Wirklichkeiten erzählt, nicht nur, aber auch, für junge Menschen!

Luftig leichter Weinschaum Genuss

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Ulrike und Manfred Jacobs: Sisis Vermächtnis, Picus Verlag 2017 € 16,00

Irrungen und Wirrungen

Das Umschlagbild bringt den Leser schon in die richtige Stimmung: luftig, leicht, mit Wellengang kommt dieser Roman daher, der von köstlichen Verwirrungen und Verirrungen zwischen Wien und der Normandie erzählt. Spannung und Liebe kommen dabei nicht zu kurz! Ein Wiener Jurist stolpert über merkwürdige Zahlungen an ein normannisches Dorf, die auf ein Vermächtnis Sisis zurückgehen und bringt damit den östereichischen Kulturhaushalt ganz schön durscheinander. In Beauport in der Normandie bleibt auch kaum ein Stein auf dem anderen...Beste Unterhaltung! Eigentlich will man das Buch gar nicht aus der Hand legen, bis sich alles erklärt hat!

Jonas Lüscher im Spiel mit Ironie: Kraft – eine Vakuumtheodizee

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Das Denken ist eine komplizierte Sache. Richard Kraft ist Rhetorikprofessor in Tübingen, geistesgegenwärtig, ein durch und durch Liberaler, obendrein ein Fuchs, der sich als Denker der individuellen Freiheit und Vielfalt versteht und einen sagenhaft aufmerksamen Beobachter abgibt. Gemeinsam mit dem Autor heften wir uns bespitzelnd an seinen Kopf und folgen ihm ins Silicon Valley, ins Turmzimmer der Standford Universität. Dort will er sich auf einen außergewöhnlichen Vortrag, einen Wettstreit zu einer Preisfrage, vorbereiten. Die Behauptung lautet: Warum alles, was ist, gut ist und wir es dennoch verbessern können.

Premierenlesung: Margret Greiner stellt das Leben der Künstlerin Charlotte Salomon vor.

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 "Am 17. April 2017 jährt sich ihr Geburtstag zum 100. Mal, ein Anlass für mich, diese besondere Künstlerin ins Licht zu stellen." Margret Greiner
Sie war im weitesten Sinne eine Autodidaktin. Ein Kindermädchen brachte sie zum Malen, die Kunsthochschule besuchte sie nur kurze Zeit. Als Jüdin verfolgt und ins Exil getrieben, zeichnete und schrieb sie vor ihrer Deportation über ihr Leben. Sie hinterließ einen Koffer mit 1325 Gouachen expressionistischen Stils, auf die Margret Greiner in ihrer Biografie immer wieder sehr engen Bezug nimmt und uns damit eine faszinierende Künstler-Persönlichkeit präsentiert. Katrin Rüger