Lesevergnügen

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Petra Hartlieb: Wenn es Frühling wird in Wien, DuMont Verlag € 18,00

Das Titelbild macht schon gute Laune und führt in die Zeit dieses charmanten Romans: "Wenn es Frühling wird in Wien" ist allerbeste, leichte, reizende Unterhaltung, die in das Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts führt. Marie, ein Mädchen vom Land, ist das liebevolle und geliebte Kindermädchen im Hause Arthur Schnitzlers. Durch den Dichter und den jungen Buchhändler Oskar entdeckt Marie Theater und Literatur. Durch Oskar erfährt sie auch, wie es ist, jemanden sehr gern zu haben. Kleinere und große Dramen im nahen Umfeld und der fernen Welt erschüttern nicht nur Marie. Hier ist wieder einmal ein Buch, das viel zu schnell ausgelesen ist und Sehnsucht nach einer Sommergeschichte weckt!

Eine kleine Familie

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Eugène Dabit: Petit-Louis, Schoeffling &Co € 22,00

Der erstmalig ins Deutsche übersetzte, 1930 im französischen Original erschienene Roman führt den Leser ins Paris von 1900 - 1920. Er erzählt von einer Arbeiterfamilie mit einem Sohn, Petit-Louis, die das einfache familiäre Miteinander lebt und liebt. Als der Ehemann und Vater zu Beginn des 1. Weltkrieges als Soldat fortgeht, ist dies für die Zurückbleibenden schwer zu ertragen. Petit-Louis ist als Jüngster an seiner Arbeitsstelle Hänseleien ausgesetzt und meldet sich freiwillig zum Militär, um sich zu beweisen und um die Welt zu sehen. Der Leser begleitet ihn in seiner Entwicklung vom Jugendlichen zum jungen Mann, in der Begegnung mit sehr verschiedenen Männern, die ihm Freunde werden und ihm sehr unterschiedliche Sichtweisen auf das Leben zeigen. Das Leben hinter und an der Front wird dem Leser vorstellbar und er hofft mit Petit-Louis, dass die kleine Familie wieder zusammenfinden möge. Eugéne Dabit hat autobiografische Erlebnisse in diesem Roman verarbeitet und eine sehr lesenswerte Liebeserklärung an seine Eltern und das Leben geschrieben.

Emotional und gut recherchiert

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Claire Winter: Die geliehene Schuld, Diana Verlag € 22,00

Dieser Roman lässt die Zeit nach dem 2.Weltkrieg in Deutschland nacherleben: Die kaputten Städte, der Verlust geliebter Menschen, die Sehnsucht nach einem Leben in Frieden. Vier junge Menschen werden sich in ihrem Wunsch, Wahrheiten über fatale Taten herauszufinden, in Lebensgefahr begeben. Denn Fragen nach Schuld und Vertuschung sind unerwünscht. Im Gegenteil: in der neuen Bundesrepublik werden zentrale Posten von ehemaligen Nationalsozialisten besetzt. Der Roman liest sich leicht und spannend, ist emotional packend und gut recherchiert.

Frankreich 1539

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Janet Lewis: Die Frau, die liebte, dtv € 18,00

Wie Liebe wächst, wie Sehnsucht blind macht, wie Schulgefühl zermartert, wie Liebe in Hass umschlägt - in dem Ambiente der Gascogne in der Mitte des 16.Jahrhunderts erlebt all diese Emotionalitäten eine junge Frau, Bertrande, die auf einen reichen Hof verheiratet wird. Das Buch gibt intensiven Einblick in den hierarchischen Alltag auf dem Land als auch einen sehr erstaunlichen, verwirrenden Prozess vor Gericht. Die Amerikanerin Janet Lewis, Zeitgenossin von John Williams und von ihm sehr geschätzt, schrieb diesen Roman 1941 und griff hiermit einen der berühmtesten Rechtsfälle Frankreichs auf. Nun ist der Roman erstmalig im Deutschen erschienen.

Münchner Bohème und Baltikum

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Bohème um 1900

Klaus Modick: Keyserlings Geheimnis, Kiepenheuer & Witsch € 20,00

Es ist die Zeit von 1875 in den Beginn des 20.Jahrhunderts. Eduard von Keyserling, Sohn aus baltischem Gutsadel, studiert in Dorpat Jurisprudenz, um dann in Wien zu entdecken, dass er sich im Literaturbetrieb heimisch fühlt. Nach einigen Jahren auf dem elterlichen Gut schließt er sich den Schwabinger Künstlerkreisen an. Es wird philosophiert, geraucht, getrunken und geliebt und jeder gerät mal mehr oder weniger in die Bredouille. Für die Sommerfrische haben die Künstler den Starnberger See entdeckt und so residieren dort Max Halbe, Lovis Corinth, Frank Wedekind und Eduard von Keyserling. Der Leser taucht ein in diese Idylle zwischen See, Schreibtisch, Staffelei und Kartenspiel. Klaus Modick ist es wieder einmal aufs Beste gelungen, sich in die Stimmung und Sprache einzufühlen, in der seine Protagonisten sich bewegen.
 

Neue dänische Krimiserie bei Diogenes

Katrine Engberg: Krokodilwächter, Diogenes Verlag 2018 € 22,00

Wie ist es möglich, dass der Mord an einer jungen Frau dem Manuskript einer Autorin gleicht, dessen Text nur ener kleinen Schreibgruppe bekannt war? Und welche Geheimnisse verbergen die Autorin oder der Vater des Opfers? Gute Polizeiarbeit ist gefragt. Und das Team um Jeppen Korner muss in alle Richtungen ermitteln. Ein solider Kriimi, der durch seinen eigenwilligen, mitunter auch aneckenden Kommissar besticht. Leider verlor sich der Spannungsbogen zwischen den vielen Verdächtiogen, so dass man schon einen langen Atem braucht.

Blutiger Racheakt

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Jesper Stein: Aisha, Kiwi TB 2018 € 9,99

Ein grandioser Politthriller aus Dänemark, der den Leser tiefe Einblicke in die Arbeit des dänischen Geheimdienstes PET gibt. In zwei Zeitebenen nimmt der Autor ihn mit, um live bei einem groß angelegten Anti-Terror-Einsatz dabei zu sein, während man bereits weiß, dass in der Gegenwart einer der führenden Leiter der Aktion aufs Brutalste ermordet wurde. Komissar Axel Steen ist einer der Besten in seinem Beruf, nur leider gerade erst wieder nach einer langen Verletzungspause zurück in den Dienst. Noch hat er nicht überwunden, dass er bei einem Einsatz fast uzmgekommen wäre, dass sein exzessiver Drogen- und Alkoholkonsum seine Ehefrau vertrieben hat und auch seine Tochter Emma unter massiven Ängsten leidet, ihren Papa zu verlieren. Doch gerade sie wird am Ende Teil des Racheaktes des Mörders und zugleich ungewollt zur Heldin. Fesselnd von der ersten bis zur letzten Seite und im Kampf gegen den IS-Terror hochaktuell.

Kiel mitten im 1. Weltkrieg

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Kay Jacobs, Kieler Helden, Gmeiner Verlag € 13.-

Ein aufs Äußerste gequältes Mordopfer und ein vergiftetes Ehepaar, beide Fälle lassen am Anfang der Ermittlung viele Fragen offen, und doch müssen sie aufgeklärt werden. Kriminalkommissar Rosenbaum und seine Assistentin Hedi verbindet die gemeinsame akribische Suche nach dem Mörder. Sie werden nicht ruhen, ehe sie wissen, wer den Oberarzt einer Nervenklinik auf dem Gewissen hat. Und kaum führt sie ihre Recherche dorthin, wo auch erste Kreigsopfer behandelt werden, gibt es eine weitere Leiche. Ein sympathisches Team, ein interessant aufgebauter Krini mit einem soliden Spannungsbogen, eingebettet in unruhige Zeiten. Der historische Hintergrund ist bei diesem Krimi gut erfasst, der Leser findet sich mitten unter den Hungerkrawallen. den ersten Kriegsopfern und solchen, die gerade erst hoffnungsvoll in den Krieg ziehen.

Deutschland, Texas, Utah

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Hannes Köhler: Ein mögliches Leben, Ullstein Verlag € 22,00

1944 in der Normandie: Franz, ein junger deutscher Soldat, wird Kriegsgefangener der USA. Auf der Schiffspassage lernt er Paul kennen: Amerikaner mit deutschen Wurzeln, der gegen den Willen seiner Eltern freiwillig als Wehrmachtssoldat nach Deutschland gegangen war. Sie werden nicht nur Freunde sondern auch "Prisoners of war". Sie merken sehr bald, dass es auch innerhalb des Gefangenenlagers Fronten gibt: die weiterhin Nazitreuen und die, die sich vom Hitlerregime und dessen Kriegshandlungen distanzieren. Es bleibt nicht bei Worten und Drohungen sondern kommt zu brutalen Angriffen bis hin zu Mord. Umrahmt wird dieser zeitgeschichtlich spannende Teil des Romans von der Familiengeschichte der Hauptfigur Franz. Aus was für einer Familie kommt er, wie wirkt sich das Erlebte auf seine Beziehung zu Frau und Tochter aus und was geschieht zwischen ihm und seinem Enkel, als dieser mit dem inzwischen fast 90-jährigen an die Orte seiner Vergangenheit in Texas und Utah reist? Ein sehr gut geschriebener, fesselnder Roman über ein ganz besonderes Kapitel des 2. Weltkrieges in Verknüpfung mit einer Familiengeschichte, die zum Nachdenken anregt.

Ein Dorf im Apennin

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Maria Rosaria Valentini: Magnifica, Dumont Verlag € 22,00

Das Leben in einem kleinen abgelegenen Ort im Apennin - es sind zunächst die Jahre nach dem 2. Weltkrieg, der Roman erzählt über vier Generationen. Die landwirtschaftlichen und kirchlichen Regeln bestimmen die Tage der ganz einfachen und doch so unterschiedlichen Menschen mit ihren Hoffnungen und Enttäuschungen, ihren Ängsten und deren Bewältigung, den sich entfremdenden Beziehungen und den wachsenden Freundschaften. Zentrale Figur ist Ada Maria, die ihre Mutter früh verliert, ihren Bruder großzieht und sich als junge Frau Schritt für Schritt dem deutschen ehemaligen Soldaten Benedikt nähert, der seit Endes des Krieges in einer Berghöhle lebt. Was es mit dem Namen Magnifica auf sich hat, welche Höhen und Tiefen Ada Maria und die Menschen um sie herum erleben, wird in diesem Roman überzeugend und einfühlsam erzählt.

Verstörende Jungfernfahrt

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Verstörende Jungfernfahrt

Ruth Ware, The woman in cabin 10, dtv TB 2018 €15,90

Die junge Journalistin Lou hat nicht nur ein Problem: ihr Freund ist viel zu selten greifbar, wenn sie ihn braucht, ein Einbrecher taucht in ihrer Wohnung auf, raubt sie während ihrer Anwesenheit im Schlafzimmer aus, und was noch viel schlimmer ist, seitdem weiß sie nicht mehr, wem sie trauen kann und wem nicht. So gesehen könnte man Lou als emotionales Wrack bezeichnen, die sich mit Alkohol und Antidepressiva über Wasser hält. Doch die beherzte Journalistin ist auch eine Kämpferin, und da sie ihren Job ernst nimmt, geht sie auf die Jungfernfahrt eines Kreuzfahrtschiffes, das im Besitz eines reichen Investors ist. Dort taucht allerdngs nicht nur die Konkurrenz auch auf, sondern ein gewaltiges Problem - Lou wird nachts Zeugin, wie jemand über Bord geworfen wird, doch keiner der Passagiere wird vermisst... ist Lou verrückt oder auf der Spur eines grausamen Verbrechens? Der Thriler ist bis zuletzt spannend und mehr als nervenaufreibend.

Was ist wirklich geschehen?

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Megan Miranda, Tick Tack - Wie lange kannst du lügen?, Penguin TB 2017 €15,00

Am Anfang weiß der Leser nur, dass die Protagonistin Niceolette mit einem Geheimnis kämpft,  das mit ihrer Vergangenheit und mit dem Ort, an dem sie aufgewachsen ist, zusammenhängt. Doch dann nimmt die Geschichte ihren Lauf, rückwärts von Tag 15 bis zum Tag 1 erzählt, und nichts ist so, wie man anfangs gedacht hat. Ein interessanter Thriller, psychologisch dicht, intelligent konstruiert, mit einer klaren und dennoch eindringlichen Erzählstimme. Hiier steht das sich Erinnern und Aufarbeiten von Vergangenem im Vordergrund und nicht spannungsgeladene Action,  aber gerade das macht Nicolettes Geschichte besonders.

Kinderkrimi in Cornwall

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Sabine Ludwig, Pandora und der phänomenale Mr Philby, Dressler 2017 €14,99

Cornwalls Küste bietet Sabine Ludwig für ihren Kinderkrimi einen gelungenen HIntergrund. Ein in die Jahre gekommenes Hotel, dem die Gäste ausbleiben, die fast dreizehnjährige Pandora, die mir ihrer Mutter fürchtet, bald alles aufgeben zu müssen. Dann aber tauchen der mysteriöse Mr. Philby, dem Pandora von Anfang an nicht über den Weg traut, und Ashley, ein Junge aus besseren Kreisen, den Pandora von ihrer Großmutter als Feriengast aufs Auge gedrückt bekomt, auf. Statt die Ferien mit ihrem besten Freund Zack zu verbringen, findet sich Pandora unverhofft mit ihm im Streit, weil er ihr in Sachen Mr. Philby nicht glauben mag, und dafür mit Ashley verbündet, der ihr zumindest bei ihren heimlichen Nachforschungen nicht im Wege steht. Und siehe da, die Küste von Port Arthur ist gefährlich, eine Leiche taucht auf, Mr. Philby verstrickt sich in Lügen, und die drei Kinder geraten am Ende so richtig in Gefahr. Ein gelungener Krimi, der mit dem gewohnten Witz der Sabine Ludwig und einer Portion Spannung daherkommt.

30. Januar 2018, 19:30 Uhr: Jaromir Konecny liest aus „Die unglaublichen Abenteuer des Mirgranten Nemec“

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Jaromir Konecny: Die unglaublichen Abenteuer des Mirgranten Nemec, Ecowin Verlag 2017 € 20.-

"Arm sind die Menschen, die keine Geschichten haben."
Zitat aus Konecny: Die unglaublichen Abenteuer des Migranten Nemec
Selbst in Prag geboren und 1982 nach Deutschland emigriert, erzählt Konecny vom schelmisch, tragischen Flüchtlingsdasein seines Helden Lolek Nemec. Die Übersetzung seines tschechischen Nachnamens "Nemec" lautet "Deutscher", ein Grund, warum Nemec schon immer meinte, nach Deutschland zu gehören. Hochmotiviert hier sein Leben zu meistern, stolpert der Migrant und Geschichtensammler durch ein deutsches Leben in und um München, welches von osteuropäischen Lebensgewohnheiten geprägt bleibt. Die Sache will  ihm nicht ganz gelingen. Auf der Suche nach seinem Glück und immer neugierig auf alle Menschen, denen er begegnet, führt er den Leser in ein amüsantes, sprachwitziges, episondenhaftes Lesevergügen unseres schrecklich herrlichen Miteinander.

12. April 2018, 19:30 Uhr: „Schau mir in die Augen, Dürer“ Alte Meister neu entdeckt mit Susanna Partsch

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Susanna Partsch: Schau mir in die Augen, Dürer. Die Kunst der alten Meister erklärt von Susanna Partsch, Beck Verlag 2018 € 28.-

Weshalb trägt Maria immer einen blauen Mantel? Wieso malte Rubens mit Vorliebe füllige Frauen? Wie lassen sich große Formate, die durch keine Tür passen, transportieren?
Reden wir hier wahrlich über 500 Jahre alte Schinken? Die ästhetische Aufmachung mit Fotos von ungeahntem, musealem Treiben sind ein Hingucker. Susanna Partschs erhellenden Erklärungen fesseln wie ein Krimi. Sie liefert wohldosierten Einblick, Aha-Erlebnis und packendes Detail in rasantem Wechsel. Ein Buch, mit dem man gleich ins nächste Museum laufen möchte.

Die Veranstaltung eignet sich für Erwachsene und junge Erwachsene, Kunstliebhaber und -banausen, denn dieser enträtselnde, klare Blick auf die Kunst kann eine Liebe fürs Leben begründen. Eintritt: € 5.- Um Anmeldung wird gebeten.

17. Januar 2018, 19.30 Uhr: Birgit Müller-Wieland liest aus ihrem Roman „Flugschnee“

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Birgit Müller-Wieland: Flugschnee, Otto Müller Verlag 2017 € 20.-

In diesem vielschichtig komponierten Familienroman wird deutlich, wie Verstrickungen der Vergangenheit Auswirkungen auf die Gegenwart haben. Lucy, eine junge Frau in Berlin begibt sich nach dem Verschwinden ihres Bruders auf Spurensuche. Der Roman stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis und fasziniert in seiner sprachlichen Schönheit und subtil aufgebauten Spannung.
Wir freuen uns darauf, einen interessanten Lesungsabend mit Ihnen zu verbringen! Einritt € 5.- Um Anmeldung wird gebeten.

 

Donnerstag, 8. März 2018, 19:00 Uhr: Thomas Steinfeld im Gespräch zu seiner Neuübersetzung von Selma Lagerlöfs Nils Holgersson

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Selma Lagerlöf: Nils Holgerssons wunderbare Reise durch Schweden, Die Andere Bibliothek € 24.-

Aus dem Schwedischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Thomas Steinfeld. Bereichert mit Zeichnungen von Bertil Lybeck. Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 in der Kategorie Übersetzung.

Thomas Steinfeld, Sprachakrobat und -virtuose, Literaturkenner und -kritiker hat sich daran gemacht das 700 Seiten umfassende, bekannteste Werk von Selma Lagerlöf neu und erstmals vollständig ins Deutsche zu übertragen. Herausgekommen ist ein großartiger Schmöker, eine federleichte, literarische und luftige Bildungsreise, die uns in die Kultur- und Naturlandschaften Schwedens entführt. Nun, hundert Jahre nach seinem Erscheinen, in neuem Sprachgewand, ist es ein lohnenswerter Klassiker für Jung & Alt. Dank Steinfelds Sprachkunst wirkt Lagerlöfs Text, literarisch gestaltet und doch so originär als möglich, erstaunlich modern. Für den Lesegenuss ist es dabei völlig unerheblich, ob man Schwedenkenner ist, oder bisher geglaubt hat, Småland läge gleich links hinter dem IKEA Eingang.

Neben Lesepassagen aus dem Buch und Fragen zum Unterfangen der Übersetzung wollen wir mit Thomas Steinfeld über seine Leidenschaft zu diesem Werk, zu Sprache und Literatur ins Gespräch gehen. Die Veranstaltung eignet sich für alle neugierigen, erwachsenen und jugendlichen Zuhörer und Leser.

Eintritt € 5,- Um Anmeldung wird gebeten.

Unvergessliche Geschmackssymphonie

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Diana Hillebrand: Zuhause im Café, Volk Verlag, € 29,90

Kaffee und andere Köstlichkeiten

"Das kenn ich doch!", "das sieht gemütlich aus, da will ich mal hin", "dieses Buch schenke ich meiner Freundin und lade sie zum Cappuccino ein ins Café ihrer Wahl "- so und ähnlich hören wir unsere KundInnen, wenn sie in dem neu erschienenen Buch über Münchens individuellen, inhabergeführten Cafés blättern. Diana Hillebrand besuchte sie und sprach mit den Besitzern, Johannes Schimpfhauser bannte das Ambiente auf stimmungsvollen und detailreichen Fotos, Rezepte zum Nachahmen finden sich auch. Ein rundum geglücktes Buch!

Zum Anbeißen

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Titel Franz Hohler: Das Päckchen, Luchterhand, € 20,00

Am besten: Einpacken!

In Franz Hohlers Roman "Das Päckchen" spielt das Unplanmäßige eine große Rolle. Der Bibliothekar Ernst nimmt einen Anruf in einer Telefonzelle entgegen - er weiß auch nicht, warum er es tut und warum er dann auch noch dem Wunsch der Anrufenden folgt. So gelangt er in Besitz eines Päckchens, das eine wertvolle alte Handschrift enthält. Ernst verstrickt sich in Nachforschungen und Lügengeschichten und merkt, dass er nicht der einzige ist, den dieses alte Werk interessiert. Sehr geschickt webt der Autor in diese Geschichte, die zu unserer Zeit spielt, einen historischen Erzählstrang im 8.Jahrhundert ein. "Das Päckchen" ist ein guter Unterhaltungsroman, der sowohl Spannung aufbaut als auch Beziehungsthemen verhandelt und in die schneebedeckten Schweizer Berge führt. EIn Roman, der die verschiedensten Leser anspricht - geradezu prädestiniert dafür, zu einem Päckchen geschnürt zu werden!

 

 

 

 

1971er Cuvée mit lebendigem, autobiografischen Bouquet

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Ijoma Mangold: Das deutsche Krokodil, Rowohlt, € 19,95

Identitätssuche

Das erste Buch des Literaturkritikers Ijoma Mangold ist nicht nur eine Autobiografie, sondern gleichzeitig ein interessantes Gesellschaftsportrait des Deutschlands der 70er - 90er Jahre. Ijoma Mangold, Sohn einer schlesischen Mutter und eines nigerianischen Vaters, der kurz nach der Geburt des Sohnes nach Afrika zurückging und den Mangold erst mit 22 Jahren kennenlernen sollte, wuchs in einer geschützten Welt in Heidelberg auf. "Der Junge", wie Ijoma Mangold von sich selbst in der Kindheit erzählt, hat einige Besonderheiten in sein Leben zu integrieren: Die Abwesenheit des Vaters, eine unkonventionelle Mutter und eine andere Hautfarbe. Ihn beseelt die Sehnsucht nach Assimilation, die ihm so gut gelingt, dass er erst in seiner Jugend, nach dem Abitur, eine ganz neue Seite seiner Identität entdeckt: Bei Aufenthalten in den USA und bei seinem ersten Kontakt mit der afrikanischen Familie seines Vaters. Der Leser kann sich über durchaus komische Aspekte erzählter Anekdoten amüsieren, hat aber nie das Gefühl, ein Voyeur zu sein und fühlt sich angeregt, an eigene Erlebnisse zu denken als auch über die Entwicklung des Kindes zum Erwachsenen im Allgemeinen zu reflektieren. Möge "Das deutsche Krokodil" nicht der einzige Roman von Ijoma Mangold bleiben!