10 kleine Burggespenster: eine neue Serie zum Anbeißen

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Susanne Göhlich: Die Gespensterküche, Orell Füssli 2017 € 8,95

Die 10 kleinen Burggespenster sind nicht zu verwechseln. Da sind Marti mit der blauen Pudelmütze und Luzi mit einem Kleid, so bunt wie Bonbonpapier und sogar ein schwarzes Gespenst ist unter ihnen. In den Hartpappebüchern geht es rythmisch beschwingt zu, wie bei Göhlichs Lena. Von Reim zu Reim entwickelt sich die Geschichte. In der Gespensterküche fehlt das Apfelmus und "Baldin saust schnell hinaus zum Geschäft von Onkel Klaus." Schließlich hat er die große, rote Umhängetasche. Doch ach, was sieht er nicht alles Tolles auf seinem Weg und am Ende weiß er nicht mehr, was er holen wollte. Die kleine Geschichte nimmt eine unverhoffte Wendung. Klug und mit Witz komponiert sind diese liebenswerten Gespensterbücher ein gelungener Vorlesespaß in dem sich ein ganzes Gespensteruniversum eröffnen kann, wenn man später zu den Vorlesebüchern der Serie greift.

Kinderleichte Angstbewältigung mit dem Wilden Watz

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Edouard Manceau: Der Wilde Watz, Moritz Verlag 2017 € 14.-

Angst entsteht im Kopf. Gesehenes wird abgespeichert und zu Neuem kombiniert. Und in nächtlicher Schwärze steht er plötzlich da, der Wilde Watz: Arme und Beine wie Baumstämme, der Körper so groß wie ein Haus, die Ohren wie Fenster und Türen. "Aber du machst mir keine Angst",  sagt die kleine Erzählstimme in diesem minmalistischem Bilderbuch, dem es in seinem Spiel mit wenigen farigen Formen an nichts fehlt, mit Bestimmtheit aus dem Off. Einmal an Ohren und Zähnen gekitzelt und schon finden die Elemente an ihren ursprünglichen Platz in der Welt zurück. Die Hörner bilden den Mond, die Zähne das Gras. Ein Haus, ein Wald, ein Auto mit Anhänger. Die Augen des großen gruseligen Watzes sind als Letztes dran. Sie rollen erst erstaunt, kurz darauf neugierig, später ein wenig beschämt, dann ängstlich hin und her, bis sie ihren Platz als Wagenräder finden. Nu ist er weg! Wo man den wilden Watz vielleicht gerade ins Herz geschlossen hatte. Macht nichts. Einfach das Buch wieder von vorne aufschlagen. Da ist er wieder! Dieses Buch ist einfach perfekt. Für Ängstliche und Monsterfans, für Verspielte und Neugierige. Für Groß und Klein!

Luther 500 & Rudi 70: Rudolf Herfurtner liest aus Magdalena Himmelstürmerin und wir feiern Geburtstagsparty

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Rudolf Herfurtner: Magdalena Himmelsstürmerin, Gerstenberg Verlag € 12,95

Luther lässt grüßen!

1517 in Brandenburg: Magdalena lebt in Jüterborg. Sie kann weder schreiben noch lesen. Das Denken über die Welt erschließt sich für sie aus dem, was sie in der Kirche von der Kanzel hört. In Jüterborg predigt Johannes Tetzel. Er treibt das Geld für die Kirche durch den Ablasshandel ein. Als Magdalenas Vater bei einem Grubenunglück ums Leben kommt, schickt die Mutter sie zur Tante nach Wittenberg. Hier predigt und denkt man ganz anders. Magdalena kommt in Berührung mit den Studenten der jungen Universität, mit Luther und Melanchthon, und langsam formt sich in ihr ein neues Weltbild. Herfurtner versteht es historisch packend zu inszenieren und dabei Detailwissen der Lutherzeit zu vermitteln. Wir freuen uns, wenn an diesem Abend, kurz vor dem 500 Jahrestag des Anschlags der Thesen zu Wittenberg, Jugendliche wie erwachsene Zuhörer mit dem Autor über Luther und seine Zeit ins Gespräch kommen.

Vor Bienen muss man keine Angst haben

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Deutscher Jugendliteraturpreis 2017, Sachbuch

Pjotr Socha, Bienen, Gerstenberg 2016 € 24,95

"Vor Bienen muss man keine Angst haben", verriet uns Pjotr Socha, Sohn eines Imkers, in einem Gespräch. "Mein Vater hatte manchmal 50 Bienenstiche auf ein Mal." Ein wenig ähnelt er beim Erzählen dem Bären auf dem Plakat zu seinem Buch, rund, langsam und gemütlich, vor allem jedoch neugierig und naturverbunden. Ohne die Biene sähen wir ganz schön traurig aus. Nicht nur, weil Honig so gut schmeckt und die Biene beim Nektar sammeln sehr viele Pflanzen bestäubt. Die Menschen haben der Biene auch viel abgeguckt. Ihre Material sparenden, leichten aber extrem stabilen und praktisch konstruierten sechseckigen Wachswaben zum Beispiel. "Dass ein Bienenschwarm von einer Königin statt eines Königs regiert wurde, konnten die Menschen lange nicht glauben", erzählt Socha und schmunzelt verschmitzt. Für sein Steinzeit-Imker-Paar hat er den Kopf samt dicker Nase einfach gespiegelt. Die Nase der Mumie im Sarkophag der Ägyter, auch sie betrieben schon Imkerei, liebt er besonders. Groß und dick steht sie aus dem Sarkophag heraus. Auch spürt man die Freude, die er dabei hatte, seine eigene Bienen-Hieroglyphenschrift für diese Seite zu entwickeln. Seine Leidenschaft für Bienen und sein feiner Humor zieht sich durch all seine Illustrationen.

Düsteres Szenario im Weltall

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Düsteres Szenario im Weltall

Amie Kaufman: Illuminae. Die Illuminae Akten 01, dtv 2017 €19,95

Das Autorenteam Kaufman und Kristoff hat in meinen Augen etwas Einzigartiges geschaffen, denn jede Seite birgt eine Überraschung an Geschichte, aber auch an gestalterischen Merkmalen. Bald schon weiß der Leser, mit wem er es zu tun hat, wenn die Seiten schwarz gefärbt sind und winzige Buchstaben, Worte oder kurze Sätze darüber hüpfen, er ahnt, warum die Kameraaufzeichenungen von so großer Bedutung sind. Von den ersten Seiten an ist man in der Geschichte gefangen: ein kaum vorstellbarer Weltraumkrieg, rückblickend erzählt, wobei die Anzahl der Überlebenden bis zum Schluss offen bleibt, vor allem das Überleben der beiden jungen Hauptprotagonisten Kady und Ezra. Der Leser begleitet das grausame Szenario anhand rekonstruierter Aufzeichnungen, Befragungen, geheimer Dossiers, privater Chats über gehackte Kanäle und Kameraaufzeichnungen. Dabei ist die Bedrohung auf jeder Seite spürbar: werden sich die Raumnschiffe gegenseitig im Weltall zerstören, wird der Feind siegen? Eine fast schon makabre Faszination geht von der Story aus, in der Menschenleben von einer künstlichen Intelligenz ohne zu zögern ausgelöscht werden, eine unkontrollierbare Biowaffe auf die Besatzung eines der Raumschiffe  losgelassen wird, die atomaren Sprengköpfe ausgefahren werden, und man irgendwann nicht mehr weiß, wer Feind und wer Freund ist. Brutal, gnadelnlos, zukunftsträchtig, undan Dramatik nicht zu überbieten. Mein persönliches Highlight in diesem Herbst!

 

Ein Bunker, ein Angriff und nur drei, die sich wehren können

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Andy Briggs: Inventory 01. Der Tresor der gefährlichen Erfindungen, Arena 2017 € 9,99

Seit seine Eltern auf mysteriöse Weise verschwunden sind, lebt Dev bei seinem Onkel auf einer Farm. In der Schule ist Dev ein Außenseiter. Doch als eines Tages seine Klassenkameraden Lot und Mason bei ihm auftauchen, greift plötzlich eine kleine Armee die Farm an. Sie will in das Inventory eindringen. Dabei handelt es sich um einen unterirdischen Bunker, in dem hochgefährliche Erfindungen wie Waffen und Spezialfahrzeuge lagern. Mit Hilfe einiger dieser Hightechwaffen sind Dev, Mason und Lot die einzigen, die die Angreifer daran hindern können. so beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, und bald auch ein Wettlauf ums Überleben. Mir hat das buch gefallen, weil es schon nach ein paar Seiten sehr spannend ist. Der Leser weiß ebenso wenig, wie die drei Hauptfiguren, hinter was die Angreifer her sind. Die drei sind in großer Gefahr und der Leser fibert mit ihnen mit. am Schluss macht Dev eine schreckliche Entdeckung und man will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Fortsetzung folgt...

Brüderzwist

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H.Rath und E.Rai: Bullenbrüder, Wunderlich Verlag 2017 €19,95

Zwei Brüder, die das Interesse am Aufklären eines Mordes teilen, mehr aber auch nicht. Denn während der korrekte Kriminalhauptkomissar Holger Brinks im Fall eines ermordeten Unterweltbosses ermittelt, arbeitet sein Bruder Charlie gezwungenermaßen als Privatdetektiv auf der Seite eines der Verdächtigen, um seine Schulden bei diesem loszuwerden. Doch im Laufe der Zeit kommt er immer mehr zu der Überzeugung, dass sein Auftraggeber unschuldig ist und hofft, auch seinen Bullenbruder davon zu überzeugen. So korrekt und nüchtern Holger Brinks ist, so spontan und chaotisch arbeitet Charlie Brinks. Wie beide sich aus gegebenem Anlass zusammenraufen müssen, obwohl Holger die Lebensweise seines Bruders missfällt, sorgt für viel Reibung, Witz, aber auch Brüderzusammenhalt. Ein durch und durch gelungener Krimi mit Witz, einer pointierten Sicht auf die Figuren, und bei alle dem taucht man ein in die Berliner Unterwelt.

 

Krimi? Roman?

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Tanguy Viel: Selbstjustiz, Wagenbach Verlag, € 20,00

"Selbstjustiz" ist eindeutig ein Roman, ein Roman mit Mord: Dass Martial Kermeur einen Mann vom Boot ins Meer gestossen hat und weggefahren ist, weiß der Leser schon auf Seite 2. Dass dieser ertrank, erklärt sich von selbst. Nun sitzt Kermeur dem Richter gegenüber, einem guten Zuhörer. Was geschah, wie kam es zu der Tat? Kermeur kann erzählen, Tanguy Viel kann erzählen. Der Leser profitiert davon: eine gute Sprache, interessante Beschreibungen und Vergleiche. Und ein beglückendes Ende!

Spurensuche

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Birgit Müller-Wieland: Flugschnee, Otto Müller Verlagsgesellschaft, € 20,00
Die Vergangenheit schlummert in uns, wacht auf, irritiert uns und lässt uns plötzlich Begreifen - Lucy, eine junge Frau in Berlin, ist auf innerer Spurensuche, die ihr das Verschwinden des Bruders erklären kann. Was geschah im WInter vor 20 Jahren? Was erlebten damals sie und ihr Bruder als Kinder, was ging in ihren Eltern und Großeltern vor? Es ist faszinierend, wie Birgit Müller-Wieland Gedanken, Gefühle, Seelenzustände und Atmosphären beschreiben kann. Ihr Roman ist eine vielschichtige Komposition und während der Leser mit der Protagonistin nach Antworten sucht, stehen diese ganz unvermutet im Raum. Ein Familienroman ganz besonderer Art!

24. April 2018, 19:30 Uhr „Brieflieder“ mit Johannes Öllinger & Alois Prinz

Briefe von der Reise, aus dem Exil, aus dem Gefängnis, an eine Freundin, den Liebhaber, die Ehefrau - Briefe von Bismarck, Bonhoeffer, Tucholsky und Koeppen, von Celan an Bachmann, Kafka an Milena oder Rosa Luxemburg an Sophie Liebknecht. Als musikalische Begleitung zu Auftritten des Biografen Alois Prinz, begann Johannes Öllinger ausdrucksstarke Sätze aus Briefen zu sammeln und sie zu Briefliedern zu komponieren. An diesem Abend kommen kleine Meisterwerke zu Gehör. Alois Prinz wird biografisch begleitend in die Absender einführen.

30. Januar 2018, 19:30 Uhr: Jaromir Konecny liest aus „Die unglaublichen Abenteuer des Mirgranten Nemec“

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Jaromir Konecny: Die unglaublichen Abenteuer des Mirgranten Nemec, Ecowin Verlag 2017 € 20.-

"Arm sind die Menschen, die keine Geschichten haben."
Zitat aus Konecny: Die unglaublichen Abenteuer des Migranten Nemec
Selbst in Prag geboren und 1982 nach Deutschland emigriert, erzählt Konecny vom schelmisch, tragischen Flüchtlingsdasein seines Helden Lolek Nemec. Die Übersetzung seines tschechischen Nachnamens "Nemec" lautet "Deutscher", ein Grund, warum Nemec schon immer meinte, nach Deutschland zu gehören. Hochmotiviert hier sein Leben zu meistern, stolpert der Migrant und Geschichtensammler durch ein deutsches Leben in und um München, welches von osteuropäischen Lebensgewohnheiten geprägt bleibt. Die Sache will  ihm nicht ganz gelingen. Auf der Suche nach seinem Glück und immer neugierig auf alle Menschen, denen er begegnet, führt er den Leser in ein amüsantes, sprachwitziges, episondenhaftes Lesevergügen unseres schrecklich herrlichen Miteinander.

Neugieriges Miteinander

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Martin Baltscheit: Besuch Aus Tralien, Dressler 2017 € 12,99

Neugierig und eifrig macht sich die Austauschfamilie ans Werk. Ihr eigenes Kind haben sie nach Australien geschickt und dafür einen Gastschüler bekommen. Dave. Er ist grün und hat den Mund voll spitzer Zähne, die er nie putzt. Tagsüber schläft Dave am liebsten im Gartenteich und sein Lieblingswort ist "Koi". Die Schule klagt über mangelndes Anpassungsvermögen. Integration ist gefragt. Alles nicht so einfach, aber sehr lustig, bildhaft und ein richtiger Selbstlese- oder Vorlesespaß im Grundschulbereich, bei dem man mal die Perspektive der Eltern und mal des grünen Gastes einnimmt. Am Ende hat es ihm richtig gefallen und auch das eigene Kind kommt strahlend und um einige Erfahrungen reicher zurück. Was wird er wohl in seiner Gastfamilie erlebt haben? 

Hurra, ein neuer Rico ist da!

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Am Sonntag, den 19. November 2017 um 11:00 Uhr liest Andreas Steinhöfel in einer Familienmatinee aus "Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch". Diese Veranstaltung ist eine Kooperation des Buchpalastes mit der Münchner Volkshochschule "Einstein 28". Zum Kartenvorverkauf geht es hier....

Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch, Carlsen  2017 € 14,99

"Es sind nur zwei Geburten in einem Schneesturm." "Klar, wie jedes Jahr zu Heiligaben", murrte Lars. "Hatte ich fast vergessen. Was reg' ich mich eigentlich auf?" Zitat aus Steinhöfel: Rico, Oscar und das Vomhimmelhoch.
Auch am 24. Dezember ist in der Dieffe 93 richtig was los. Oskar und sein Papa Lars sind in Ricos alte Wohnung eingezogen. Rico, Mama und der Bühl wohnen in einer Doppelwohung unterm Dach und bald wird Rico großer Bruder werden. Rico und Oskar wollen noch schnell die letzten Geschenke kaufen, im  Schneegestöber. Weihnachtlich romantisch? Als Oskar sich wiederholt seltsam benimmt ist Rico sicher, dass er ein Geheimnis hat und das muss dringend aufgeklärt werden. Rico ist in allem ein ganzes Stück gewachsen. Man zittert und lacht. Und wie bei allen guten Büchern, beginnt am Ende eine ganz neue Geschichte, der man, für einen Moment, ist ja Weihnachten, alles Liebe und Gute wünscht, bevor man in die Realität zurücktaucht und denkt: Na, schaun mer mal. Ein rundum gelungener vierter Band, der sich allemal zu lesen lohnt. Nicht nur an Weihnachten!

Zur blauen Stunde über Kunst, Lyrik & Musik mit Quint Buchholz & Dorothée Kreusch-Jacob

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Dorothée Kreusch-Jacob, Quint Buchholz: Sonne, Mond und Abendstern, Hanser Verlag 2017 € 24.-

Kostbar für alle ist der Moment, in dem die Nacht den Tag umfängt. Die blaue Stunde birgt so manchen Zauber und lässt den Menschen innehalten. Erst wenn die Eltern zur Ruhe kommen, finden auch die Kinder den Schlaf. Dieses Buch ist ein musikalisch, literarisch und künstlerischer Schatz zur Blauen Stunde. Es regt zum Singen an, egal wie tonsicher man trifft, entschleunigt und darf in keinem Kinderzimmer fehlen. Quint Buchholz und Dorothée Kreusch-Jacob erzählten an diesem Abend von ihrer Kunst, von Lyrik und Musik zur Blauen Stunde und von der Bedeutung von Abendritualen. Sie gaben Kostproben an der Gitarre  und von Texten aus ihrem neuen Buch „Sonne, Mond und Abendstern“.

In der Fremde

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Theodora Bauer: Chikago, Picus Verlag, € 22,00

Es ist Anfang der 20er Jahre, als sie auswandern: Feri und Katica, ein junges Paar und Katicas Schwester Ana. Mit großen Hoffnungen auf ein glücklicheres, freieres, reicheres Leben ziehen sie aus dem östereichisch/ungarischen Grenzgebiet nach Chikago. Doch einfach ist es nicht in der Fremde, die nur der stillen Ana und ihrem Neffen Josip vorübergehend Heimat werden wird. In all ihrer Schlichthiet ist Ana ist die zentrale Figur, sie ist groß im Erspüren und Beobachten und zögert nicht, zu Handeln. Der Roman zieht den Leser immer mehr in den Bann, lässt Spannung wachsen und vermittelt eindrücklich ein Stück Gesellschafts- und Zeitgeschichte.

Faustfestival im Juni 2018: Aus dem Leben eines Buchbewohners

Faust lebt im Buchpalast. Faust lebt in München. Faust lebt 2018.

Vor drei Jahren begann Michael Weiser Goethes Faust Zeile um Zeile auswendig zu lernen. Heute bewohnt er das Buch wie kein anderer. Am 11. Juni wird er als Buchbewohner in den Buchpalast einziehen und hier bis zum 30. Juni spontan anzutreffen sein. An drei festen Spielabenden präsentiert er zusammen mit Anette Spieldiener unterschiedliche Aspekte seines Lebens mit, in und als Faust. Meditativ, rastlos, originell, München bezogen, identitätsstiftend und aktueller denn je. Alle Zuhörer sind jederzeit willkommen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. In diesem Zeitraum bitten wir Besucher auch um ihr liebstes Faustzitat. Wer zum krönenden Palastfest am 30. Juni drei Faustzitate dieser Besuchersammlung in Akt und Szene einzuordnen vermag, nimmt an der faustischen Preisverleihung teil.

Reise ins Erdinnere

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Andreas Pflitsch, Dirk Steinhöfel: Irgendwo brennt ein Feuer im Eis, Arena Verlag 2017 €19,99

Der zweite Urlaub bei Urgroßvater Elias, einem Höhlenforscher, beginnt mit einer Schnitzeljagd und verspricht Abenteuer und eine erkenntnisreiche Reise ins Erdinnere. Dieses Mal ergründen Jonas und Sophie den Vulkanismus in Alaska und die alten Gold- und Kupferminen. Dinge, die immer da zu sein scheinen und sich, sehr langsam, doch wandeln. Das unkonventioll gemachte Sachbuch ist Tage- und Wissensbuch zugleich, bei dem Dirk Steinhöfel digitales  Bildmaterial und Fotos für das Entdeckerauge auf verschiedenen Ebenen collagagiert. Das Sachwissen kommt von Andreas Pflitsch, der in der Lava- und Eishöhlenforschung arbeitet.  Tackerklammern, Knöpfe und Schüre halten die Puzzelstücke zusammen, die nach und nach in Raum und Zeit ein Ganzes ergeben. Zum Greifen nah kommen dabei nicht nur der Schnee und die verschiedenen, sich bei Hitze bildenden Gesteine und Erze, die ein Vulkan dann aus den Tiefen an die Erdoberfläche schleudert, auch für die Plattenbewegungen am Meeresgrund und Faltprozesse an der Erdoberfläche finden die Autoren gut nachvollziehbare Beispiele. Ein Buch zum Vor- und Selberlesen, zum Beobachten und Entdecken, vielleicht gleich hinter der eigenen Haustür, denn vulkanische Überreste gibt es überall auf der Welt.