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Clémentine Beauvais: Die Königinnen der Würstchen, Carlsen Verlag 2017 €16,99

Man stelle sich drei füllig Grazien auf der Landstraße vor, die in einer Facbookumfrage zu Hässlichkeitsköniginnen ihrer Schule gewählt wurden, dazu drei nicht passende Räder samt Anhänger für Würstchenverkauf und einen unschlagbaren Plan. Beauvais schickt alles auf eine Reise nach Paris, würzt mit Witz, Schlagfertigkeit, ja Klugheit und einer Reihe interessanter menschlicher Begegnungen. So macht sie aus typischen Mobbingopfern charismatische Mädchen voller Elan, welche die Herzen der LeserInnen im Sturm erobern. Beauvais entfesselt sie von Anbeginn rasant. Die schmerzlichen Tränen der gefühlsbetonten „Goldwurst“ Astrid versiegen schnell, die kleine, schlaue „Silberwurst“ Hakima, wird ins Boot geholt. Die zynische Mireille, jetzige „Bronzewurst“ und Rekordhalterin des Titels, arbeitet die Radl-Route nach Paris aus, denn jede hat einen Grund am Nationalfeiertag im Élyséepalast zu sein. Räder und Anhänger werden gefunden und aufgemöbelt, Hakimas Bruder, ein junger Kriegsveteran im Rollstuhl, wird die Truppe begleiten und fährt voran. Wie er im Laufe der Reise seinen Lebensmut wieder zurückerobern wird, ist eine weitere, zarte Nebengeschichte. In Cluny werden die 3 Würste schon erwartet. Ob man sie dazu überreden kann, in schönen Kleidern dem Abschlussball der Universität beizuwohnen? In einem abgelegenen Schloss erfahren sie von einem Schwesternschicksal und einer Liebesgeschichte ohne Toleranz. Ihr ungewöhnliches Treiben erregt immer mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und so bekommen sie am Ende sogar vier Einladungkarten für die Feier in Paris. Doch hier kommt nun endlich einiges anders als geplant. Ein rundum gelungenes, amüsantes Jugendbuch, das uns in überbordender Kreativität den Umgang mit engstirnigen, ausgrenzenden, verletzenden Meinungen lehrt.