Articles Written By: Marion Hübinger

Marion Hübinger

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Autorin und Buchhändlerin mit Begeisterung für das Spannende und Fantastische. Mehr unter www.marionhuebinger-autorin.blogspot.de

Degistif für die ruhige Balance, Geschenktipp

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Erling Kagge: Stille. Ein Wegweiser, Insel Verlag € 14.-

Dieses Buch liegt mir persönlich sehr am Herzen, denn der Autor, der der Welt als Abenteurer begegnet und die Pole, den Mount Everest oder aber Großstädte wie New York zu Fuß erobert hat, betrachtet das winzige Wort ´Stille`, das gerade in der heutigen Zeit des Lärms eine so große Bedeutung hat, von verschiedenen Gesichtspunkten aus. Eine Art philosophisch-nachdenkliches Herantasten an die unterschiedlichen Arten von Stille, bei dem Kagge behauptet, dass es „so viele Geräusche gäbe, dass wir sie kaum noch hören“(vgl. S.23). Aber es sind nicht nur die Gedanken allein, sondern auch die Bilder in dem gesamten Kontext, die dazu beitragen, dass dieses Buch ein Besonderes ist, eben ein stilles.

Exotische Wickel mit pulsierender Innerei

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Auf den Straßen Kalkuttas 1919

Abir Mukherjee, Ein angesehener Mann, Heyne TB 2017 €9,99

Auf den Straßen Kalkuttas

Indien 1919 als Tatort, ein britischer Ermittler flüchtet nach dem Tod seiner Frau ins ferne Kalkutta, um Abstand von den Kriegserlebnissen und dem Verlust zu finden, und sieht sich mit dem fremden Land, den unterschiedlichen Religionen und einer sehr beschwerlichen Ermittlerarbeit konfrontiert. Ein überaus interessantes Leseerlebnis, bei dem man in das pulsierende Leben der Stadt Kalkutta eintaucht. Für mich eine Entdeckung wert!

Süßsaures, atemraubendes Katz & Maus Spiel

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Donato Carisi: Der Nebelmann, Atrium € 20.-

Was für ein perfides Spiel, das hier über ein kleines abgelegenes Dorf einfällt. Der Fall eines verschwundenen Teenagers und Tochter sehr gläubiger Eltern, wird zum Ereignis des Tages gepuscht, weil der Sonderermittler Vogel gekonnt Nachrichten nach außen streut, um Reaktionen bei den Betroffenen oder gar dem Entführer herauszufordern. Doch Vogel spielt nicht nur mit seinem vermeintlichen Verdächtigen solange Katz und Maus, bis dieser einknickt und die Öffentlichkeit zufrieden gestellt ist, sondern interessiert sich bei seinen aufwendigen Ermittlungen hauptsächlich dafür, dass er von einem alten Fall rehabilitiert wird. Die Frage, wo die Leiche des Mädchens ist und wer der wahre Täter ist, kümmert keinen, ihn am allerwenigsten. Darum wird der Leser auch über das Ende stolpern und sich fragen, ob er einen entscheidenden Hinweis übersehen hat?

Rätselhafter Gin Fizz aus London

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Robert C. Marley: Inspekctor Swanson und das schwarze Museeum, Dryas Verlag 2017 € 10,50

Chief Inspector Swanson kommt leider auf dem Weg in den Urlaub eine Leiche dazwischen, und keine gewöhnliche, sondern ein Mitglied der Freimaurer. Der Leser findet sich sofort in einem viktorianischen Setting, hat die Personen gut vor Augen und auch die Sprache spiegelt die Zeit bestens wieder. Der Kriminalfall ist vor allem geprägt von der klassischen Verhörmethode, Scotland Yard als Schauplatz lässt grüßen. Ein historischer Krimi, der allein schon durch seine Gestaltung mit ausgewählten Illustrationen und kleinen Eyecatchern vor jedem Kapitel auffällt, und in jeder Hinsicht überzeugen kann.

Herausfordernd gefüllter Zeppelinbauch

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Antje Windgassen, Die Zeppelin-Verschwörung Gmeiner VerlagTB 2017 €15,00

Eine Idee mit Folgen

Friedrichshafen, Ende des 19. Jahrhundert: Die einen hielten Graft Ferdinand von Zeppelin für einen Träumer, in der wissenschaftlichen Welt holte er sich nach diversen Fehlschlägen bei der Jungfernfahrt seines Zeppelins den Namen "Narr vom Bodensee", doch sowohl seine Frau als auch er haben nie daran gezweifelt, dass es möglich sein würde, ein Luftschiff für zivile und militärische Zwecke zu bauen. Die Autorin baut ihren Krimi gekonnt um diese Fakten, bringt die historisch belegten unerklärlichen Vorfälle von damals mit einem Sabotageakt von einflussreichen Wissenshaftlern in Verbindung. Dem Leser wird es überlassen mitzufiebern, ob das große Unterfangen des Grafen trotz allem gelingen wird. Ein fesselndes historisches Buch, das die Zeit, das Ringen mit den technischen Möglichkeiten und die Figuren hervorragend ablichtet.

Mehr als nur ein Realityspiel

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Deana Zinßmeister, Das Auge von Licentia Arena Verlag 2017 €15,00

In diesem ersten Jugendbuch von Deana Zinßmeiste, die als Autorin von historischen Büchern bekannt ist,  wird viel Stoff geboten, der den Leser von Jugendfantasy für das Buch einnehmen könnte: ein mittelalterlich anmutendes Setting, zwei Protagonisten, die aus verfeindeten Dörfern stammen und sich verlieben, die Geschichte verpackt in eine Realityshow der heutigen Zeit, verfolgt von Millionen von Zuschauern an ihren Bildschirmen u.a. Dank modernster Drohnentechnik, und gewissenlose Regisseure auf der Jagd nach möglichst vielen Likes der Fans.

Licentia ist ein mittelalterliches Dorf, in das die ersten Bewohner per Casting eingezogen worden sind. Die älteren Bewohner sprechen davon, dass sie dem Wahnsinn draußen in der Welt entkommen wollten, dass sie sich von Konsum, Technik und der Schnelllebigkeit bewusst zurückgezogen haben. Die zweite Generation, deren Kinder, weiß nichts mehr von einer Welt draußen, lebt darum umso authentischer vor, was der Zuschauer gern sehen will.

Die fünfzehnjährige Jonata, eine taffe Jägerin mit der Armbrust, trifft bei einer Wildschweinjagd auf Tristan, einen Wolfsbanner, der aus dem verfeindeten Dorf kommt. Beide fühlen sich überraschend zueinander hingezogen und werden sich trotz der eigenen Vorbehalte wiedersehen. Damit setzen sich beide über den elterlichen Gehormsam hinweg. Der Zuschauer hat Jonata, die nichts davon weiß, dass sie adoptiert wurde, schon lange  zu seinem Liebling erkoren, und darum soll die Liebesgeschichte auch auf die Bildschirme.
Die Show gerät etwas aus dem Ruder, nachdem bei der zehnjährigen Jubiläumsfeier in Licentia der Name Jonata aus der Kiste derer gezogen wird, die den "Drachenmenschen" hinter den Bergen geopfert werden soll. In Wirklichkeit wird dieser Jugendliche lediglich die Show verlassen und ins Jahr 2017 zurückkehren. Tristan bringt Jonata in sein Dorf in Sicherheit, und die Showmaster müssen reagieren. Doch anders, als der Leser des Buches im ersten Moment erwartet. 

Die Spannung ist von Anfang an da, aber mir persönlich kommt die Geschichte aber leider ein wenig zu konstruiert vor. Es werden viele Figuren und Erzählstränge eingeführt, die (noch) in der Luft hängen bleiben. Das Leben in Licentia fühlt sich allerdings sehr authentisch an, was sicher damit zu tun hat, dass die Autorin von historischen Büchern sich hier auf vertrautem Terrain bewegt.

Düsteres Szenario im Weltall

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Düsteres Szenario im Weltall

Amie Kaufman: Illuminae. Die Illuminae Akten 01, dtv 2017 €19,95

Das Autorenteam Kaufman und Kristoff hat in meinen Augen etwas Einzigartiges geschaffen, denn jede Seite birgt eine Überraschung an Geschichte, aber auch an gestalterischen Merkmalen. Bald schon weiß der Leser, mit wem er es zu tun hat, wenn die Seiten schwarz gefärbt sind und winzige Buchstaben, Worte oder kurze Sätze darüber hüpfen, er ahnt, warum die Kameraaufzeichenungen von so großer Bedutung sind. Von den ersten Seiten an ist man in der Geschichte gefangen: ein kaum vorstellbarer Weltraumkrieg, rückblickend erzählt, wobei die Anzahl der Überlebenden bis zum Schluss offen bleibt, vor allem das Überleben der beiden jungen Hauptprotagonisten Kady und Ezra. Der Leser begleitet das grausame Szenario anhand rekonstruierter Aufzeichnungen, Befragungen, geheimer Dossiers, privater Chats über gehackte Kanäle und Kameraaufzeichnungen. Dabei ist die Bedrohung auf jeder Seite spürbar: werden sich die Raumnschiffe gegenseitig im Weltall zerstören, wird der Feind siegen? Eine fast schon makabre Faszination geht von der Story aus, in der Menschenleben von einer künstlichen Intelligenz ohne zu zögern ausgelöscht werden, eine unkontrollierbare Biowaffe auf die Besatzung eines der Raumschiffe  losgelassen wird, die atomaren Sprengköpfe ausgefahren werden, und man irgendwann nicht mehr weiß, wer Feind und wer Freund ist. Brutal, gnadelnlos, zukunftsträchtig, undan Dramatik nicht zu überbieten. Mein persönliches Highlight in diesem Herbst!

 

Raffinierte Beigabe, Schmankerl mit Pfiff

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H.Rath und E.Rai: Bullenbrüder, Wunderlich Verlag 2017 €19,95

Brüderzwist

Zwei Brüder, die das Interesse am Aufklären eines Mordes teilen, mehr aber auch nicht. Denn während der korrekte Kriminalhauptkomissar Holger Brinks im Fall eines ermordeten Unterweltbosses ermittelt, arbeitet sein Bruder Charlie gezwungenermaßen als Privatdetektiv auf der Seite eines der Verdächtigen, um seine Schulden bei diesem loszuwerden. Doch im Laufe der Zeit kommt er immer mehr zu der Überzeugung, dass sein Auftraggeber unschuldig ist und hofft, auch seinen Bullenbruder davon zu überzeugen. So korrekt und nüchtern Holger Brinks ist, so spontan und chaotisch arbeitet Charlie Brinks. Wie beide sich aus gegebenem Anlass zusammenraufen müssen, obwohl Holger die Lebensweise seines Bruders missfällt, sorgt für viel Reibung, Witz, aber auch Brüderzusammenhalt. Ein durch und durch gelungener Krimi mit Witz, einer pointierten Sicht auf die Figuren, und bei alle dem taucht man ein in die Berliner Unterwelt.

 

Problembewältigung der etwas anderen Art

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Carlie Sorosiak, If birds fly back, Arena 2017 €17,00

Drei ungewöhnliche Menschen mit noch ungewöhnlicheren Themen treffen in dieser Geschichte aufeinander: Linny sammelt Geschichten von verschwundenen Menschen, seit ihre ältere Schwester Grace vo zuhause verschwunden ist. Sebastian erklärt sich die Welt mithilfe physikalischer Gegebenheiten, doch als er mehr durch Zufall erfährt, dass sein Vater ein berühmter Schriftsteller ist, wird es kompliziert. Er reist spontan nach Miamai und sucht Alvarro Herrero im Altersheim. Dort trifft er auf Linny, deren Interesse an dem Schriftsteller ganz woanders liegt, denn er galt seit 3 Jahren als verschwunden. Besagter Schriftsteller hat jedoch ganz andere Probleme, da er an Alzheimer leidet und dies vor der Öffentlichkeit verbergen will. Eine komplizierte, an manchen Stellen auch etwas konstruirt wirkende Geschichte, die aber dennoch duch witzige und z.T. rührselige Situationen besticht, und in der alles beinahe aus dem Ruder läuft, weil weder Linny noch Sebastian so ganz mit der Wahrheit herausrücken wollen. Zum Mitfiebern, Mitlachen und Mitleiden bestens geeignet.

Im Bann einer Entführungsgeschichte

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Karen Dionne, Die Moortochter, Goldmann TB 2017 €12,99

Helena, die Ich-Erzählerin, ist das Kind eines Entführungsopfers und hat ihre ersten zwölf Jahre mit den Eltern im einsamen Moor verbracht. Ihren Vater hat sie als Kind vergöttert, denn er hat ihr das Leben und Überleben in der Natur gelehrt. Inzwischen sitzt ihr Vater, genannt der Moorkönig, seit fünfzehn Jahren im Gefängnis und Helena hat eine eigene Familie mit zwei Töctern. Doch von heute auf morgen bricht ihre Welt zusammen, denn ihrem Vater gelingt die Flucht. Während die Polizei auf Hochtouren nach dem Verbrecher sucht, macht sich die Tochter selbst auf die Jagd nach ihrem Vater. Sich dem Bann von Helenas Geschichte und den intensiven Erinnerungen an ihre Kindheit zu entziehen, wird schwer. Die Autorin setzt ein Puzzketeil nach dem anderen zusammen - bis zum bitteren Ende.

Österreichischer Krimi mit Witz und Spannung

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Lena Avanzini: Nie wieder sollst du lügen, Haymon Verlag 2016 €9,95

Gruppeninspektorin Carla Bukowski trägt schon länger ein schweres Trauma mit sich herum, weil sie ihren Sohn bei einem Unfall verloren hat. Doch die zwangsweise Auszeit, zu der sie ihr Chef verdonnert, nutzt sie für eigene Ermittlubgen in einem Fall, der für die Polizei keiner ist: zwei tragische Autounfälle, die auf den ersten Blick nichts miteinander  zu tun haben. Doch Carla ist nicht nur eigensinnig, sie spannt auch noch ihre Freundin Kim in ihre privaten Ermittlungen ein ... am Ende ist Carla Bukowski natürlich die große Heldin. Mit einer Prise österreichischem Charme und persönliche Dramen geht dieser erste Fall von Gruppeninspektorin Carla Bukowski einher.

Raffinierte Spurensuche

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Raffinierte Spurensuche

Augustin Martinez: Monteperdido - Das Dorf der verschwundenen Mädchen, Fischer Verlag 2017 €14,99

Zwei befreundete elfjährige Mädchen verschwinden am hellichten Tag aus ihrem Bergdorf. Fünf Jahre später taucht eines der Mädchen wieder auf, verletzt und traumatisiert. Das Dorf und die Polizeieinheiten stehen Kopf. Eine dramatische Suche nach dem zweiten Mädchen beginnt. Die Geschichte allein macht das Buch zwar schon lesenswert, aber noch viel mehr Schärfe erhält es durch die Interaktionen der Figuren. Die gesamte Dorfgemeinschaft zeigt sofort wieder mit dem Finger auf den Vater, einst verdächtigt, wiieder freigelassen aber gebrandmarkt. Einige würden am liebsten Selbstjustiz ausüben. Und nicht nur das, auch die kollektive Verschwiegenheit behindert die Polizeiarbeit. Ein dichter Krimi, der den Leser bis zuletzt fesseln kann.

Ein Journalist kämpft für die Wahrheit

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Achim Zons: Wer die Hunde weckt, C.H.Beck Verlag 2017 €14,95

Einer der besten Journalisten einer Münchner Zeitung im Außendienst in Hongkong erhält geheime Informationen, die ihn fast das Leben kosten. Eine Geheimoperation, bei der ein deutscher Kommandeur eine für sein Leben katastrophale Entscheidung trifft. Auf beide Männer wird aus unterschiedlichen Gründen Jagd gemacht. Und beide schlagen sich lange Zeit sehr gut. Sämtliche Zeitungen sind hinter deren Geschichte her, auch die Münchner Zeitung will die Sensationsstory exklusiv haben. Aus diesem Material ist der Stoff dieses Buches geschrieben, das den Leser von Hongkong über München bis ins tiefste Afghanistan führt. Glaubwürdige Charaktere und jede Menge Acton bietet dieser spannungsgeladene Politthriller, den ich gern empfehle.

Zukunft Erde. Gespräch für Jung & Alt mit Harald Lesch und Klaus Kamphausen

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Wir werden unseren Kindern die Erde in einem denkbar kritischen Zustand hinterlassen: von Rohstoffen geplündert, seiner schützenden Hülle mehr und mehr beraubt, zugemüllt und halb verdurstend in klimatischer Extremsituation. Die Jugendlichen unseres Leseclubs interessierten sich vor allem für Wasser und Klima und diskutierten mit Harald Lesch und Klaus Kamphausen darüber, wie unsere Zukunft wird oder werden könnte. Hochsommerliche Temperaturen und ein bis auf den letzten Platz gefüllter Buchpalast sorgten für ein besonderes "transpiratives und inspiratives" Ambiente, wie Harlad Lesch diesen Abend im Gästebuch festhielt.

 

 

Von Sturmgewalten und Sturmjägern

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Von Sturmgewalten und Sturmjägern

Cora Carmack, Stormheart - Die Rebellin, Oetinger 2017 €19,99

Ich habe Stormheart - Die Rebellin  in einem Rutsch weggelesen, die Autorin hat mich in eine ferne Welt katapultiert, in deren Königreiche jede Menge Magie existiert, Sturmlinge gegen die Naturgewalten ankämpfen und Sturmjäger deren Herzen einfangen und damit Handel treiben. Was für eine Welt, in der ausgerechnet bei der Thronerbein Aurora aus dem Reich Pavan die Magie versagt. Sie lebt ein Leben in völliger Abgeschiedenheit, häuft sämtliches Wissen an und lernt Kämpfen wie eine Amazone.
Dann kommt der Tag, an dem der harte, aber sie zugleich verführerisch umwerbende Prinz Cassius aus dem Reich der Lock erscheint, um sich mit ihr zu verloben. Sie fürchtet, er würde sich von ihr abwenden, sobald er hinter ihr Geheimnis käme, dass sie null Magie besitzt, und das Reich an sich reißen. Darum und aus verletztem Stolz schließt sie sich inkognito einer Gruppe Sturmjäger an, die sie auf einem heimlichen Gang zu einem verbotenen Markt der Magie kennengelernt hat.

Lock, der als kleiner Junge Vollwaise wurde, seinen Namen nicht kennt, und von Duke zum Sturmjäger ausgebildet wurde, wird ihre Ausbildung übernehmen. Er sieht anfangs in ihr das hilflose Mädchen, dem er helfen muss. Doch sehr bald erkennt er, dass Roar, wie sie sich jetzt nennt, ihn nicht nur gefühlsmäßig verwirrt, sondern, dass sie sich jeder Herausforderung stellt. Zuletzt auch der, ihr Reich zu retten...

Für mich definitiv ein Highlight unter den aktuellen Fantasygeschichten.

Von Selkies und anderen Fabelwesen

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Antonia Neumayer, Selkie, Heyne TB 2017 € 12,99

 Die junge Autorin Antonia Neumayer hat mich mit ihrem Debüt ´Selkie`wirklich überrascht. Der Einstieg in die Welt von der siebzehnjährigen Kate und ihrem zwei Jahre älteren Bruder, die auf einer der Orkneyinseln leben, fällt leicht, die Protagonistin Kate besticht durch ihren Eigensinn und ebenso viel Mut, was sie sehr sympathisch macht, und ich hatte die See mit ihren zahlreichen Inseln sowie die schottische Rauheit gut vor Augen.

Kates Welt erfährt eine Erschütterung, als ihr Bruder von seltsamen Männern auf ein Boot mitgenommen wird, er ihr aber kein Wort der Erklärung geben will. Da sie seit dem Verschwinden ihrer Mutter ein sehr enges Verhältnis zueinander haben, will sich Kate damit nicht zufrieden geben und schmuggelt sich heimlich auf das Boot. Ein seltsamer Überfall während der Fahrt hat zur Folge, dass sie mit einem jungen Mann die Flucht ins Wasser ergreift, weil er ihr klarmacht, dass die Leute, zu denen Gabriel gebracht wird, nicht besonders nett mit blinden Passagieren umgehen würden. Auf diese Weise lernt sie Ian und eine Gruppe Leute kennen, die in einem verfallenen Leuchturm auf einer der vielen Inseln wohnen.

Ian wird Kate viele Fragen über die Organisation beantworten, die Gabriel angeheuert hat, sie aber mit genauso vielen Fragen im Ungewissen lassen. Im Laufe der Geschichte erfährt Kate von Selkies und anderen mystischen Fabelwesen, die seit Jahrhunderten gejagt werden, aber auch von einer Gruppe Leute, die genau das verhindern wollen. Es wird ihr nicht immer leicht fallen, zwischen gut und böse zu unterscheiden, doch ihr größter Wunsch wird letztlich sein, das moralisch Richtige zu tun und die Wahrheit über Selkies, über ihre Jäger und über ihre verschwundene Mutter zu erfahren.

Die Geschichte hat mehrere Spannungsbögen und überrascht immer wieder mit neuen Wendungen. Der Erzählstil ist erfrischend klar und so manches Mal hat mich die junge Autorin  mit ihren wortgewaltigen Bildern des Insellebens vor der schottischen Küste überrascht. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was es von ihr noch zu lesen geben wird.

 
 

Historischer Mordprozess

Burnet, Projekt

Graeme Macrae Burnet, Sein blutiges Projekt, Europa Verlag 2017 €17,90

Ein Siebzehnjähriger, der vor Gericht steht, angeklagt des dreifachen Mordes, und bereits gestanden. Wir sind mitten in Schottland im Jahr 1869. Nach einer wahren Begebenheit lässt der Autor diverse Menschen aus dem Umfeld des Mörders zu Wort kommen, sein Lehrer, der Dorfpfarrer, die Nachbarn, allesamt zeugen in dem Prozess, in dem es darum gehen wird, ob Roderick Macrae Herr seiner Sinne war oder womöglich geistergestört. Faszinierend an dem Krimi sind die unterschiedlichsten Betrachtungsweisen, denn jeder, der zu Wort kommt, zeichnet ein anderes Bild von dem jungen Roddy. Doch auch er selbst kommt zu Wort. Auf Anraten seines Strafverteidigers schreibt er einen Bericht, wie es sich wirklich zugetragen hat. Die Monate zuvor, die Qualen, das regelrechte Mobbing an der armen Bauersfamilie... lesen Sie selbst und machen Sie sich ein Bild davon, ob Roderick Macrae den Tod am Galgen verdient hat...  Ein historischer Krimi, der seinesgleichen sucht und zu Recht auf der Shortlist des Man Booker Prize 2016 stand.

Düstere Faszination

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C.R. Neilson, Das Walmesser, Heyne 2017 €14,99

John Callum will seiner Vergangenheit entfliehen, einen neuen Anfang machen, irgendwo, wo ihn niemand kennt Darum sucht er sich eine Faröerinsel aus, landet in der Hauptstadt Torshaven, findet Arbeit beim Fischfang und eine Unterkunft, aber ansonsten bleibt er für sich. Das macht ihn als den Fremden erst recht verdächtig, zumindest für die Leute dort. Wer kommt schon freiwillig auf eine Insel, auf der es dreihundert Tage im Jahr regnet und nie etwas Spektakuläres passiert. Aber dann gibt es einen Mord, und John Callum kann sich an nichts erinnern. Ist es nur das letzte Glied einer Reihe von Drohungen, die ihn von der Insel vertreiben sollen? Obder kennt jemand seine Vergangenheit? Eine interessante Stimme in der Krimilandschaft, und eine Geschichte, die ihre ganz eigene Faszination besitzt.

Sonne, Heimat, Mord

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Alexander Oetker, Retour, Hoffmann und Campe 2017 € 16,00

Ein berühmter Pariser Ermittler kehrt in seine Heimat in das Aquitaine, zurück, um sich um seinen kranken Vater kümmern zu können. Einen Job gibt es für den überqualifizierten Polizisten im Grunde nicht,  mit mehr als kleinen Verbrechen hat das Team nicht zu tun, darum wird Luc Verlain bei seiner Ankunft kritisch beliebäugelt. Doch noch ehe er seinem Vater im Krankenhaus einen Besuch abstatten kann, gibt es die erste Leiche ... ein Südfrankreichkrimi, der mich begeistern konnte, weil der Autor in diesem ersten Fall einen Ermittler einführt, der Schwächen und Stärken hat, der versucht, sich in das Team vor Ort einzugliedern und ihm dennoch  der Kragen platzt, weil keiner die richtigen Schlüsse ziehen will. Und dazu das wunderbare Setting am Meer, was braucht es noch für einen guten Krimi!

Rasend schnell

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Mark Frost: Paladin Projekt 01. Renn um dein Leben, Arena Tb € 12.-

Ich habe das Buch während der Fahrt in der Straßenbahn angefangen und wäre fast an meiner Haltestelle vorbeigefahren, weil mich die Geschichte sofort gepackt hat. Will West ist rasend schnell, rasend schnell im Rennen, am Reagieren auf gefährliche Situationen, am Begreifen von Zusammenhängen, und am Hinnehmen, dass es nun mal so etwas wie das Böse gibt, das ihm auf den Fersen ist. Ich habe allerdings irgendwann Probleme bei der Vorstellung dieser fantastischen Welt, in die Mark Frost den Leser reinzieht, bekommen. Das war mir am Schluss einen touch too much. Aber ansonsten habe ich das Buch rasend schnell gelesen!!! Und natürlich will ich wissen, was in den weiteren beiden Bänden noch alles passieren wird.