Articles Written By: Claire

Claire

About Claire

20 Jahre, Bücherfresserin

Leben bei fortschreitendem Klimawandel

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nominiert von der Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2014

Jostein Gaarder: 2084 - Noras Welt, dtv Tb € 8,95

„2084“ scheint eine Anspielung auf den Science-Fiction-Roman „1984“ von George Orwell. Er malt darin ein schreckliches Szenario der Zukunft, wenn Umweltzerstörung und der Klimawandel nicht Einhalt geboten werden. Die Folgen davon werden ziemlich drastisch gezeichnet (Dromedare in Norwegen, Bäume müssen von Menschen bestäubt werden, weil es keine Bienen mehr gibt…). Eigentlich geht die ganze Handlung von 2084 aus; die Hauptperson Nora ist 80 Jahre alt. Ihre Urenkelin klagt sie und ihre ganze Generation an, dass sie nichts für die Erhaltung der Schönheit der Erde getan haben. Durch eine Art Zauber bekommt aber die Erde eine zweite Chance, und Nora kann als sechzehnjährige ins Jahr 2012 zurück. Dort engagiert sie sich dann mit ihrem Freund an ihrer Schule für die Umwelt. Dabei denken sie sich mögliche Lösungen aus, wie man die Menschen zu verantwortungsvollerem Umgang mit der Umwelt bewegen und ihr Interesse für die Bedrohung des Planeten wecken kann. Das Buch, das teilweise Fakten wie ein Sachbuch nennt, erschreckt einen und rüttelt auf, auch weil das Szenario ja schon für 2084 entworfen ist. Manche Passagen wie ihre Träume und die Gespräche mit einem Psychiater fand ich teilweise etwas seltsam und gestellt, von der Botschaft her aber sicher ein wichtiges und lesenswertes Buch! Claire, 16 Jahre

Was ist eigentlich Kunst?

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Die Bücherfresser schauten sich mal bei einer Kunsthistorikerin um:

Sobald man die Wohnung von Susanna Partsch betritt merkt man, dass hier jemand mit Kunst lebt. Überall hängen Bilder, Fotos, Poster, sogar ein Nachbau von Man Rays Kleiderbügelkonstruktion. Nachdem wir erstmal mit Kuchen und Saft bewirtet worden waren und ausgiebig die Katze begrüßt hatten, stellten wir unsere Fragen.

Wie kam es dazu, dass sie ausgerechnet Bücher über Kunst schreibt?
Romane zu schreiben kam Susanna Partsch nicht in den Sinn. Nach dem Studium brauchte wegen ihrer Kinder eine variable Arbeitszeit und so wagte sie den ersten Schreibversuch für ein Kunstsachbuch. Sie möchte wissenschaftliche Texte in eine verständliche Sprache „übersetzen“, damit alle einen Zugang zur Kunst bekommen können. Und ihre Texte begeistern. Das merkte man 1998, als sie den Deutschen Jugendliteraturpreis für ihr Buch „Haus der Kunst“ bekam.
Da sie über moderne Kunst mehr erzählen wollte, als im Haus der Kunst stand, folgte 2012 „Wer hat Angst vor Rot, Blau, Gelb?“ Eine Frage, die sich uns stellte, als wir in „Wer hat Angst vor Rot, Blau, Gelb“ gelesen hatten, wie viele Gedanken hinter einem abstrakten Bild stecken können, war, ob es Bilder gibt, in denen überhaupt keine Kunst mehr steckt? Das sei schwierig zu beantworten, sagte Susanna. Die eigentliche Frage ist ja, wie man Kunst definiert? Wo fängt sie an? In einem besonders realistischem Abbild eines Gegenstandes? Oder in einfachem Bespritzen einer Leinwand?
Trotz aller verschiedenen Kunstrichtungen gibt es dennoch einen großen Unterschied zwischen einem Menschen, der einfach mal aus Spaß an der Freud ein paar Kleckser macht und einem, der genau weiß, welcher Kleckser wohin gehört: Der Gedanke, der dahinter steckt. Ein Bild, oder auch die Art des Entwerfens, muss dem Maler etwas gesagt haben, was er dem Betrachter vermittelt. Auch einfach mit Bleistift gezeichnete Striche auf Papier, welches in einem ganzen Raum verteilt ist, haben eine Bedeutung, nämlich die immer weiter verstreichende Zeit.
Nichtsdestotrotz meint Susanna, gibt es Kunst, die völlig überbewertet sei. Im Louvre beispielsweise gäbe es einen ganzen Gang voller Gemälde von da Vinci, die allesamt toll aussähen, aber trotzdem steht die Menschenmasse vor der Mona Lisa, die hinter einem gigantischen Panzerglas versteckt ist. Dabei war das Bild damals, vor dem Diebstahl, absolut unbekannt und drei Tage hat überhaupt niemand gemerkt, dass es weg war. Peinlich.
Und was bringt die Zukunft? Nun, sie wird auf jeden Fall weiter schreiben. Für ein Buch braucht sie circa ein halbes Jahr. Und natürlich gibt es noch jede Menge Arbeit an dem großen Künstlerlexikon, bei dem sie mitarbeitet. Die dicken blauen Bände füllen ein unglaublich großes Regal und es ist noch lang nicht fertig…
Alles in allem war es für uns ein sehr interessantes Gespräch - vielen Dank für das Interview!
Anne 14 und Claire 16 Jahre

Zu schnell erwachsen

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Stefanie Velasco: Tigermilch, Kiwi Tb € 9,99

Jameelah und Nini, Freundinnen seit Ewigkeiten, leben in einer Berliner Siedlung. Für die Sommerferien planen sie, endlich(!) entjungfert zu werden. Sie testen ihre Wirkung auf Männer aus und suchen den richtigen Jungen dafür in ihrem Freundeskreis.  Und natürlich wollen sie mit ihren Freunden Spaß haben. Es passiert aber noch etwas Ungeplantes. Sie werden Zeuge, wie die große Schwester ihres Freundes Amir umgebracht wird. Da Jameelah aus dem Irak eingewandert ist und es sich in den nächsten drei Monaten entscheiden soll, ob sie dauerhaft in Deutschland bleiben darf, sagen sie, aus Angst, Jameelahs Abschiebung zu verursachen, zunächst der Polizei nichts von ihrer Beobachtung. Der Roman ist dicht erzählt und deshalb sehr spannend. Besonders innovativ ist die Sprache. Unter den Freunden ist sie eher rau, aber die beiden Freundinnen denken sich viele Wortspiele aus und erfinden Fantasiesprachen. Außerdem machen sie sich zum Teil poetische Gedanken über das Leben an sich, die Liebe und ihre Familie. Die Geschichte ist vor allem am Ende eher traurig. Die beiden 14-jährigen wollen oder müssen viel zu schnell erwachsen werden, die Sachen, die sie, freiwillig oder unfreiwillig, erleben, sind zum Teil ziemlich krass. Ich fand das Buch, eigentlich ein Erwachsenenbuch, wirklich spannend und hatte es an einem Abend durch!

Zu knapp

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis Jugendjury 2014

Jane Teller, Alles, dtv Tb 2015 € 7,95

Mir persönlich waren die acht Kurzgeschichten viel zu knapp. Meiner Meinung nach kann man Komplexe wie Gewalt/ Rache/ Todesstrafe auf zehn bis fünfzehn Seiten nicht ausreichend darstellen. Viele innere Konflikte oder Hintergründe der Figuren werden nur ganz kurz angerissen, aber für den Leser nicht genügend erläutert. Über die meisten Themen wurde auch schon viel geschrieben, und zum Thema Gewalt haben mich zum Beispiel die Bücher von Kevin Brooks, vor allem "Lucas", sehr viel mehr beeindruckt; sie sind mir länger im Gedächtnis geblieben und haben mich wirklich! zum Nachdenken angeregt. Anne-Laure Bondoux` Der Mörder weinte beschäftigt sich auch mit der Todesstrafe, Ungerechtigkeit/ Selbstverständnis der Gesellschaft, (Un-) Menschlichkeit, aber auf eine Art und Weise, die einen wirklich berührt, die zum Nach-/ Überdenken auffordert und außerdem literarisch großartig ist. Nach den meisten Geschichten aus "Alles" habe ich mich gefragt: was fange ich damit jetzt an?Ein Urteil über die Gesellschaft oder die Figuren kann ich mir persönlich nicht bilden, da ich viel zu wenige Informationen habe; (literarisch) beeindruckt haben mich die Geschichten auch nicht; meiner Meinung nach kann das Buch höchstens kleine Anstöße zum Diskutieren geben.

In Georgien

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Deutscher Jugendliteraturpreis Jugendbuch 2013

Tamta Melaschwili, Abzählen, Unions Tb € 9,95

In diesem Buch werden drei Tage im Leben zweier 13-jähriger Mädchen im georgischen Hinterland beschrieben, die die Auswirkungen des herrschenden Krieges hautnah zu spüren bekommen und erfinderisch sein müssen, um in bitterster Armut an das Lebensnotwendigste zu kommen. Schon auf den ersten Seiten wird der krasse Kontrast deutlich zwischen der Art der beiden Freundinnen, mädchenhaft, gewitzt und frech und nach etwas Leichtigkeit suchend, und ihrer Umgebung, einer gottverlassenen Konfliktzone, in der sie völlig auf sich allein gestellt sind. Obwohl die Sprache reduziert und abgehackt ist, werden dem Leser starke Gefühle und Situationen eindringlich vermittelt. Durch die Erzählweise bleibt die Spannung bis zum Schluss erhalten.

Sommerleicht für junge Erwachsene

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Christiane Neudecker, Sommernovelle Luchterhand 2015, € 16,99

Die beiden fünfzehnjährigen Mädchen Panda und Lotte, die nach Tschernobyl die Umwelt retten wollen, leisten im Sommer 1989 zwei Wochen ökologischen Dienst in einer Vogelstation auf Sylt. Dort werden den so idealistischen Mädchen merkwürdige Aufgaben zugeteilt, sie treffen auf einen desillusionierten Professor, einige Studenten und Rentner. Einer von ihnen wird zum väterlichen Freund von Panda, die mit ihm ihre Liebe zu Büchern und Geschichten teilt. Lotte begegnet dagegen dem Studenten Julian. Aber was auch passiert, die Mädchen bleiben beste Freundinnen. Später kehrt Panda, erwachsen geworden, noch einmal nach Sylt zurück, und denkt über diesen besonderen Sommer nach.Die Sprache schafft eine schöne, greifbare Atmosphäre, die Landschaften entstehen leicht vor dem inneren Auge, trotzdem wird nicht zu dick aufgetragen. Es wird nicht alles explizit ausgesprochen, die Sprache ist leicht, ruhig.Das Thema Umweltschutz und die Frage "Wie kann man als Einzelner die Welt verändern? Scheitert der Idealismus irgendwann an der Realität?" ist ja immer noch hochaktuell, das macht das Buch zusätzlich spannend. Viele Szenen sind mir im Gedächtnis geblieben: wie die beiden Mädchen, die sonst nur mit dem Fahrrad fahren, bei ihrer Ankunft mit dem Auto abgeholt werden; wie eine Party auf der Station gefeiert wird oder wie Panda das Meer auf der Suche nach der versunkenen Stadt Rungholt beobachtet. Von außen unscheinbar, ist Sommernovelle ein wunderschönes Buch, eine Mischung aus neuen und alten Freundschaften, weiten Landschaften, skurrilen Orten und Menschen, Umweltschutz, nüchternen Zahlen und literarischen Fantasiewelten. Claire, 19 Jahre

Familienskelett

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Anna Shinoda, Die Mitte von allem, Magellan 2015€ 17,95

Der Roman beginnt mit dem Zitat von George Bernard Shaw "Wenn man das Familienskelett nicht loswerden kann, muss man es tanzen lassen."

Wann immer die 17-jährige Clare von ihrer schwierigen Familiensituation und -geschichte eingeholt und bedrängt wird, begleitet sie das Brandy trinkende Familienskelett Skel. Ihr großer Bruder, der strahlende Held und Beschützer Luke, war seit ihrer Kindheit immer wieder im Gefängnis. Die Eltern, besonders die pedantische Mutter, versichern ihr, dass er zu oft "zur falschen Zeit am falschen Ort" gewesen sei, und verzeihen ihm seine Diebstähle ein ums andere Mal. Dabei kommt es Clare und dem Leser so vor, als würden sie Luke der selbständigen, "braven" Clare in Zuneigung und Geldfragen stark vorziehen. Schwierig ist für Clare auch, dass sie in einem kleinen Dorf leben, wo Klatsch und Tratsch rasch Vorurteile gegen sie bilden. Allmählich entdeckt Clare die Wahrheit über ihren Bruder, dessen Verbrechen schlimmer sind als bisher angenommen. Sie versucht, Klarheit zu erlangen, und sich freizumachen von der Einengung durch ihre Familie, eben dem "Familienskelett".Ihr Charakter, der unter anderem von ihrer Liebe zu Luke als großen Bruder, dem Einfluss ihrer Familie sowie ihrer Suche nach Freiheit und Selbständigkeit gesteuert wird, wird sehr glaubhaft beschrieben.Den erzählerischen Kniff, das Familienskelett Skel als Figur auftreten zu lassen, fand ich richtig klasse.Einige Dinge, wie etwa die Erlebnisse in der Kindheit der Mutter, werden nur angedeutet, was mir auch gut gefallen hat; es hat mich ein bisschen an Die Nacht gehört dem Drachen erinnert.Insgesamt ein toll aufgebautes Buch mit einer innovativen Idee, das mich noch lange beschäftigt hat!

New Orleans in den 50ern

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Foto: Ruta Sepetys im Gespräch mit den Bücherfressern in München

Ruta Sepetys, Ein Glück für immer, Königskinder 2014 € 17,90

Das Setting des neuen Buches von Ruta Sepetys ist New Orleans, auch "The big Easy" genannt, nach dem Zweiten Weltkrieg. Die 16-jährige Josie wächst in dieser Stadt, wo die Schere zwischen Arm und Reich extrem groß ist und die Mafia viel Einfluss hat, auf. Sie kommt mit den unterschiedlichsten Personen in Berührung: ihre Mutter als Prostituierte, die ihr verhasst ist; Willie, die starke Bordellbetreiberin, die für sie sorgt; ihr bester Freund Patrick, mit dem sie eine Buchhandlung im Quarter führt, und sein verwirrter Vater Charlie; Charlotte, eine Collegestudentin, mit der Josie gern eine Freundschaft beginnen und studieren würde: Jesse, Freund und Beschützer; Leute von der Mafia, reiche Touristen. Sie lebt zwischen diesen verschiedenen Personen und gehört nirgendwo richtig hin. Sie möchte aufs College, kann aber ihre Herkunft nicht abstreifen, die ihr diesen Schritt sehr schwer macht. Die Geschichte ist sehr dicht und schön erzählt, es kommen einige starke Sätze und Zitate vor. Vielleicht sind die vielen Personen und Handlungsstränge manchmal ein bisschen zu viele, aber dadurch entsteht auch ein Bild von einer Zeit und einem Ort, die einem vielleicht nicht so nahe sind.Insgesamt ein schönes Buch!

Leben in der DDR

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Buchmesse: Frankfurt 2014

Unser erster Programmpunk war die Podiumsdiskussion zwischen zwei Autorinnen, die beide aus der DDR kommen und Bücher darüber geschrieben haben: Grit Poppe mit Weggesperrt, Abgehauen und aktuell Schuld, und Dorit Linke mit ihrem Debüt Jenseits der blauen Grenze. Mit beiden konnten wir ein Interview führen.

Mutige Menschen

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Deutscher Jugendliteraturpreis Sachbuch

Christian Nürnberger: Mutige Menschen. Widerstand im Dritten Reich, Gabriel Verlag 19,99

„Als mein Verleger mich bat ein Jugendbuch zu schreiben sagte ich: Jugendliche kann ich nicht. Ich kann nur Erwachsene.“ Christian Nürnberger in einem Gespräch mit Katrin Rüger

Schade, dass ich vergass zu fragen, wie Sie es dann doch geschafft haben, eins zu schreiben...vermutlich ist es grad deswegen so gelungen, da Sie kein speziell für Jugendliche konzipiertes Buch geschrieben haben, sondern einfach nur ein Buch, welches versucht ein paar Dinge zu klären und von jedem gelesen werden kann, der sich dafür interessiert.

Eigenes Urteil gefragt

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Foto: Anne-Laure Bondoux und die Bücherfresser auf der Frankfurter Buchmesse. Zum Interview

Anne-Laure Bondoux, Der Mörder weinte, Carlsen 2014 € 14,90

Es ist eine Geschichte vom Ende der Welt und wie schon "Zeit der Wunder" über eine ungewöhnliche Art von Glück, Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Für den siebenjährigen Paolo beginnt eine neue Zeit, als eines Tages der gesuchte Mörder Angel an seinem Haus am abgelegensten Ende Chiles ankommt und seine Eltern umbringt. Den Jungen lässt der misstrauische und verbitterte Mann am Leben, zieht in das Haus ein und übernimmt Stück für Stück eine Art Vaterrolle für ihn. Es beginnt eine Art Verbindung, Freundschaft zwischen den beiden. Nach einiger Zeit stößt ein weit gereister, nach sich selbst suchender Mann zu ihnen, der ebenfalls eine Vaterfigur für Paolo wird, wenn auch auf eine andere Weise.Diese eigenartige Familie wird jedoch zerstört, als der zum Tode verurteilte Angel hinter Gitter kommt. Clarie, 18 Jahre

Neuen Horizonten entgegen

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis Jugendbuch 2012

Foto: Anne-Laure Bondoux mit Bücherfressern auf der Frankfurter Buchmesse. Zum Interview

Anne-Laure Bondoux, Zeit der Wunder, Carlsen Tb €6,99

Kaukasus, 1985: Das Sowjetreich zerfällt und die kleinen Staaten, die Moskau unterstellt waren, wollen unabhängig werden. Dabei gibt es immer wieder auch Anschläge, einer von vielen auf einen Zug. In dem brennenden Zug findet eine russische Helferin, Gloria, eine französische Frau mit ihrem Baby, die im Sterben liegt. Die Frau, Jeanne, fleht Gloria an, ihren Sohn Blaise zu nehmen, und übergibt ihr auch seinen und ihren französischen Pass.So nimmt Gloria Blaise, den sie Koumail nennt, bei sich auf, schlägt sich mit ihm durch ihr hartes Leben, ein Leben der Ärmsten, und erzählt ihm jeden Abend "seine" Geschichte, die ihm Mut und Hoffnung geben soll. Bis auf einen Rucksack mit Gegenständen, die ihnen wichtig sind, haben sie sonst weniger als nichts. Die Gegenstände sind zum Beispiel ein grüner Reiseatlas, auf dem sie ihren Weg verfolgen, und ein Samowar, mit dem sie Tee kochen können. Seitdem ist es Glorias Ziel, ihn nach Frankreich zu bringen, in das Land, in dem die Menschenrechte erfunden wurden.

Die Entdeckerin: Anne-Laure Bondoux

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Worauf ich mich persönlich am meisten gefreut habe auf der Frankfurter Buchmesse (abgesehen davon, einen Tag schulfrei zu haben), war das Interview mit der Autorin von meinem Wunschpreistitel „Zeit der Wunder“, Anne-Laure Bondoux. Das Interview haben wir in einer bunten Mischung aus Französisch, Deutsch und Englisch geführt.

Unsere erste Frage war natürlich, wie sie die Idee zu diesem Roman hatte. Sie wollte eine Geschichte über einen Optimisten schreiben, eine Geschichte über eine Katastrophe und eine Person, die dieser trotzt. Dann hat sie diese Art von Geschichte mit anderen Geschichten, die sie in ihrem Kopf hatte oder die im Radio oder im Fernsehen kamen, vermischt. Dazu kommt, dass in Frankreich Migranten ein großes Problem sind. Jeden Tag gibt es eine neue Nachricht über irgendeinen Vorfall mit Migranten.

Kindsein in der DDR

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Deutscher Jugendliteraturpreis Jugendbuch 2010

Nadja Budde, Such dir was aus, aber beeil dich! Kindsein in zehn Kapiteln, Fischer Schatzinsel Tb 12,95

Das Buch ist eine Mischung zwischen Comic und Graphic Novel. Es wird eine Kindheit in der DDR beschrieben, auf die Nadia Budde zurückblickt. Ich fand es witzig und auch nachdenklich. Im ersten Kapitel habe ich mich an meine Großeltern erinnert, die auch auf dem Land leben. Das Buch wird ab 14 empfohlen, aber ich glaube, dass man es als Erwachsener, der auf seine Kindheit zurückschaut, noch besser versteht. Man muss auch ein bisschen über die DDR wissen, weil es viele Anspielungen darauf gibt. Meine Mutter hat das Buch gelesen, es hat ihr sehr gut gefallen und ihr sind einige Sachen aufgefallen, die ich gar nicht bemerkt hätte. Trotzdem ein sehr unterhaltsames Buch!!

drüben!

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nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis Sachbuch 2010

Simon Schwartz, drüben! Avant Verlag € 14,95

Drüben ist eine Graphic Novel, die vor allem in schwarz, weiß und grau gehalten ist und so gut zu der Stimmung in der DDR passt. Der Autor erzählt die Geschichte von sich und seinen Eltern, die aus der DDR fliehen wollen. Doch deren Eltern, die überzeugte Bürger der DDR sind, fassen die Flucht nicht gegen das unterdrückende System, sondern gegen sich selbst gerichtet auf. Ich fand das Buch gut, es liest sich schnell  und ist sehr interessant, aber "Such dir was aus, aber beeil dich" zum Thema DDR ist noch origineller.