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In seinen Biographien deckt Alois Prinz ein großes Spektrum an Menschen ab. Er schreibt über Hermann Hesse, Hannah Arendt bis hin zu Ulrike Meinhof, sowohl über "gute" als auch über "böse" Menschen. Diese Menschen haben oft ähnliche Voraussetzungen im Leben, und kommen irgendwann an einen Punkt, an dem sie sich für eine Richtung entscheiden müssen. Dann wird es interessant für ihn, auch wenn er sich bei einigen Biographien erst zum Schreiben überwinden musste, wie etwa bei Jesus: Wie schreibt man über eine Figur, bei der jeder sofort ein Bild im Kopf hat?

Und bei Ulrike Meinhof war eine der Schwierigkeiten, gegen feste Meinungen anzuschreiben; außerdem gab es noch kein vergleichbares Buch.Auch hatte niemand vor ihm Goebbels` Nachlass eingesehen. Prinz konnte so beim Lesen der Tagebücher und anderem Material Goebbels in den Kopf schauen und fand Ähnlichkeiten in der Auslöschung der Individualität bei ihm und Meinhof. Meinhof ist ihm mit ihrer zunehmenden Radikalisierung fast als Person verloren gegangen, sagt er, nur in ihren Briefen war sie vielleicht noch sie selbst. Ansonsten existierte sie nur noch schemenhaft hinter ihren Gedanken, war in ihrem Handeln eigentlich schizophren.
Beim Schreiben über jemanden lernt man viel, und gerade die Biographie über Hannah Arendt, die sehr klug und subtil die Fragen nach der Schuld zu beantworten versucht hat, hat ihm sehr geholfen, die anderen Personen nachzuvollziehen.Diese seien ihm häufig in vielem voraus, und beim Schreiben entsteht ein dauernder Dialog, aus dem er viel aufnehme. Wie Kafka sagt, sollte jedes Buch die Axt sein, mit der das Eis in uns zerschlagen wird, also die Vorurteile und festgefahrenen Meinungen. Man entwickelt sich weiter und sprengt ein Stück weit seine Welt.Ein Buch soll auch dem Leser wehtun, nicht mit Provokationen im Sinne von krassen Tabubrüchen, sondern durch ein Weiterwirken in den Gedanken. Der Leser soll Stellung beziehen, denn er wäre vielleicht auch verführbar, und deshalb ist ein Hineinversetzen, Entscheiden und Nachdenken gefordert. Prinz versucht, Vorurteile abzuschalten. Aber seine Bücher sind auch immer subjektiv, es gibt keine objektive Herangehensweise an die Personen.
Wie lebt man dann mit so einer Figur? Goebbels sitzt ja quasi mit am Mittagstisch. Am Ende ist deshalb eine Bewertung von außen, von seinem Lektor wichtig.Nach dem Ende einer Biographie bekommt Prinz Entzugserscheinungen, er denkt immer noch mit der Figur und über sie nach. Kein Wunder, denn die detektivische Recherche dauert, soweit man den Anfang genau abschätzen kann, zusammen mit dem Schreiben circa zwei Jahre.
Wie er zum Biographienautor wurde, hat sich eigentlich zufällig ergeben. Die Kombination aus systematischer Recherche und einer Geschichte hat es ihm angetan. Er weiß manchmal rational nicht hundertprozentig genau, was er schreibt, manche Sachen könne man nur durch ein Bild zeigen, aber nicht formulieren: Don`t tell, show! Dabei schreibt er lieber über Frauen, sie sind ehrlicher und komplexer, sagt er mit einem Augenzwinkern.
Über seine Zielgruppe macht er sich keine Gedanken, sie ergibt sich aus dem Schreiben und Verstehen; das sei ein großes Privileg.Wir sind schon sehr gespannt auf das neue Buch, über das er uns noch nichts verraten wollte! Claire (19) und Paula (18)