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Vom sauren Leben mit falschen Apfelmördern, einem Regenwurm-Rettungsplan, einem Fast-Umzug wegen der Sache mit dem Harz, einer verwegenen Familienmission, ein paar unverhoffter Geburten und  perfekter Beerdigungen und allem, was das Leben einer sechsköpfigen Familie rundheraus knackig, rotbackig und saftig macht.

Unter dem Bücher-Apfelbaum war der Palast bis zum letzten Platz gefüllt. In zwei Jahren sind wir zu einer großen Familie angewachsen. Die meisten der Zuhörer kannten die Dynamik, welche sich unter Geschwistern entwickeln kann, so wie in Silke Schlichtmanns neustem Pernilla Abenteuer. Umgedichtete Beatlessongs auf der Gitarre zum Mitsingen rundeten die Veranstaltung ab. Am Ende gab es süße Äpfel, Apfelchips und Apfelsaft für alle. Der Hit war die Apfelschälmaschine mit mechanischer Kurbel, an der die Kinder sich ihre Äpfel in mundgerchte Scheiben schneiden konnten.

Pernilla ist acht und schon sehr selbstständig. Kein Wunder. Ihr Platz ist hinter zwei großen Brüdern und vor einem Babybruder in der Geschwisterreihe. Ihre Mutter muss als Thrillerschreiberin oft in den Verlag und ihr Vater versteht sich auf das Schreinern von Särgen, leidet aber neuerdings an Auftragsmangel. Als Mama die Sache mit dem Harz verkündet ist Pernilla erstaunt, dass bei so wenig Geld noch Urlaub drin ist. Doch der Harz entpuppt sich als Hartz IV. Der Umszug in eine kleinere Wohnung droht. Da entsteht unter den vier Kindern ein verwegener Plan, wie sie sich und die Eltern retten werden. In einfallsreichem Sprachspiel manövriert die Autorin jedes Mitglied nach seiner Façon lebendig durch ihre Familiengeschichte. Dabei entwirft sie wunderbare Alltagssequenzen, die nie so enden, wie sie begonnen haben, weil sie beständig durch unverhofften kindlichen Ideen-Einsatz bereichert werden. Selbst die fantasiereiche Denkerin Pernilla schafft es nicht immer, alles im Voraus zu planen. Und wer will schon in den sauren Apfel beissen? Ein saftiger Lese- und Vorlesespaß für die ganze Familie.

 

Foto: C.Quincke